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Nase voll: Was das Leben mit Heuschnupfen erträglicher macht

Endgegner Heuschnupfen [Foto: Jacqueline Brinkwirth]
16.06.2020 13:49 - Jacqueline Brinkwirth

Juckende Augen, die Nase läuft, das Atmen fällt schwer: Gerade im Frühsommer steigt mit den Temperaturen auch die Last für Betroffene von Heuschnupfen. Doch was löst Heuschnupfen aus? Und was können Allergiker*innen tun, um Symptome zu bekämpfen? Wir haben uns das Krankheitsbild genauer angeschaut.

Im Frühjahr und Sommer zeigt sich die Natur, angetrieben durch die verstärkte Sonneneinstrahlung, in ihrer vollsten Pracht.

Pflanzen beginnen zu blühen, Wiesen und Parks erstrahlen in sattem Grün – für die meisten Menschen ist das ein Grund, möglichst viel Zeit draußen zu verbringen. Doch für über 12 Millionen Menschen in Deutschland bedeutet die Blütezeit vor allem eines: Heuschnupfen. Eine Allergie gegen Pollen ist wie alle anderen Allergien auf eine Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber eigentlich harmlosen Stoffen zurückzuführen. Beim Kontakt mit dem Allergen wird im Blut Histamin freigesetzt und eine Abwehrreaktion ausgelöst. Besonders betroffen sind die Stellen des Körpers, auf die Allergene direkt einwirken. Bei einer Allergie gegen Insektengifte schwillt beispielsweise das Gewebe rund um die Einstichstelle stark an, die Haut beginnt zu jucken. Ähnlich verhält es sich auch mit einer Allergie gegen Pollen. Denn sobald sich zu Beginn der Blütezeit Pollen in der Umgebungsluft befinden, kommen sie in Kontakt mit den Schleimhäuten der Augen, Nase und des Rachens. Das Ergebnis: die Schleimhäute schwellen an, es bildet sich vermehrt körpereigenes Sekret, die betroffenen Stellen jucken, verstärktes Niesen setzt ein. 

Symptome erschweren den Alltag

Obwohl diese Reaktionen des Körpers eigentlich dafür sorgen sollen, die Allergene loszuwerden, empfinden gerade Pollenallergiker*innen die Symptome als störend oder gar unerträglich. Das Atmen wird durch die geschwollenen Schleimhäute erschwert, was sich in Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen äußern kann. Die Diagnose ist nicht immer einfach, da viele der Symptome auch bei einer Erkältung auftreten können. „Schätzungen zufolge behandelt sich jeder dritte Patient auf eine Erkältung hin, obwohl er in Wirklichkeit eine Allergie hat“, erklärt Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden, online

Ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt, können Ärzt*innen beispielsweise durch den sogenannten Pricktest bestimmen. Dabei wird die Haut oberflächlich eingestochen und im Anschluss bestimmten Allergenen ausgesetzt. Zeigt sich eine Reaktion in Form von Rötung, Juckreiz oder Quaddeln, ist man allergisch. Behandelt werden Allergien dann meist mit Medikamenten. „Bei sicherer Diagnose kann man nach Rücksprache mit dem Arzt auch eine Selbstmedikation durchführen“, meint Klimek. Bewährte Mittel seien Antihistaminika in Form von Tabletten, spezielle Nasensprays und Augentropfen: „Um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, ist jedoch eine tägliche Anwendung sinnvoll.“ 

Krisenzeit Februar bis Oktober

Die meisten Pollenallergiker*innen reagieren allerdings nicht nur auf eine bestimmte Art von Pollen, sondern auf viele verschiedene. Da Pflanzen eine unterschiedliche Blütezeit haben, kann sich die Allergiezeit im schlimmsten Fall von Februar bis Oktober hinziehen. Medikamente können die Symptome meist nur vorübergehend lindern.

Zudem kann es helfen auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, die viel Histamin enthalten.

„Die optimale Therapie ist nach wie vor eine lmmuntherapie. ln drei Viertel aller Fälle bekommt man damit die Allergie dauerhaft weg. Das hilft letztendlich auch, den Bedarf an Medikamenten zu senken“, betont der Allergologe. Eine sogenannte Hyposensibilisierung ist im Prinzip nichts anders als eine Allergie-Impfung. Dabei wird Patient*innen über einen langen Zeitraum ein Allergenextrakt gespritzt, damit das Immunsystem eine Toleranz aufbaut und eine weniger starke Abwehrreaktion zeigt. Gerade bei Pollenallergien habe sich diese Therapie als sinnvoll erwiesen, denn mit fortschreitendem Alter können die Beschwerden von den oberen Atemwegen tiefer wandern und möglicherweise allergisches Asthma auslösen. 

Neben Medikamenten können Betroffene auch selbstständig Maßnahmen ergreifen, um ihre Beschwerden zu lindern. Regelmäßige Nasenspülungen mit speziellen Solelösungen reinigen beispielsweise die Schleimhäute von Pollen und anderen reizenden Stoffen. „Sie eignen sich auch gut zur Vorbeugung“, so Kimek. Pollenschutzgitter für Fenster ermöglichen in der Pollenflugzeit das Lüften. Wichtig sei auch, Kleidung und Bettwäsche nicht draußen zu trocknen und starke körperliche Belastung an der frischen Luft zu vermeiden. Zusätzlich kann eine abendliche Dusche für besseren Schlaf sorgen, da Pollen aus den Haaren und von der Haut gespült werden. Ein weiterer Tipp: viel Wasser trinken. So trocknen die Schleimhäute nicht aus und sind besser gegen Reizungen gewappnet. Zudem kann es helfen auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, die natürlicherweise viel Histamin enthalten. Dazu zählen unter anderem alkoholische Getränke, Käse, Salami und Speck, bestimmte Früchte wie Bananen oder Birnen oder Lebensmittel, die die Freisetzung von Histamin begünstigen wie Tomaten, Erdbeeren, Nüsse, Kakao und Schokolade. Grundsätzlich gilt: Medikamente sind nicht der einzige Weg, um eine Pollenallergie zu behandeln. Auch ein veränderter Lebensstil, pflanzliche Mittel oder eine Hyposensibilisierung können Linderung verschaffen. Wichtig dabei ist, mögliche Behandlungen immer mit einem*r Fachärzt*in zu besprechen. Wo ihr eine*n geeignete*n Allergolog*in findet, könnt ihr unter anderem hier herausfinden: https://allergiecheck.de/facharztsuche

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