Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

How To WG-Casting

16.08.2018 17:44 - Julia Segantini

Die Suche nach einem*einer Mitbewohner*in ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt. Anhand einer kurzen Wohnungsbesichtigung ist es schwierig zu entscheiden, ob man mit der*demjenigen Monate unter einem Dach verbringen kann. Eine falsche Wahl kann einem friedlichen WG-Leben zum Verhängnis werden. Wir haben einige Tipps für euch, die die Entscheidung erleichtern und haben den Mieterschutzbund gefragt, was bei einem Untermietvertrag zu beachten ist.

Seit 14 Monaten wohne ich nun in meiner eigenen Wohnung mitten in Essen. Heute zieht meine neue Mitbewohnerin ein – die vierte seit meinem Einzug. Die Fluktuation ist bei mir recht hoch, der erste Mitbewohner bekam einen Job in Bayern, die zweite ein Praktikum in Hamburg, die dritte war nur für ein Semester an der Universität Duisburg-Essen. Ich bin die Konstante hier. Umso mehr habe ich inzwischen darüber gelernt, was man der Suche nach einem*einer neuen Zimmernachbar*in beachten muss und wie man einen Mitbewohner*innen-Marathon überlebt.

Tabellen sind dein Freund

Wer den Luxus hat, sofort einen Glücksgriff zu landen oder mit Freund*innen zusammen wohnen zu können, kennt sie vielleicht nicht, andere dürften bei der Erwähnung des gleich folgenden Wortes mit den Augen rollen: Mitbewohner*in-Casting. Nervig, aber irgendwie doch unumgänglich, wenn man die Personen vor dem Einzug kennen lernen möchte und auch für die Bewerber*innen wichtig um die Wohnung oder das Zimmer in Augenschein zu nehmen.

Erste Regel hierbei: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Egal wie schön die Wohnung ist, egal wie gut die Lage ist, verlasst euch nicht darauf, dass sich schon genug Interessierte melden werden. Fangt ihr erst zwei Wochen vor dem Einzugstermin an, Besichtigungstermine zu vereinbaren, kann es passieren, dass ihr zahlreiche Begehungen macht, aber kein*e passende*r Bewerber*in dabei ist. Wenn ihr Termine ausmacht, richtet euch am besten eine Tabelle ein. Name, Besichtigungstermin, Studiengang oder Beruf, Alter, und was euch sonst noch wichtig erscheint. So könnt ihr die Personen besser zuordnen und fragt euch nicht, wer das gleich noch mal war, der*die euch da gegenüber sitzt. In eure Tabelle könnt ihr auch gleich nach dem Besuch Notizen zu der potenziellen neuen Mitbewohner*in eintragen.

Außerdem solltet ihr euch im Vorfeld überlegen, was euch beim Zusammenleben wichtig ist. Legt ihr wert auf Sauberkeit, fragt lieber nicht einfach, „Und, wie wichtig ist dir ein sauberes Bad und wie oft spülst du so?” Die wenigsten werden zugeben, dass sie eine dreckige Toilette einfach übersehen und den Tellern lieber beim Schimmeln zusehen, als sie zu säubern. Geht das ganze subtiler an – ihr könnt zum Beispiel fragen, ob sie in anderen WGs einen Putzplan geschrieben hat und wie sich daran gehalten wurde oder ihr fragt, wie sie Räume reinigt.

Wie du heraus findest, ob die Chemie passt

Um Dinge wie diese herauszufinden, braucht ihr Zeit. Bittet den*die Bewerber*in genügend davon mitzubringen und nehmt euch selbst genug Raum dafür. In einem halbstündigen Marathon kann man sich nicht genügend kennenlernen. Am Ende gilt: Verlasst euch auf euer Bauchgefühl und eure Menschenkenntnis. Das gilt auch, wenn ihr ein Casting organisiert, für das ihr gleich mehrere Bewerber*innen einladet. Der Vorteil ist, ihr erkennt Dynamiken, seht die Personen in Interaktion und könnt die gesellige Seite kennenlernen. Der Nachteil: Viele verstellen sich in solchen Situationen, tun beispielsweise so, als hätten sie die gleichen Hobbies und Meinungen wie du um dir zu „gefallen”. Ihr lernt sie nur oberflächlich kennen und findet eventuell nicht heraus, ob die Chemie zwischen euch stimmt.

Um mehr über die Persönlichkeit zu erfahren könnt ihr fragen, ob die Person gern ausgeht, welche Veranstaltungen er*sie gern besucht oder wie die Zimmergestaltung aussehen soll. Ein, zwei Bierchen können dabei die Stimmung etwas auflockern. Diese Art Casting eignet sich als Notlösung, wenn ihr möglichst viele Interessierte in einem kurzen Zeitraum kennenlernen möchtet.

Ein wasserdichter Untermietvertrag

Ist die erste Hürde überwunden und der Neuankömmling ist angezogen, gilt es das vertragliche zu regeln. Wenn ihr schon vorher wisst, dass der*die Zimmernachbar*in nur einige Monate da ist oder ihr häufig wechselnde Mitbewohner*innen habt, kann es sinnvoll sein, einen Untermietvertrag für die Person aufzusetzen. Das ist deshalb praktisch, weil ihr euch dann nicht jedes Mal mit dem Vermietenden auseinandersetzen müsst und nicht von ihm*ihr abhängig seid.

„Die Erhöhung der Miete wegen der Untervermietung muss sich aber im angemessenen Rahmen halten.”

Wer es stressfrei mag, kann eine Inklusivmiete vereinbaren. „Dies bedeutet, dass ein Gesamtbetrag für Miete und Nebenkosten, meist auch Strom vereinbart wird und somit auf eine Abrechnung verzichtet werden kann”, erklärt der Mieterschutzbund. Der Vorteil dabei sei eine Rechtsklarheit sowohl für den Untermieter, als auch für den Hauptmieter. „In der Regel wird nur ein Teil der Wohnung untervermietet sein und der Hauptmieter noch dort wohnen und die Wohnung im Wesentlichen mit seinen Einrichtungsgegenständen ausgestattet haben. Für diesen Fall gelten keine Schutzbestimmungen für den Untermieter”, stellt der Mieterschutzbund klar. Deshalb sei es wichtig, dass im Untermietvertrag eine Kündigungsfrist vereinbart wird. Meist beträgt diese zwei Wochen zum Monatsende oder einen Monat.

Untervermieten kann im Prinzip jeder, denn darauf hat der Hauptmieter in der Regel einen mietvertraglichen Anspruch. „Dem Vermieter sind aber Name, Alter, Personenstand und Beruf des Untermietenden mitzuteilen”, betont der Mieterschutzbund. „Der Hauptvermieter kann seine Erlaubnis zur Untervermietung von einer Mieterhöhung abhängig machen, wenn ihm die Zustimmung sonst nicht zumutbar ist”, erklärt der Mieterschutzbund, „Die Erhöhung der Miete wegen der Untervermietung muss sich aber im angemessenen Rahmen halten.” Dieser Zuschlag sei dann angemessen wenn zwischen Hauptvermieter und Hauptmieter eine Inklusivmiete vereinbart wurde.

Auf Nummer sicher

Wer es lieber genau nimmt, kann im Untermietvertrag auch einen zusätzlichen Abschnitt zur Betriebskostenabrechnung ergänzen. Darin solltet ihr festlegen, dass ihr euch den Betrag, egal ob Guthaben oder Defizit, teilt. Klingt zwar selbstverständlich, allerdings ist der Untermietende ansonsten nicht verpflichtet, euch bei Nachzahlungen die Hälfte dazuzugeben. Eine mündliche Abmachung reicht dann eventuell nicht aus, da die Person längst woanders wohnen kann wenn die Betriebskostenabrechnung eintrifft.

Am sichersten ist also eine Inklusivmiete, weil dann keine nachträglichen Absprachen mehr nötig sind, die sich schwierig gestalten können, wenn der Untervermietende nach dem Auszug nicht mehr erreichbar ist. Am besten überlegt ihr gemeinsam wie ihr das lösen möchtet. Untermietverträge findet ihr online als Vorlage. Ihr könnt zum Beispiel hier einen downloaden und dann individuell anpassen.

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