Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

„Du musst nur an dich glauben“

Symbolbild: Viele Mensche haben kein Zuhause. (Pixo7000/flickr/CC-BY-ND-2.0)

27.09.2018 14:07 - Redaktion

 

Als wir uns noch für eine Schlange begeistern konnten, die eigentlich nur ein gerader und beweglicher Strich war, der durch ein Spielfeld gesteuert wurde, um einen Happen aufzunehmen und seinem Schwanz auszuweichen, da gab es noch sowas wie SchülerVZ.

Jung und anspruchslos wie wir waren, verzichteten wir sogar auf persönliche Optimierungstrigger wie Filter- und Feedbackfunktion (aka Likes). Um unsere BFF zu empowern oder dem süßen Paul aus der 6b aufzufallen, gruschelten wir – was im Nachhinein ziemlich bedrohlich klingt und ein guter Grund für den Untergang des sozialen Netzwerks ist! Ein viel spannenderes Tool waren hingegen die Gruppen mit poetischen Titeln wie „Alter, ich sag zu oft Alter für mein Alter, Alter.“

Eine Weisheit, die vor allem auf SchülerVZ der ersten Internetgeneration indoktriniert wurde: „Du musst nur an dich glauben.“ Klingt ja erstmal nicht schlecht! So gar nicht nach Regeln, Hierarchien, nationalen Grenzen, Machtmonopol, Klassengesellschaft, Ressourcen oder einem Spardiktat. Weil: Yay, alle sind gleich; es reicht schon aus, an sich zu glauben. Was im Umkehrschluss bedeuten würde: Alle haben die gleichen Rechte. Ein Credo, das im Kapitalismus nicht ganz so gut funktioniert. Selbst lebensnotwendige Menschenrechte wie „Nahrung“ werden weltweit immer noch nicht umgesetzt:

Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung und 800 Millionen Menschen hungern – obwohl es genug Nahrung, Wissen und Mittel für alle gibt. Geht man noch einen Schritt weiter, hat die verzerrte Wahrheit fatale Nachwirkungen: Sie entreißt uns einer Gemeinschaft, nimmt uns unser Verantwortungsgefühl und verschleiert die Betroffenenperspektive. Schließlich hätte sich das Arbeiter*innenkind mit der alkoholkranken Mutter einfach ein bisschen mehr in der Schule anstrengen müssen, um nicht selbst auch in die Abhängigkeit von Hartz IV zu rutschen. Wenn Schüler*innenVZ also ein Comeback feiert, dann bitte ohne den giftigen Gruppentitel. Dann vielleicht als Anfang vom ungerechten Ende; als Plattform für mehr Austausch und Auseinandersetzung. Ich glaube fest daran! Wer macht mit?
 

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