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RATGEBER & TERMINE

Bluten für die Umwelt

Die Menstruationstasse ist eine ökologische Alternative. [Foto: Lena Janßen]

06.02.2020 11:01 - Lena Janßen

Zirka 45 Milliarden Tampons und Binden werden jährlich verbraucht. Die herkömmlichen Produkte sind nicht umweltfreundlich und erzeugen eine große Menge Plastikmüll. Mittlerweile gibt es allerdings einige Ausweichprodukte, die sowohl weniger (Plastik-) Müll produzieren, als auch ressourcenschonend sind. In diesem Ratgeber haben wir einige davon für euch zusammengetragen.

Einmal im Monat ist es soweit und die Periode setzt ein. So individuell dieser Prozess bei jedem menstruierenden Menschen abläuft, in einer Sache haben sie etwas gemeinsam: Hygieneprodukte die in dieser Zeit benötigt werden sind meist weder umweltfreundlich, noch schonen sie Ressourcen in ihrer Produktion. Tampons und Binden sind Wegwerfprodukte, die nicht recycelt werden können.

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Und auch in ihrer Herstellung zeigt sich: Es finden chemische Prozesse statt, in denen die Baumwolle gebleicht und gereinigt werden muss, damit das Produkt für den menschlichen Körper geeignet ist. Sowohl der Anbau von Baumwolle als auch die Fertigstellung vom Endprodukt verbrauchen eine Fülle von Wasser. Hinzu kommt: Die Vagina ist eine der absorbierensten Stellen des weiblichen Körpers und nimmt durch die Benutzung herkömmlicher Periodenprodukte chemisch produzierte Duftstoffe und Polymere durch die Scheidenschleimhaut auf. Keine besonders schöne Vorstellung, oder?

Umweltfreundliche Möglichkeiten

Was gibt es also für Alternativen, die umweltfreundlicher sind und in ihrer Herstellung möglichst ressourcenschonend? Zum einen gibt es Tampons und Binden, die ökologischer als die herkömmlichen Produkte hergestellt sind und von der Benutzung von Plastik absehen. Unter anderem werden mittlerweile ökologische Tampons und Binden hergestellt, bei denen der Plastikverbrauch auf ein Minimum reduziert wird. Die Tampons bestehen zu 100 Prozent aus Bio-Baumwolle, die Binden aus 73 Prozent Bio-Baumwolle und 27 Prozent Bio-Plastik aus Maisstärke.

Eine weitere Alternative zu den bekannten Produkten ist die Menstruationstasse, die von einigen Herstellern als ökologische Möglichkeit angeboten wird. Sie besteht aus medizinischem Silikon und wird während der Periode in die Vagina eingeführt. Dabei hat sie ein Fassungsvermögen von circa 35 Milliliter.

Zu Beginn kann die Menstruationstasse eine Umstellung sein, wenn man bisher Tampons und Binden verwendet hat. Doch der Vorteil ist: die Tasse muss nicht nach einer Benutzung weggeworfen werden. Sie wird ausgewaschen, einmal in heißem Wasser ausgekocht und kann dann wiederverwendet werden. In der ersten Anschaffung ist sie teurer als die herkömmlichen Artikel (um die fünfzehn Euro), kann jedoch bei guter Pflege fünf bis zehn Jahre verwendet werden. Dadurch werden ungefähr 2000 Tampons pro Person eingespart.

Auch Menstruationsschwämmchen sind eine umweltfreundliche und günstige Option. Sie sind hautfreundlich und bestehen aus gewachsenem Naturmaterial. Vor der Benutzung wird das Schwämmchen angefeuchtet und kurz ausgedrückt. Je nach Stärke der Blutung können auch zwei Schwämmchen hintereinander eingeführt werden. Alle acht Stunden sollte der Schwamm gereinigt und neu eingeführt werden. Zuerst sollte das Schwämmchen einmal mit kaltem Wasser ausgespült werden, danach mit warmem Wasser.

Umweltfreundlich ganz ohne Einführen

Zudem besteht die Möglichkeit der wiederverwendbaren Binden und Periodenunterwäsche. Auch eine gute Alternative für Menschen, die während der Periode keine Produkte verwenden möchten, die in den Körper eingeführt werden müssen. Wiederverwendbare Binden bestehen aus Stoff und können nach der Verwendung gewaschen werden. Diese Alternative ist nicht nur umweltfreundlicher angelegt und produziert. Es gibt sie in unterschiedlichen Varianten, angepasst an die Stärke der Monatsblutung, um auch das Wohlbefinden der Nutzenden während der Periode zu sichern.

Dadurch werden ungefähr 2000 Tampons pro Person eingespart.

Zu beachten ist Folgendes: ein kalter Waschgang bietet sich an, da sich Blut unter kaltem Wasser leichter auswaschen lässt. Ob dabei mit der Hand oder der Maschine gewaschen wird, ist unerheblich. Weiteres dazu lässt sich der Produktinformation entnehmen. Auch hier muss man beim ersten Kauf etwas tiefer in die Tasche greifen. Im Vergleich zu anderen Wegwerfprodukten lohnt sich dieser Kauf im Nachhinein dennoch.

Bei der Periodenunterwäsche ist bereits eine Slipeinlage integriert, die aus drei Schichten besteht. Die erste Schicht sichert das Trockenheitsgefühl und Wohlbefinden. Es folgt eine antibakterielle und absorbierende Schicht. Sie verhindert, dass Bakterien sich vermehren und unangenehme Gerüche entstehen. Die dritte Schicht sorgt mit einer flüssigkeitsundurchlässigen Membran dafür, dass die Kleidung fleckenfrei bleibt. Auch diese Alternative kann nach der Benutzung gewaschen und dann wiederverwendet werden.

Free Bleeding

Zuletzt bietet sich noch die wohl umweltfreundlichste Methode, das Natural oder Free Bleeding an. Dabei werden keinerlei Hygieneprodukte während der Periode benutzt. Menschen, die zu dieser Methode greifen wollen, sollten zu Beginn alle 20 bis 30 Minuten auf die Toilette gehen und das Blut ablaufen lassen.

Durch die Muskelkontraktionen der Gebärmutter wird das Blut nicht ständig ausgestoßen, sondern in Schüben. Wann diese Schübe auftreten ist immer unterschiedlich. Wenn man Natural Bleeding in Betracht zieht, ist es von Vorteil den eigenen Körper und Zyklus gut zu kennen. Wenn man sich mit der Methode angefreundet hat und die eigene Regelblutung besser einschätzen kann, können auch die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen größer werden.
 

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