Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

Alles nur Betrug

(Foto: Björn Rohles, CC BY-SA, flickr)

28.06.2018 11:32 - Redaktion

Kolumne

Was ich in meinen Studium gelernt habe? Raffiniert zu betrügen. Täuschen, irreführen und feilschen: Eigenschaften, die man braucht, um gut durchzukommen. Bewusst wird einem das spätestens, wenn man sich durch die Vorbereitung auf Lehrveranstaltungen auf Online-Plattformen klickt. Dort heißt es dann: 20 Seiten lesen, 13 Wiederholungsfragen bearbeiten und 8 Aufgaben lösen. Alles bis zur nächsten Woche. Wenn man das Ganze dann auf sechs Lehrveranstaltungen rechnet, landet man bei einem Arbeitspensum, das nur mit ziemlich schmerzhafter Selbstaufopferung machbar.

Das möchte zum Glück keine*r. Mit Lehrenden offen und ehrlich über den utopisch hohen Arbeitsaufwand sprechen, fühlt sich auch falsch an. Man lässt es, fügt sich der großartigen Theatervorstellung, schlüpft in Rollen und erzeugt Illusionen.

Dabei hilft die Vernetzung mit anderen Studis. In Whatsapp-Gruppen werden gefälschte Unterschriften abgesprochen. Wenn ich es also mal nicht schaffe, weil ich noch Privatleben und Nebenjob habe, landet meine Signatur trotzdem auf der Anwesenheitsliste.

Um vor Ort superamibitioniert auszusehen, reicht es schon, die Pflichtlektüre ein bisschen mit Textmarker anzukritzeln, sich im direkten Sichtfeld der Lehrenden zu platzieren. In Diskussionen hilft Namedropping, ein bis zwei Adorno-Zitate kombiniert mit dem aktuellen politischen Tagesgeschehen. Und durch die Volltextsuche von Google, kann ich sogar einzelne Zitate suchen ohne jemals ein Buch berührt zu haben. Benachteiligungen durch eine veränderte Prüfungsordnung können zur Basis für Verhandlungen mit Dozierenden werden. Wusstet ihr, dass man eine Fristverlängerung von Abschlussarbeiten für “Probleme bei der Datenbeschaffung” bekommen kann? Eine weitere Ausführung bedarf es nicht.

 

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