DSC_0510Da hat man sich als Facebook- Nutzer*in gerade von dem Julia Engelmann Flashmob erholt, schon tritt der nächste in Erscheinung. Bier soweit das Auge reicht. Ein Trinkspiel macht im Internet die Runde. Die Aufgabe: Innerhalb von 24 Stunden einen halben Liter Bier exen, davon ein Video online stellen und anschließend drei Freund*innen nominieren, die das Gleiche tun müssen. Macht man dies nicht, wandert ein Kasten Bier an den/ die Herausforder*in.">
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Und die Nominierten sind...

14.02.2014 11:21 - Linda Gerner

Da hat man sich als Facebook- Nutzer*in gerade von dem Julia Engelmann Flashmob erholt, schon tritt der nächste in Erscheinung. Bier soweit das Auge reicht. Ein Trinkspiel macht im Internet die Runde. Die Aufgabe: Innerhalb von 24 Stunden einen halben Liter Bier exen, davon ein Video online stellen und anschließend drei Freund*innen nominieren, die das Gleiche tun müssen. Macht man dies nicht, wandert ein Kasten Bier an den/ die Herausforder*in.

Zu Beginn erstmal was Grundsätzliches, damit ich das auch richtig verstehe. Ging Wetten abschließen nicht mal anders? So eher interaktiv? Und darf man zu einer Nominierung auch „Nein“ sagen oder wird dann bereits der Kasten fällig? Ist das etwa dieser berühmt-berüchtigte soziale Gruppendruck, von dem so oft die Rede ist?

Bierernste Antworten‚ der Spaßbremsen

Denn nicht alle laden das geforderte Biervideo hoch. Spielverderber*innen gibt es wohl immer. Kann nicht ein Gruppendruck mal reibungslos ablaufen? Doch da das Exen auf Dauer ein wenig eintönig wurde, war es erfrischend ein paar andere Varianten zu sehen. Wie etwa das Video von einem bayrischen Jungen, der ein Pfützchen Bier aus seiner Donald Duck Schnabeltasse trinkt und Kommentare wie „Was bis de du fua Mann, Bier aussa Tassle?“ erntet oder das sympathische Mädchen, das den Bierkrug an den Mund hebt, sich eines Besseren besinnt und kopfschüttelnd sagt „Ja steh ich denn auf Gruppen- äh -druck?“.

Auch 1live Moderatorin Sabine Heinrich mischt mit einer Gegenaktion zu dem Bierspiel mit: „Extreme Stifting“. Die Aufgabe hier: Einen Stift zwischen Nase und Mund klemmen und ihn senkrecht auf einen Tisch aufstellen. Aussehen tut das Ganze ebenso sinnlos wie die Biernominierungen, es scheint mir aber irgendwie pädagogisch wertvoller zu sein. Tatsächlich sinnvoll ist dagegen die Charity-Variante des Trinkspiels: statt Trinken heißt es hier Spenden und weitere Spender*innen nominieren. So leicht kann es sein, für den guten Zweck zur Spielverderber*in zu werden.


Internationales Phänomen

Das Biernominierungsspiel ist jedoch nicht neu. Vor sechs Wochen begann der Hype um die Onlinewette in Australien und unter dem Titel „Neck Nomination“ zieht er auch in England, Irland und Amerika seine Kreise. In England läuft der Hype gerade zeitgleich zu Deutschland ab. Dort nehmen die Herausforderungen allerdings etwas andere Ausmaße an: Nichts Böses ahnend klicke ich ein Video einer englischen Freundin an, nur um mitansehen zu müssen, wie sie ein Gemisch aus Vodka, Zimt, roten Bohnen, Kaffee und Milch ext. Der ganze Spaß dauerte zwei Minuten. Die Nacht auf dem Klo wird ihr wohl deutlich länger vorgekommen sein.

In einem anderen Video sieht man wie ein Student aus England mitten in einer Vorlesung aufsteht, sich für die Biernominierung bedankt und danach den halben Liter ext. Anschließend wird man Zeuge einer Verfolgungsjagd von Biertrinker und Dozent. Entertainment pur. Lediglich an der Kameraführung sollte in Zukunft gearbeitet werden, dank dem Gerüttel fühl ich mich auch ohne den halben Liter betrunken. Und ich dachte schon, die Videos meiner deutschen Facebook Freund*innen wären proletenhaft, dabei läuft es hier noch einigermaßen zivilisiert ab.




Neben dem Biernominierungshype wird es auch sonst nicht langweilig bei Facebook. „Das hier ist mein Facebook-Film“ ist ein weiterer Statustrend anlässlich des 10-Jährigen Facebook Jubiläums. Dahinter steckt ein zusammengeschnittenes Video von den Bildern und „beliebtesten Status“ einer Person, untermalt von einer melodramatischen Musik. Da kommt Gänsehaut auf.

Etwas sinnvoller ist da schon die Kunstkettenaktion „Occupy Art“. Diese möchte gegen spannende Facebook-Postings à la „Das ist mein heutiges Essen“ angehen. Statt dieser bahnbrechenden Neuigkeit werden massenweise Bilder von Künstler*innen geteilt. Wem das dann noch nicht reicht, darf sich gerne noch als Werbemaskottchen benutzen lassen und folgt der Aufforderung von Matthias Schweighöfer, das eigene Profilbild, passend zu seinem neuen Film „Vaterfreuden“, in das eines Frettchens zu ändern. Doch gerade bei Pflichtwetten dürfen die Augen nicht vor der traurigen Realität verschlossen werden. Aufgrund des „NeckNomination“- Spiels gab es in Irland bereits mehrere Todesopfer. Erst kürzlich ist dort ein 19-Jähriger nach dem Einlösen der Wette ertrunken, nachdem er von einer Brücke sprang.

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber bei all dem Bier-, Kunst- und Frettchentrubel schwirrt mir der Kopf und ich sehne mich schon fast nach dem Engelmann-Video zurück. Das hatte sowas beruhigend eintöniges.

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