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Spotted auf Facebook: Stalking leicht gemacht?

26.01.2013 15:12 - Anna Sabi

Ein nicht ganz so brandneuer Trend hat die deutschen Hochschulen erreicht. "Spotted" (engl. "entdeckt") heißt das aktuell beliebte Phänomen, dass Schüchternen und kurzfristig Sprachlosen im Internet eine zweite Flirtchance auf die vielleicht große Liebe ermöglicht. Kreativitäts- und Innovationsfaktor der Spotted-Kontaktplattform beiseite, fallen jedoch auch Mankos der Idee ins Auge. 

Der Entstehungsort der ersten "Spotted"-Community ist umstritten. Ob der Ursprung nun an der University of Glasgow oder an amerikanischen Universitäten liegt, überall ist das Konzept natürlich das Gleich: Wer auf dem Campus jemanden sichtet, der das eigene Interesse geweckt hat, aber im richtigen Moment der Mut fehlt, der wendet sich einfach an das Spotted Portal vor Ort. Dies funktioniert ganz leicht, denn spotten kann man einfach über die hiesige Spotted-Kontaktplattform, also über eine Fanseite auf Facebook. Nach einem Klick auf den "gefällt mir"-Button werden alte Posts sichtbar und eigene Posts können anonym vom Spotted-Team gepostet werden lassen.

Keine Flaschen am Hinterkopf

 

Hat man sich also verguckt, wird einfach ein kurzer Text mit Beschreibung der Person, dem Ort an dem sie gesichtet wurde und der ungefähren Zeit verfasst. Dieser Text wird per Facebook-Nachricht an die Spotted-Administratoren gesendet, die diesen dann über ihren Account auf der Spotted-Seite posten. Die suchende Person bleibt also unerkannt. So viel zur Theorie.

Das Leck im Datenschutz

Komplett sicher ist das System jedoch nicht, denn gelegentlich erkennen Leser*innen in den Gesuchen Freunde wieder und verlinken diese direkt unter den Posts. So bleibt die freie Wahl, ob man sich von der suchenden Person überhaupt finden lassen möchte natürlich nicht bestehen. Von Privatsphäre ist hier also keine Spur. Ein schwacher Trost ist jedoch die Rettung durch das Spotted-Team, das sich dazu bereit erklärt, sofern man sich belästigt fühlt, jeden unerwünschten Post aufzuheben, denn niemand ist dazu gezwungen sich mit jemandem zu treffen.

Fettnäpfchen vorprogrammiert

Dass das System natürlich auch schwarze Schafe anlockt, ist vorauszusehen. So bleibt es auch nicht aus, dass das Spotted-Team in Fettnäpfchen tritt und nicht gemeinte Posts, die aus Jux und Tollerei verfasst wurden, nicht als solche erkennt und diese auf der Seite gespottet werden. Wie zum Beispiel am vorherigen Samstagabend: "Liebe Kommilitonin! Wenn du diese Zeilen liest, bedeutet das, dass ich tatsächlich den Mut hatte sie zu schreiben und sie abzuschicken. Ein Glück für mich. Du kennst mich zwar nur vom Smalltalk, aber ich muss dir sagen wie schwer mir der Unialltag ohne dich fällt. Das ist wahrscheinlich das Komischste was ich je geschrieben habe. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, deswegen sage ich es frei heraus. Ich habe dich kennen gelernt. Es war Zufall. Ich hab nicht danach gesucht. Ich war nicht auf der Suche um etwas zu finden. Es war der perfekte Sturm. Ein Wort gab das andere. Plötzlich, mitten im Gespräch wollte ich schon den Rest meines Lebens mit dir verbringen." Auf den ersten Blick scheint der scheinbar poetische Autor des Gesuches sich wirklich Mühe beim Verfassen gegeben zu haben. Gesagt sei auch, dass dies nur ein Auszug aus dem mehr als noch doppelt so langem Text ist.

Doch nach einiger Recherche fleißiger Spotted-Anhänger stellt sich heraus, dass diese scheinbar ach so romantische Ode, doch nur eine leichte Abwandlung aus einem alten Brief ist. Nämlich aus einem Liebesbrief der us-amerikanischen Serie Californication, den der Protagonist Hank an seine Verflossene Karen schrieb.

Spotted oder Verspottet?

Entgegen der Erwartung, viele männliche Personen würden Spotted klischeehaft mit prolligen Texten spammen, sind die Einträge sogar oftmals wirklich voller Herzblut und lesenswert. Vom Romantiker, der endlich Ausruck für seine Emotionen findet bis zur lustigen Kennenlern-Anekdote liest man einiges Unterhaltsames. Rund zwei von drei Posts stammen aus männlicher Feder, doch auch wenn die Quote der Studentinnen zwar geringer ist, in Kreativität und Herz stehen sie ihnen nicht nach. Etwas Mühe sollte man sich aber auch für die Mini-Liebesbriefe geben. Mit tollem Foto und Selbstinszenierung kann durch die Anonymität nämlich nicht gepunktet werden.

Doch ist Spotted nicht die beste Vorlage für Stalking? Und sollte man sein Liebesglück nicht eher dem glücklichen Zufall überlassen? Außerdem boykottieren einige Studierende das Format mit Kommentaren, die gezielt unter die Gürtellinie gehen. Spott und Häme sind zwar dem Sinn der Community genau entgegengesetzt und doch können sie schwierig unter Kontrolle gebracht und aussortiert werden. So wird aus dem Spotten schnell das Verspotten, auch trotz anonymer Vermittlung.

Spotted beschränkt sich mittlerweile sogar nicht mehr nur auf Hochschulen, auch im Nachtleben oder an öffentlichen Plätzen kann man jetzt schon gaffen und spotten. Nach nicht einmal einem Monat zählt die Seite der Universität Duisburg-Essen schon mehr als 3.000 Fans, die eifrig Kommiliton*innen in der Mensa, auf dem Campus, im Kino oder vorm Audimax spotten.
Genervte Student*innen der Universität zu Köln haben sogar schon eine Gegeninitiative ergriffen. Auf Facebook unter "Verspottet: Universität zu Köln" können sich Studierende über alles auslassen, was sie stört: "Die Toiletten oben im HumFak Hauptgebäude sind pfui und dazu noch die Schmierereien!" Voraussetzung für das Funktionieren solcher Communitys ist, dass möglichst viele Menschen aktiv mitmachen müssen. Auch wenn "Verspottet" noch holprig läuft, Spotted hat diesen Sprung geschafft. 

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