Madonna e.V. zur Förderung der beruflichen und kulturellen Bildung von Sexarbeiterinnen organisierte anlässlich des Internationalen Hurentags zum zehnten Mal einen Gottesdienst mit Lesung, Musik und einer Ausstellung.">
Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

ARCHIV

She works hard for the money

06.06.2016 19:21 - Marie Eberhardt



Kirche für Huren? Was nach einer paradoxen Vorstellung klingt, wurde vergangenen Sonntag, 5. Juni, in der Pauluskirche in Bochum realisiert. Der zur Förderung der beruflichen und kulturellen Bildung von Sexarbeiterinnen organisierte anlässlich des Internationalen Hurentags zum zehnten Mal einen Gottesdienst mit Lesung, Musik und einer Ausstellung.

Prostitution, Table-Dance oder Begleitservice: jede*r dritte Studierende könnte sich laut der Studie Nebenjob-Prostitution von Berliner Student*innen vorstellen, mit dieser Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. 3,7 Prozent der Befragten gaben an, auch im echten Leben als Sexarbeiter*in zu arbeiten. Nicht nur Neugierde, sondern gerade auch finanzielle Aspekte geben dabei Anreiz für den ältesten Job der Welt. Wer möchte für 8,50 Euro die Stunde kellnern gehen, wenn sich ein Vielfaches in kürzerer Zeit erarbeiten lässt? Zwar wird Prostitution unter jungen Leuten weniger tabuisiert, doch nach wie vor haben Sexarbeiter*innen mit Respektlosigkeit, Stigmatisierung und Verurteilung zu kämpfen und verheimlichen oftmals ihre Tätigkeit.

Um sich für die Rechte der Huren und die Gleichstellung ihrer Arbeit einzusetzen, gründeten Sexarbeiterinnen und Freundinnen 1991 den Verein Madonna. Seit 1992 bietet Madonna auch einen Beratungsservice in der Nähe des Bochumer Bordellviertels, – Eierberg genannt – eines der größten Vergnügungsmeilen NRWs. Neben Infos und Hilfe zum Ein-, Aus- und Umstieg zur Sexarbeit, will der Verein vor allem den Blick auf die professionelle und höchstpersönliche Dienstleistung lenken, die genauso Respekt verdient, wie andere Dienstleistungen auch. Denn wer sich bewusst für diesen Beruf entscheidet, entscheidet auch selbst über die eigenen Angebote und Grenzen.

„Wisst ihr, wann mir die Arbeit Spaß macht? Wenn die Kunden freundlich sind und sich an Absprachen halten. Mich als Menschen wahrnehmen, respektvoll mit mir umgehen und genauso an Hygiene und Gesundheit denken wie ich“, meint Michaela, die in einem Bordell in Bochum lebt und arbeitet.

Aufstand der Prostituierten

Ausgelöst wurde die internationale Hurenbewegung durch den Streik von 100 Prostituierten am 2. Juni 1975 in Lyon. Unterstützt vom dortigen Pastor besetzten die Frauen über acht Tage die Kirche Saint Nizier, um auf ihren von Ausbeutung, Gewalt und polizeilichen Schikanen geprägten Alltag aufmerksam zu machen. Die Kirche als Ausgangspunkt der Hurenbewegung – das brachte ein ehemaliges Vorstandsmitglied vom Madonna e.V. schon in den 90er Jahren in Wuppertal auf die Idee eines Gottesdienstes zum Internationalen Hurentags. Die Idee stieß auch in Bochum auf Begeisterung.  „Wir haben gedacht, die christliche Gemeinde, die eigentlich nichts mit dem Thema Prostitution zu tun haben möchte, damit zu erreichen und deren christliche Botschaft zu nutzen. Jesus hatte schließlich keine Berührungsängste mit Menschen, die an den Rand gestellt werden und die den traditionellen Moralvorstellungen nicht entsprechen“, meint Dorothee Schmidt, die für die Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und das Archiv vom Madonna e.V. verantwortlich ist.



Neben musikalischen Einlagen wie She works hard for the money von und Band, Kirchengesängen und Predigt werden im Gottesdienst durch eine Lesung auch Einblicke in Positionen von Huren gegeben. Die Anonymität der Prostituierten wird aber auch bei dieser Veranstaltung bewahrt, die Angst vor einer persönlichen Verurteilung sei immer noch groß, erzählt eine junge Sexarbeiterin. Ein Besucher namens Rolf, der nur zu diesem Gottesdienst in die Kirche geht, ist immer wieder überrascht über die Reaktionen der Kirchgänger*innen. „Wie offen die eigentlich sind, denen man oft hinterher sagt, dass sie ganz anders damit umgehen.“

Die Bezeichnung Hure stößt allerdings immer wieder auf Unverständnis. „Man hat einen Begriff gewählt, der zwar negativ konnotiert war, aber nicht so sehr wie das Schimpfwort Nutte oder wie bitch im Englischen, der wäre nicht geeignet gewesen. Aber Hure war ein Begriff, bei dem politisch aktive Sexarbeiterinnen sich gesagt haben, so bezeichnen wir uns selber und dazu stehen wir“, erklärt Dorothee Schmidt. Außerdem lässt das Wort Menschen aufhorchen und überlegen.

Genau diese Auseinanderstzung will der Gottesdienst zum internationalen Hurentag auch erreichen: Er eröffnet Raum zur Diskussion und entmystifiziert das Thema Sexarbeit. Über die professionelle Arbeit der Huren, aber auch über deren Freier, ließe sich aber noch einiges mehr erzählen.

 

Update: Ein schlechter Aprilscherz

Was passiert, wenn ein Antrag auf Therapie abgelehnt wird? Ein Kommentar.
 

Corona-Hochschulverordnung: Das ändert sich an der UDE

Fehlversuche, Regelstudienzeit? So geht es jetzt an der UDE weiter.
 

Wie ihr in der Uni-Bib arbeiten könnt

Mittlerweile ist die Uni-Bib wieder eingeschränkt nutzbar. Wir fassen die Bedingungen für euch zusammen.
 
Konversation wird geladen