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Semesterticketerhöhungen bis 2020 beschlossen

28.06.2014 20:04 - Maren Wenzel



In nicht einmal zehn Minuten hat der Verwaltungsrat des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im Rathaus Essen die Semesterticketerhöhung abgenickt. Diese sieht vor, dass das Semesterticket einmalig zum Wintersemester 2015/2016 um zwei Euro und ab dem Sommersemester 2016 pro Jahr bis 2020 um 45 Cent pro Monat steigt. Dieser Aufschlag gilt nur für das Semesterticket für Studierende. Dazu kommen noch die regulären Tariferhöhungen pro Jahr für alle Tickets im Verbund, die liegen für das nächste Jahr um 3,3 Prozent. +++Update+++: Was das für den Preis des Semestertickets bedeutet, sollten die AStA-Vertreter*innen das Angebot annehmen, seht ihr in unseren Berechnungen weiter unten in diesem Artikel.



Studierendenvertreter*innen der Universitäten im VRR-Bereich sind entsetzt über die Sondererhöhung für das Semesterticket. Zirka 100 Studierende hatten sich deshalb auf der Sitzung des Verwaltungsrat eingefunden und die Erhöhung kritisiert. Anschließend zogen die Teilnehmer*innen in einer Spontandemonstration vom Rathaus zur Universität. Die bunten Schilder wie „43 nur mit Milch“ und „So nicht, VRR!“ waren auch wieder dabei und so hallte der Ruf der Studierenden durch die Innenstadt.

Besonders die Begründungen des Verwaltungsrats haben die Studierendenvertreter*innen geärgert. 2013, als erstmalig bekannt wurde, dass das Ticket massiv angehoben wird, wurde die Preiserhöhung durch den VRR mit steigenden Fahrgastzahlen begründet. Rund 213.000 Studierende bezahlen das Semesterticket, egal ob sie es nutzen oder eben nicht. Nur durch dieses Solidaritätsprinzip kommt der günstige Preis zustande. Statt angenommenen 30 Prozent hätten dann im Jahr 2013 über 40 Prozent das Ticket genutzt, so der VRR. Aber: „Wir können noch immer nicht unbedingt nachvollziehen, wie die Zahlen zustande gekommen sind, was die Nutzung angeht“, sagt Grünen-Mitglied Norbert Czerwinski auf der heutigen Sitzung. Das bringt ihm hämischen Applaus von den Studierenden ein.



„Wir fühlen uns VRRarscht!“

Da sich eine solche Steigerung der Fahrgastzahlen vom VRR nicht belegen lässt, wird nun eine andere Argumentationslinie gefahren: „Das neue Angebot ist im Vergleich zu den Auszubildenden mit 90 Euro im Monat und zu Pendlern mit 140 Euro, immer noch ein attraktives Angebot“, so die Sprecherin des VRR, Sabine Tkatzik. Für die Studierenden ein unmögliches Argument: „Der VRR argumentiert mit einer Neiddebatte. Diese Spaltungsversuche finden wir besonders asozial“, sagt der hochschulpoltische Referent des AStAs der Universität Duisburg-Essen, Daniel Lucas. „Wir fühlen uns da wirklich VRRarscht. Letztes Jahr hieß es noch, der VRR mache keine Sozialpolitik“, sagt auch Ökologie-Referent Marcus Lamprecht. Und außerdem: „Die Auszubildenden haben nichts davon, wenn wir mehr Geld zahlen. Im Gegenteil, sie sollten eher weniger zahlen“, so Lamprecht weiter.

Doch nicht nur mit der Preisschere wird argumentiert. Die Politiker*innen auf der Verwaltungsratssitzung heben hervor, dass das Semesterticket preislich gesehen das beste Ticket sei: „Sie dürfen zur Kenntnis nehmen, dass das Semesterticket im VRR bundesweit konkurrenzlos günstig ist“, so Lothar Beine von der SPD-Ratsfraktion der Stadt Mönchengladbach. Die Studierendenvertreter*innen argumentieren aber dagegen: „Es gibt ja auch die meisten Studierenden in NRW. 25 Prozent aller Studierenden studieren hier“, so AStA Ökologie-Referent Lamprecht. Jedes Semester zahlen 213.000 Studierende rund 22,75 Millionen an den Verkehrsverbund.



Grüne Kehrtwende

Doch trotz kritischer Redebeiträge der zahlreichen Studierenden auf dem Podium, verabschiedeten die Verwaltungsratsmitglieder, bestehend aus CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und der FDP, die Sondererhöhung des Semestertickets einstimmig. Das war bei den Protesten im vergangenen Jahr noch nicht so: Ausgehend von einer Kooperation mit den Grünen hatten es die Studierenden geschafft, die Preiserhöhungen bei der Sitzung im Rathaus Duisburg zu verhindern. “Auch wir zweifeln an den Fahrgastzahlen. Wenn es um eine solch heftige Erhöhung geht, sollte man weitere Zahlen haben”, so das Düsseldorfer Ratsmitglied Norbert Czerwinski von den Grünen damals. Heute heißt es von Czerwinski: „Im Vergleich zum Young Ticket für Auszubildene ist die Preisschere in den letzten zehn Jahren deutlich größer geworden. Von daher brauch man sich über Prozentzahlen der Steigerung der Nutzung nicht im Detail zu streiten.“

Die Studierenden fühlen sich hintergangen, von den Rängen tönt es: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Und wer war mit dabei? Die Grüne Partei!“ Die Studierendenvertreter*innen hatten diese plötzliche politische Kehrtwende kommen sehen und zeigen sich enttäuscht. „Es ist sehr schade, weil die Politik beim letzten Mal gemeinsam gegen die Erhöhung gestimmt hat. Heute hat sie sich vom neuen Marketingsprech des VRR einlullen lassen“, sagt Ökologie-Referent Marcus Lamprecht. Seine Kollegin Sarah Malzkorn vermutet noch mehr dahinter: „Das war die letzte Verwaltungsratssitzung, in der es um Tarife geht. Das heißt, die Politiker*innen konnten alles durchhauen, weil sich der Rat im Herbst nach den Kommunalwahlen neu konstituiert.“



Es ist ja auch Weltmeisterschaft...

Ein weiterer Kritikpunkt der Studierendenvertreter*innen ist, dass sie erst kurzfristig über die Sonderpreiserhöhung informiert wurden. In etwas mehr als zwei Wochen fanden nur zwei Treffen statt. 2013 waren es noch Monate über die Semesterferien hinweg. „Deshalb war es für uns in diesem Jahr viel schwieriger Proteste zu organisieren“, so die AStA-Referentin Malzkorn. Die kurze Vorlaufzeit zur Preiserhöhung erklärt die Sprecherin des VRR dagegen so: „Also das war auch ein bisschen der Weltmeisterschaft und den Terminen geschuldet.“ In Zeiten von klammheimlichen Abstimmungen im Bundestag vielleicht nicht die beste Wortwahl. Außerdem wollte der VRR den Verhandlungszeitraum zugunsten der  Studierenden nicht in die Semesterferien legen. AStA-Vertreter Lamprecht hat trotzdem kein Verständnis: „Das Semester hat im April begonnen, da hätten Gespräche schon lange laufen können.“ Ein Zeitraum von nicht mal drei Wochen Zeit für aufrichtige Gespräche ist seiner Meinung nach ein Witz.

+++UPDATE+++: Und so könnte das Angebot des VRR gegenüber den ASten aussehen, legt man die Beschlussvorlage des Ausschuss für Tarif- und Marketing, die auf der Verwaltungsratssitzung abgenickt wurde, zu Grunde. heißt es zum Semesterticket:



  1. Der Preis des SemesterTickets soll für das Wintersemester 2015/2016 um 2,00 € / Monat gegenüber dem Preis für das Sommersemester 2015 angehoben werden.
  2. Für die folgenden 4 Vertragslaufzeitjahre soll jeweils zum Erhöhungsmaß der allgemeinen Preismaßnahmen ab dem Sommersemester 2016 ein Aufpreis von 0,45 € / Monat.

Das macht, wenn man die aktuelle Erhöhung von 3,8 Prozent, die für alle Tickets gilt, bis einschließlich 2019 zu Grunde legt:

2015: 106,62 Euro + 3,8 Prozent + 2 Euro = 112,67 Euro

2016: 112,67 Euro + 3,8 Prozent = 116,95 Euro + 2,70 Euro Sonderzahlung (6 x 45 Cent, ab Sommersemester) = 122,35 Euro

2017: 122,35 Euro + 3,8 Prozent = 127,00 Euro + 5,40 Euro Sonderzahlung (12 x 45 Cent) = 132,40 Euro

2018: 132,40 Euro + 3,8 Prozent = 137,43 Euro + 5,40 Euro = 142,83 Euro

2019: 142,83 Euro + 3,8 Prozent = 148,25 Euro + 5,40 Euro = 153,65 Euro

Insgesamt würde das eine Preissteigerung um 44 Prozent bedeuten. Die Befürchtungen der Studierendenvertreter*innen würden, dass das Studierendenticket um mindestens 43 Prozent teurer werden könnte, würde mit diesem Angebot erfüllt. Wie hoch die Preissteigerung wirklich ausfallen wird, kann aber nicht abschließend berechnet werden, da die 3,8 Prozent Tariferhöhungen je nach Jahr nach oben oder eben unten abweichen können.

Außerdem ist noch nicht klar, ob es sich in der Beschlussvorlage des Verwaltungsrates vielleicht um einen Fehler handeln könnte. In einem Gespräch mit der akduell erklärte die Pressesprecherin des Verkehrsverbunds darauf, dass die 45 Cent Erhöhung viermalig pro Jahr auf den Preis des Semesterticket aufgeschlagen werden sollen. Warum die Pressesprecherin andere Zahlen nennt als in der Beschlussvorlage aufgeführt werden, kann derzeit nicht geklärt werden. akduell wird in diesem Punkt für euch dran bleiben. Endgültige Gewissheit werden die Studierenden kommenden Monat haben: Da legt der VRR den ASten sein Angebot zur Preiserhöhung vor.






Was passiert jetzt mit dem Ticket?

Die Zukunft des Semestertickets sieht nach der Entscheidung des Verwaltungsrates nicht gerade rosig aus: „Unsere Satzung sieht vor, dass wir bei einer Steigerung um zehn Prozent das Ticket abstimmen lassen müssen“, so Referent Lamprecht. Sobald die ASten das Angebot des VRR erhalten, würde das geprüft. In einer solchen Urabstimmung könnte das Semesterticket von den Studierenden abgeschafft werden. Eine Alternative wäre dann das Young Ticket, das für die Preisstufe C 97,35 Euro pro Monat kostet. „Ansonsten sehe ich bei den ASten die Tendenz, den Vertrag aber auch so nicht anzunehmen, einfach weil wir den bestehenden Vertrag gut finden und keinen Bedarf sehen, ihn zu kündigen“, so Lamprecht. Die ASten im VRR-Bereich werden sich im kommenden Monat bis zur Vorlage des Angebots weiter vernetzen und beraten. [mac]




 

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