Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

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Rote Punkte gegen Pro NRW

29.08.2015 15:12 - Maren Wenzel

Die rassistische Kleinpartei Pro NRW ist heute auf „Wahlkampftour" in Essen. In Schonnebeck, vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete im Opti Gewerbepark, in Altenessen und schließlich in Frintrop will Pro NRW-Kandidat Tony Xaver Fiedler Stimmung gegen flüchtende Menschen machen. Vor der Erstaufnahmeeinrichtung am Opti-Gewerbepark gelingt Pro NRW das nicht: 300 bis 400 Menschen stellen sich schützend vor die Flüchtlingsunterkunft und übertönen die rechte Partei. Damit setzen engagierte Essener*innen ein starkes und buntes Zeichen für Willkommenskultur in Zeiten, in denen sonst Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte Schlagzeilen machen.

„Wir wollen Flüchtlinge schützen und gegen ausländerfeindliche Parolen demonstrieren", sagt Marion Rehmann von Pro Asyl in einer Traube von Menschen am Opti-Gewerbepark. Als wir uns unterhalten ist es laut, Pro NRW hat bereits aufgebaut und versucht ihre Parolen Richtung Unterkunft zu verbreiten. Dort stehen aber hunderte bunt angezogener Menschen, die Plakate, Banner und Fahnen hochhalten. Viele Initiativen wie Pro Asyl, DIDF-Jugend, Essen stellt sich quer und den Flüchtlingshelfer*innen vom Warenhaus WiE - Willkommen in Essen am Opti-Park, haben sich vor der Unterkunft versammelt. Und die Gruppe von Menschen, die sich für Geflüchtete engagieren, ist laut: Mit Trillerpfeifen, Trommeln, Ausrufen wie „Nazis raus" und Buh-Rufen stellen sie sich den gerade einmal vier Pro NRW-Anhänger*innen entgegen, die verloren wirken auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Denn auch die Autofahrer*innen in den Wägen, die auf der Hans-Böckler-Straße zwischen der Pro NRW-Kundgebung und der Gegendemonstration vorbeifahren, solidarisieren sich mit den Geflüchteten. Eine Autohupe nach der nächsten macht Lärm gegen Rechts.

Keine Chance für Pro NRW



Der Gegenprotest ist mit zwei Worten zusammen zu fassen: ohrenbetäubend laut. Die Partei Pro NRW hat keine Chance ihre rassistischen Positionen anzubringen. Das liegt unter anderem auch an der Band „Banda Senderos". Sie rief nicht nur im Vorfeld zum Gegenprotest auf, sondern beteiligt sich auch aktiv: „Wir stehen ab 12 Uhr bereit und stellen uns bunt dagegen - kommt mit uns mit und setzt ein Zeichen!" Die Trommel und Blasinstrumente sorgen für gute Stimmung und bringen die Gegendemonstrant*innen zum Klatschen. Selbst Pro NRW dürfte gemerkt haben, dass es kein Beifall für ihre Redebeiträge war, denn die DIDF-Jugend stimmt im Takt unermütlich Sprechchöre wie "Say it loud, say it clear: Refugees are welcome here" an.

Rote Punkte gegen Rechtspopulist*innen



Und das bleibt nicht die einzige Gegenaktion: Im Demonstrationspublikum haben sich einige Menschen rote Punkte ins Geischt gemalt. Die Demonstrant*innen, die damit ein wenig aussehen wie das Sams, protestieren mit der Gesichtsbemalung gegen die Agenda von Pro NRW. Die wollte Geflüchtete nämlich als Gesundheitsrisiko diskreditieren: Vor einigen Wochen waren in der Erstaufnahmeeinrichtung Kinder an Windpocken erkrankt, die Unterkunft wurde unter Quarantäne gestellt. Das versucht Fiedler von Pro NRW zu skandalisieren. „Eine Windpockenerkrankung hat jedes Kind mal, das weist nicht auf mangelhafte Hygiene oder ähnliches hin. Das ist ein Versuch aufzuwiegeln", sagt die bepunktete Katharina Kremer, die ehrenamtlich für die Initiative Willkommen in Essen Sachspenden an Geflüchtete verteilt. „Wir drehen das einfach um und sagen: Wir kriegen von Nazis Ausschlag", so Flüchtlingshelferin Kremer.



Währenddessen bekommt Pro NRW auf der anderen Straßenseite einfach kein Publikum für ihre Wahlkampftour. Es bleibt bei den Partei-Anhänger*innen. Die Strategie, Geflüchtete in Essen zu kriminalisieren, geht nicht auf: „Das sind völlig vogeschobene Argumente, weil es alles der Parole 'Ausländer raus' dient", sagt auch Marion Rehmann von Pro Asyl. Und denen will heute kein*e Essener*in Aufmerksamkeit geben. Nach nur 30 Minuten packt Pro NRW wieder zusammen und fährt ab. Der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung hat die rassistische Kampagne von Pro NRW ebenfalls nicht geschadet: „Wir kriegen im Moment unheimlich viele Sammelspenden und die Resonanz ist sehr positiv. Natürlich auch durch die Presse, die auf uns aufmerksam macht", sagt die Flüchtlingshelferin Katharina Kremer.

 

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