(akduell berichtete) in Untersuchungshaft, eher tröpfchenweise sickerten in den vergangenen Tagen weitere Details zum Fall durch. In einer zweiten Pressemitteilung nahmen die Aktiven des linken Zentrums ausführlich Stellung und nennen den Namen des Täters. Währenddessen ist der Zustand des Opfers stabil, bleibt aber weiter kritisch.">
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Rechter gesteht Messerstiche

05.05.2015 13:22 - Gastautor*in



„Der andere Verletzte, das war jetzt der Täter?“, fragt die junge Polizistin ihren Kollegen. Am Rande der Demonstration zum 1. Mai in Wuppertal hatte sie damit die wichtigste, gesicherte Information zur Messerattacke am Autonomen Zentrum vom 16. April prägnant wieder gegeben. Ein dringend Tatverdächtiger sitzt mittlerweile für den wohl versuchten Mord an dem 53-jährigen AZ-Besucher in Untersuchungshaft, eher tröpfchenweise sickerten in den vergangenen Tagen weitere Details zum Fall durch. In einer zweiten Pressemitteilung nahmen die Aktiven des linken Zentrums ausführlich Stellung und nennen den Namen des Täters. Währenddessen ist der Zustand des Opfers stabil, bleibt aber weiter kritisch.

Wer zugestochen hat? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Wuppertaler Aktivist der Hogesa (Hooligans gegen Salafisten). Patrick Petri war in der Tatnacht verletzt von der Polizei aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht worden. Erst durch den Hinweis einer Augenzeugin wurden die Beamt*innen auf ihn aufmerksam. Diese hatten die Täter zunächst im AZ vermutet. Der 25-Jährige wurde mit blutenden Wunden an den Elberfelder City-Arkaden gestoppt, die sich knapp einen Kilometer fußläufig entfernt vom Tatort befinden. Ein DNA-Abgleich mit der später gefunden Tatwaffe bestätigte seine Beteiligung. Der Hogesa-Aktivist Petri hatte die Tat zunächst abgestritten, gab unter Berücksichtigung der erdrückenden Beweislast aber an, aus Notwehr gehandelt zu haben. Die beiden anderen mutmaßlichen Mittäter wurden nach kurzer Zeit in Untersuchungshaft wieder auf einen freien Fuß gesetzt, da die Wuppertaler Staatsanwältin Monika Olschak keinen dringenden Tatverdacht vorliegen sieht. Olschak hatte zum Stand der Ermittlungen lange geschwiegen und blieb dann äußerst vage.

Kurios sind deshalb auch die Umstände, wie der Name Patrick Petri an die Öffentlichkeit geriet. Auf der Facebook-Seite der Wuppertaler Ortsgruppe der Partei „Die Rechte“ äußerte sich der ebenfalls bekannte Hogesa-Anhänger Mario Leisering zu dem Vorfall. „Erstmal gute Besserung an Patrick Petri Einer meiner besten Kumpels“, tippt Leisering dort freimütig. Zu diesem Zeitpunkt war eine Beteiligung seines Kameraden noch in keinster Weise nach außen gedrungen. Darüber hinaus lässt die offensichtliche Freundschaft der beiden deutliche Rückschlüsse über den politischen Hintergrund der Tat zu. Der rechtsradikale Hooligan Mario Leisering gehört zu den zentralen Figuren der Hogesa-Szene in NRW, ein großflächiges Tattoo auf seinem Rücken bekundet seine Zugehörigkeit. Auf mehreren Bildern posiert er mit Führungsmitglied Andreas Kraul, er arbeitet für die rechte Security-Firma „Ruhrpott Sicherheit“. Auch Patrick Petri hatte zur Teilnahme an einer Demonstration der Gruppe im Internet aufgerufen, anderweitig war er bislang noch nicht öffentlich aufgefallen.

Rassistischer Mordversuch?

Auch über seine beiden Mittäter oder deren rechte Aktivitäten ist nichts bekannt. Das 53-jährige Opfer der Messerattacke hat einen türkischen Migrationshintergrund. Ein rassistischer Mordversuch oder ein Angriff auf den politischen Gegner? Auch das ist noch unklar. So stand auch der 1. Mai in Wuppertal ganz im Zeichen des Angriffs. Die Demonstration mit etwa 400 Teilnehmer*innen startete nach zwei Redebeiträgen zur Tat und den Hintergründen an der Markomannenstraße und endete mit einem Straßenfest. Trotz kämpferischer Atmosphäre blieb die Maidemo friedlich. Auch die anwesende Polizei hielt sich auffallend zurück. Vielleicht auch, weil sie derzeit massiv in der Kritik steht.

Ja wo den nun?

Die Opferberatung Rheinland und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW kritisierten die betriebene Täter-Opfer-Umkehr der Wuppertaler Behörden. Diese hatte zunächst einseitig im linken Milieu ermittelt und widersprüchliche Darstellungen zum Verlauf der Tatnacht geäußert. Polizeisprecherin Anja Meis weicht in zwei Interviews mit der WDR-Lokalzeit von der offiziellen Pressemitteilung ab, sie scheint sich nicht sicher zu sein, ob die Beamt*innen vor dem AZ oder im Gebäude angegriffen wurden.

Die unterschiedlichen Versionen lassen starke Zweifel an der Richtigkeit der Darstellungen aufkommen. Auch wurden die eingetroffenen Ersthelfer*innen nach der Erstversorgung vom Schwerverletzten abgezogen, erst Minuten später wurde die Behandlung des 53-Jährigen durch einen Notarzt wieder aufgenommen. Wer diesen Befehl gab und warum ist ungeklärt. Wichtige Minuten ohne professionelle Versorgung sind für das Opfer verstrichen. Dessen Zustand ist nach Angaben der Ärzte derzeit im künstlichen Koma stabil, Entwarnung konnte aber noch nicht gegeben werden.

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