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Legion 47: Rechte Anschläge in Duisburg

12.05.2015 11:08 - Gastautor*in

Die Zerschlagung der rechtsterroristischen Vereinigung Old School Society hat vergangene Woche Schlagzeilen gemacht. Fast zeitgleich wurde bekannt: Seit März 2013 sollen drei Duisburger NPD-Mitglieder Feuerwerkskörper in einer Flüchtlingsunterkunft gezündet, den Pavillon eines türkischen Schnellimbisses in Brand gesteckt und Chemikalien aus Schulen gestohlen haben. Seit vergangener Woche müssen sich Patrick K., Daniel N. und Manuel M. vor dem Duisburger Landgericht für insgesamt 38 Straftaten verantworten. Darunter: Brandstiftung, unerlaubter Waffenbesitz, 24 Einbruchsdiebstähle, Körperverletzung und Handel mit 500 Gramm Methamphetamin.

Eine der mutmaßlichen Taten der drei Angeklagten steht bislang im Fokus der Berichterstattung: Am 26. Oktober 2013 sollen die drei Rechten um Viertel vor 3 Uhr nachts in einer Flüchtlingsunterkunft an der Kaiserswertherstraße im Stadtteil Hüttenheim eine Rauchbombe gezündet haben. Neben dem Feuerwerkskörper stand ein 5-Liter Behälter mit entzündlichem Lösungsmittel. „Wäre dieser explodiert, hätte der Anschlag auf die von 120 Menschen bewohnte Unterkunft womöglich Verletzte oder sogar Tote fordern können“, sagt Johanna Haldemann, Sprecherin der antifaschistischen Initiative gegen Duisburger Zustände (IgDZ).

Brandstiftung an türkischem Imbiss

„Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es das Ziel der Angeklagten gewesen sei, die Bewohner zu erschrecken und nicht in ihrer Gesundheit zu schädigen“, sagt Bernhard Kuchler, Pressesprecher am Duisburger Landgericht. Deshalb lautet die Anklage für den fremdenfeindlichen Anschlag nicht etwa Brandstiftung oder versuchter Mord, sondern lediglich versuchte Körperverletzung in Tateinheit mit unerlaubtem Umgang mit explosiven Stoffen. In einem anderen Fall wirft die Polizei den drei Neonazis tatsächlich Brandstiftung vor. Am 4. Dezember 2013 sollen sie um 2 Uhr morgens den Vorbau eines türkischen Imbisses an der Mündelheimerstraße angezündet haben. Dieser fing daraufhin Feuer. Der Sachschaden beläuft sich auf 500 Euro.



Waffen und Sprengsätze

Dass die drei Neonazis brandgefährlich gewesen sind, zeigen die unerlaubten Waffen, die bei ihnen gefunden wurden. Beim Angeklagten Patrick K. wurden Munition, ein selbstgebauter Schießstift und ein Gewehr gefunden. In Daniel N.s Auto wurden während einer Polizeikontrolle ein selbstgebauter Schußapparat und zwei Patronen sichergestellt. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung stellte sich heraus, dass N. eine Luftpistole, einen Schlagstock, größere Mengen Munition, eine selbstgebaute Schusswaffe und einen Schlagring gehortet hatte. Außerdem sollen die drei Angeklagten mehrfach in Schulen eingebrochen sein: „In der Realschule Süd in Huckingen sollen die Täter unter anderem Chemikalien und Reagenzgläser gestohlen haben, um damit Sprengsätze zu bauen“, erklärt Landgericht-Pressesprecher Kuchler. Die Realschule, die Flüchtlingsunterkunft, in der der Feuerwerkskörper in Brand gesteckt wurde und der geschädigte türkische Imbiss befinden sich nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

Die mutmaßlichen Täter bezeichneten ihre rechte Gruppierung als „Legion 47“ – zwei der Angeklagten haben sich die Zahl, die für den Anfang der Duisburger Postleitzahl stehen soll, in den Nacken tätowiert. Unter diesem Namen soll das rechte Trio vom 7. März 2013 bis zum 27. August 2014 insgesamt 37 Straftaten in Duisburg sowie eine Straftat in Krefeld begangen haben. In der rechten Szene sind die drei Ageklagten ebenfalls bekannt: Alle drei kandidierten im Sommer 2014 für die rechte Partei NPD im Duisburger Süden. Der 35-jährige Anlagenmechaniker Patrick K. trat im Bezirk Buchholz-West/Huckingen-Mitte zur Wahl an, der 29-jährige Industriemechaniker Daniel N. wollte in Buchholz- Ost einen Sitz ergattern und der 27-jährige Restaurantfachmann Manuel M. vertrat die NPD im Bezirk Großenbaum/Rahm.

Nur eine "kriminelle Bande"?

Im Gegensatz zur Old School Society, die schon frühzeitig zerschlagen und als rechtsterroristische Vereinigung eingestuft wurde, soll die Legion 47 ihre Pläne 18 Monate lang in die Tat umsetzen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Duisburger Trio bislang als kriminelle Bande, die sich vor allem durch Beschaffungskriminalität bei den 24 Einbrüchen auszeichnet. Die rechte Gesinnung soll nur eine Nebenrolle gespielt haben. Die Initiative gegen Duisburger Zustände fragt deshalb: „Wo genau liegt der Unterschied zu der unter dem Label ‚Legion 47‘ agierenden Gruppe aus Duisburg, welche offenbar nicht nur Waffen und Material für Sprengkörper gehortet, sondern auch mindestens zwei Brandanschläge verübt hat? Warum haben die Duisburger Behörden nicht anders reagiert?“

Die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus, dass es sich bei der Legion 47 nur um die drei Angeklagten handelt. Ein ehemaliges Mitglied der Gruppe ist zudem als Zeuge vorgeladen. Inwieweit die mutmaßlichen Täter Unterstützung hatten, ist nicht bekannt. Das Gerichtsverfahren gegen die drei Duisburger Neonazis soll insgesamt zehn Verfahrenstage dauern. Alle Verhandlungen am Duisburger Landgericht sind öffentlich, der nächste Verhandlungstermin ist am 18. Mai um 9 Uhr. Ein Urteil wird nach derzeitiger Planung am 25. Juni erwartet.

Artikelbild: molofoto@flickr_CCBYNCSA2.0, R.Spekking@wikicommons_CCBYSA4.0

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