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Frei.Wild mahnt Ruhrbarone ab

20.04.2016 22:58 - Gastautor*in


Von Gastautor Richard Diesing


Wie weit geht Meinungsfreiheit? Die Frage ist dank Jan Böhmermann so aktuell wie lange nicht mehr. Nun wurde öffentlich, dass die Band „Frei.Wild“ den Blog „Ruhrbarone“ abgemahnt hat. Der Grund: Ein unliebsamer Artikel über den kürzlich an sie verliehenen Echo-Preis.

Die Südtiroler Band Frei.Wild ist nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannt. So lautetet eine Zeile aus ihrem Lied „Land der Vollidioten“: „Das ist das Land der Vollidioten/ Die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat.“ Im Lied „Wahre Werte“ heißt es: „Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen/ Wenn ihr euch Ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen“. Man fühlt sich an Pegida-Demonstrant*innen erinnert, die „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ rufen.

Grund genug für Kritik, die auch nicht ausblieb. So boykottierten zum Beispiel Bands wie „Kraftklub“ und „Mia“ 2013 den Echo, weil Frei.Wild mitnominiert war. Dieses Jahr gewann die umstrittene Band Frei.Wild die Auszeichnung, was natürlich nicht unkommentiert blieb. So schrieb der frühere Geschäftsführer von „Universal Music“ auf Twitter: „Puh. Freiwild einen Echo zu geben ist wie mit der AfD koalieren.“ Auch der Journalist Stefan Laurin, Herausgeber des Ruhrgebietsblogs „Ruhrbarone“, äußerte sich in einem Artikel zur Verleihung des Echo an die umstrittenen Musiker. So schrieb er: „Ohne den jährlichen Skandal um die rechten Italiener von Frei.Wild hätte seit Jahren niemand was von diesem belanglosen Preis mitbekommen.“ In seinem Artikel nannte er Frei.Wild eine „Drecksband“ und „Spackenband“, die „dumm, nationalistisch, rechts und so hässlich wie Pur“ sei.

Sensible Band

Am Freitag machte der Blog dann öffentlich, dass Frei.Wild ihnen eine Unterlassungserklärung geschickt hat. Auf der Plattform „linksunten.indymedia“ wurde zudem die originale Unterlassungserklärung veröffentlicht. Stefan Laurin entschied sich dagegen, sie zu unterschreiben, im Zweifel will er es auf ein Prozess ankommen lassen. In der veröffentlichten Antwort an die von Frei.Wild beauftragte Anwaltskanzlei „K&E Rechtsanwälte für Kultur & Entertainment“ hieß es unter anderem: „Auch vertreibt die ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ auf ihrer Homepage Aufkleber mit der Forderung „Leckt uns am Arsch!“ sowie ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich scheiss auf Gutmenschen und Moralapostel“, so dass ich mich nun ein wenig über die Sensibilität der ‚Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter‘ wundere. Wer sich im Diskurs so polarisierend äußert, muss meiner Meinung nach auch mit deftiger Kritik leben.“

Laurin hält die Abmahnung für unberechtigt: „Was ich geschrieben habe ist meiner Meinung nach durch mein Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt“, sagt er gegenüber der akduell. Mit der Abmahnung rechnete er nicht, „zumal die angemahnten Stellen keine Sachaussagen sind, wo es klar ist, ob etwas stimmt oder nicht. Was ich geschrieben habe, war ja meine persönliche Meinung.“ Jetzt wird es vermutlich auf einen Prozess hinauslaufen. Der Journalist erhofft sich davon, dass „klar wird, dass meine Aussagen unter Meinungsfreiheit fallen und die Abmahnung Unfug ist.“ Um die Gerichtskosten zu stemmen, kündigte der Blog schon ein Soli-Konzert, unter anderem mit der Wattenscheider Band „Die Kassierer“ an und ruft zu spenden auf.

Der Autor des Artikels schreibt auch für Ruhrbarone.de

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