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#feminismus

31.10.2014 13:54 - Lorenza Kaib



Vergangenen Donnerstag fand an der Universität Duisburg-Essen ein Vortrag zum Thema Netzfeminismus von und mit Helga Hansen statt. Die Referentin hat unter anderem Biotechnologie in Flensburg und Biologie der Zellen in Osnabrück studiert. Derzeit arbeitet Hansen im Gleichstellungsbüro der TU Braunschweig, seit 2005 ist sie Bloggerin und schreibt unter anderem auf der Plattform herzteile über Feminismus, Politik und Technik. Beim Vortrag an der UDE berichtete die Referentin über das Aufkommen verschiedener Feminismus Kampagnen und Websites bis hin zur #aufschrei-Debatte.

Wie schnell sich dank des Internets gesellschaftliche Debatten entwickeln und verbreiten können, ist wahrscheinlich den Meisten bewusst. Das gilt natürlich auch für feministische Diskurse und Themen wie Gleichberechtigung. Das jüngste Beispiel hierfür ist der Microsoft-Chef Satyar Nadella, der Anfang Oktober bei einer Podiumsdiskussion, während einer Konferenz für weibliche Fachkräfte. Frauen davon abriet, Forderungen nach Gehaltserhöhungen zu stellen. Nach Kritik von allen Seiten ruderte er dann zurück und entschuldigte sich via E-Mail bei der Microsoft-Belegschaft. Doch nicht nur zur Befeuerung von Debatten kann das Internet beitragen: Hansen stellte in ihrem Vortrag vor allem die Möglichkeiten dar, die es zur Vernetzung von Feminist*innen und politisch interessierten Menschen gibt.

Was Hashtags (nicht) können



Einen großen Teil ihres Vortrags nahm ein Einführung in die Geschichte des Webfeminismus ein, die sie (fast) von Anfang an beobachtete und mitgestaltete. Hansen stellte verschiedene Kampagnen vor, die nicht nur auf Twitter großen Anklang gefunden hatten. Die #aufschrei-Debatte sei von daher wichtig gewesen, da es erst seitdem in Deutschland ein Bewusstsein für Hashtags und deren gesellschaftliche Auswirkungen gebe, „doch leider hat sich dadurch im Großen – zum Beispiel an den juristischen Straftatbeständen für sexuelle Belästigung – nicht viel geändert“. Ein weiteres Beispiel eines erfolgreichen feministischen Hashtags ist #e_wie_ekelhaft: der Stromerzeuger Evonik warb 2012 unter dem Slogan "E wie einfach" mit einem Video, in welchem ein Paar im Bett gezeigt wurde. Die Frau konnte offenbar nicht schlafen, woraufhin ihr Partner ihr eine Kopfnuss gab. Das sollte zeigen, dass der Stromanbieterwechsel so einfach sei, wie Einschlafen. Nach nur vier Stunden wurde der Clip als Reaktion auf den losgetretenen Shitstorm wieder aus dem Netz genommen. Doch trotz der genannten Positivbeispiele wandte Hansen ein, dass es auch „unglaublich viele Versuche gibt, Hashtags zu etablieren, die scheitern“.

Parallelen der Slutwalks zur Datenschutzdebatte

Wie auch Opfern sexueller Übergriffe nahegelegt wird, sie seien selbst Schuld an dem, was ihnen passiert sei, gibt es diese Verdrehung von Opfern und Täter*innen ebenfalls in Bezug auf Technik und Internet: Wer seine Daten nicht ausreichend schützt oder vermeintlich Privates ins Netz stellt, brauche sich nicht wundern, wenn diese gegen ihn oder sie verwendet werden. Als Reaktion auf diese weit verbreitete Meinung und genderbasierte Gewalt in der analogen Welt sowie den digitalen Sphären, gründete sich 2006 die Kampagne "Take Back the Tech!", auf die Hansen das Publikum aufmerksam machte. Vom 25. November bis zum 10. Dezember finden jährlich Workshops zum Umgang mit Neuen Medien statt. Die Workshops sollen zeigen, dass diese, trotz negativer Erfahrungen mit Internet-Trollen und sexistischen Beleidigungen genutzt werden können.

Das ist aber nicht immer einfach: „Ich kenne viele Menschen, die nichts Politisches bei Facebook oder Twitter posten oder kommentieren, aus Angst vor negativen Kommentaren“, so Hansen. Aus dieser Perspektive gesehen könne bereits ein einfaches Klicken auf ‚gefällt mir‘ bei einer Internetseite wie maedchenmannschaft. net eine netzfeministische Handlung darstellen, erläutert sie weiter. Der Vortrag schloss mit einer kurzen Diskussions- und Fragerunde. Eine Frage zielte darauf hin, dass die meisten bekannten feministischen Seiten aus den USA kommen und viele Artikel ins Deutsche übersetzt werden. Philosophiestudent Reinhold fragte Hansen nach der Repräsentation von Frauen in Bereich der Podcasts: „die bekommen oft nur weniger Aufmerksamkeit – genauso verhält es sich bei Blogs“, sagt Hansen

 

Linktipps:

: old boys netzwerk, 1997 in Berlin gegründet, weltweit erster Zusammenschluss von Cyberfeminist*innen, Auf- zeigen von Genderaspekten in den neuen Medien

: jährliche Treffen von tech- nikinteressierten Frauen, entstanden in osteuropäi- Ländern, nun auch in ganz Europa

: Internetseite, die sexistische Kommentare aus dem Internet sammelt (gruselig!)

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