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Duigida: Neue rassistische Gruppe in Duisburg

13.01.2015 13:00 - Gastautor*in



Sie hetzen gegen Geflüchtete, solidarisieren sich mit Pegida und machen Panik vor einer vermeintlichen Islamisierung des Abendlandes. Die neue Facebook-Gruppe Duisburger Patrioten für Deutschland und Europa gegen die Islamisierung des Abendlandes (DUIGIDA) hat seit Dezember 2014 etwa 800 Anhänger*innen gesammelt. Während sich die rassistische Pro NRW-Ratsfraktion in Duisburg gerade selbst zerlegt, organisieren sich selbsternannte besorgte Bürger*innen und besetzen das entstandene Vakuum. Laut Antifa-Recherchen soll hinter der Gruppe ein Duisburger Türsteher stecken, der auch im Grammatikoff, einer Duisburger Kneipe mit Studi-Partys, gearbeitet haben soll.

„Die Duisburger FB-Gruppe wird von den Nutzern “Dennis Ent Sorger” und “Keanu Ronin” geführt“, sagt Johanna Haldemann von der Initiative gegen Duisburger Zustände (IgDZ). Die antifaschistische Gruppe hat sich die Nutzer*innen genau angesehen: „Unter den Fans der Seite finden sich vor allem “besorgte Bürger”. Das sind Leute, wie wir sie auch in Rheinhausen und Neumühl auf der Straße gesehen haben, wenn es gegen “Zigeuner” oder Geflüchtete ging“, sagt Haldemann weiter.

Brisant dabei: Facebook-Nutzer und vermutlicher Admin der Duigida-Gruppe, Dennis Ent Sorger, ist in Duisburgs Nachtleben bekannt. Er arbeitet als Türsteher bei der Firma B.A.E.-Protection mit Sitz am Salvatorweg in der Innenstadt. „Wir wissen, dass der Seiten-Admin ‚Dennis Ent Sorger’ als Türsteher im Grammatikoff gearbeitet hat“, sagt Haldemann von der IgDZ. Das Grammatikoff, ein Club im Duisburger Dellviertel, veranstaltet oft studentische Partys von Fachschaften der Universität Duisburg-Essen. Am 30. Januar sollen außerdem zwei Bands des bekannten linken Labels Audiolith auftreten. Wie passt das mit einem bei Duigida aktivem Türsteher zusammen? „Als wir erfahren haben, dass der Türsteher bei Duigida aktiv ist, haben wir dem Geschäftsführer unserer Sicherheitsfirma gesagt, dass wir ihn bei uns nicht mehr an der Tür haben wollen“, sagt Sebastian Schwenk, Pressesprecher und Booker des Grammatikoff.

Grammatikoff gegen Duigida-Türsteher

Die IgDZ begrüßt die Entscheidung des Grammatikoff: „Wir haben keinen Zweifel daran, dass es im Grammatikoff keinerlei Akzeptanz für Rechtsradikale gibt“, so Haldemann. Und auch Grammatikoff-Pressesprecher Schwenk betont: „Wir wollen jeglichen Rechtspopulismus weit fern halten. Im Gegenteil: Wir orientieren uns klar links mit Punkrock-Konzerten und jetzt der Audiolith-Night.“ Das Grammatikoff arbeitet jedoch weiterhin mit der Sicherheitsfirma B.A.E.-Protection zusammen: „Was die intern personalpolitisch machen ist nicht mehr unser Ding“, so Schwenk. Die Firma war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Auf dem Facebook-Profil von Dennis Ent Sorger ist der Inhaber der Sicherheitsfirma weiterhin in freundschaftlicher Umarmung mit dem vermutlichen Duigida-Admin als Titelbild zu sehen.

Panikmache und Ressentiments
In der Gruppe Duigida wurde derweil zu einer Veranstaltung der Gruppe Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes mobilisiert. Aber nur etwa 25 selbsternannte Patriot*innen trafen sich dann vergangenen Montag vor dem Duisburger Hauptbahnhof, um gemeinsam zur Dügida-Demonstration anzureisen. Besonders präsent bei der Versammlung: Der Facebook-Nutzer Dennis Ent Sorger, der laut IgDZ der Sitenadmin von Duigida sein soll. Hinter dem Weltbild von Duigida stecken die gleichen Motive wie bei Pegida oder Dügida, weiß Johanna Haldemann: „Das Weltbild von Pegida und seinen Ablegern ist simpel: ‚Die da oben handeln gegen die Interessen des Volkes – die da unten wollen uns das Wenige, das uns noch bleibt, streitig machen’.“ Und: „Dabei sehen sie das gute Alte, das Gewachsene, die Scholle in Gefahr. Dem setzen sie Panikmache und rassistische Ressentiments entgegen“, so die Sprecherin der IgDZ.

Duigida schürt auf Facebook vor allem durch geteilte islam- und zuwanderungsfeindliche Artikel Ressentiments. Aber die Patriot*innen sind auch klar rechtsoffen: Ein bekanntes Mitglied von Duigida ist Egon Rohmann. Dieser sitzt nach wie vor für die rassistische Kleinstpartei Pro NRW im Duisburger Stadtrat. In der Duigida-Gruppe werden auch Beiträge von Rohmann geteilt: Im Post rechts äußert er sich gegen Geflüchtete und bedient damit die bekannte ausgrenzende "Das Boot ist voll"-Metapher. Da hilft es auch kaum, wenn Duigida schreibt: "Wir, die Betreiber dieser Seite, dulden keine rechtsradikalen Parolen und/oder Beleidigungen gegenüber Andersdenkende." Statt klarer Distanzierung von rechten Kräften, könnte Duigida damit ein Sammelbecken für Rassist*innen aus Duisburg werden.

Rechte Ressentiments sind in Duisburg nicht neu: Ob von Pro NRW organisierte Demonstrationen gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Duisburg-Neumühl () – in der Ruhrgebietsstadt gibt es ein fremdenfeindliches Klima. „Nicht nur Rechtsradikale sind hier ein Problem, sondern ganz verschiedene Akteure – von Bürgerinitiativen bis zu Ordnungsamt und Polizei“, sagt Haldemann. Dazu zählt jetzt auch Duigida: „Sollte Duigida vor Ort Aktionen ankündigen werden wir diese Umstände auch wieder in unsere Kritik mit einbeziehen und versuchen, dagegen vorzugehen“, so die Sprecherin.

+++Update+++
Nach Erscheinen dieses Artikels wurden mehrere Facebook-Profile entweder gelöscht oder unzugänglich gemacht. Darunter die Gruppe "DUIGIDA" und die Facebook-Profile von "Dennis Ent Sorger" und "Keanu Ronin". Außerdem hat die Gruppe Pegida NRW am 19. Januar einen Aufmarsch in Duisburg angekündigt. Die akduell bleibt dran und berichtet, wo die Hauptpersonen von Duigida jetzt aktiv werden.

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