Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

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Dieser Weg wird ein rechter sein

22.11.2016 08:42 - Philipp Frohn



Ein Kommentar von Philipp Frohn

Vergangenen Donnerstag lockte Xavier Naidoo tausende Besucher*innen in die König-Pilsner-Arena. Es ist nicht nur unverständlich, weshalb man sich dieses stundenlange Jammerkonzert freiwillig antut. Anscheinend hat man sich auch noch nicht mit den Ansichten des Mannheimer Sängers auseinandergesetzt – oder stimmt ihnen gleich zu und befindet sich auf der Schwelle zu den Reichsbürger*innen.

Es bedarf keiner fünf Minuten, um die politischen Anschauungen Naidoos zu ergoogeln. Deutschland sei noch immer ein von den Vereinigten Staaten von Amerika besetztes Land, da es keinen Friedensvertrag gebe. Die Gültigkeit des Zwei-Plus-Vier-Vertrages wird gekonnt negiert. Das passt ja nicht ins verschwörungsideologische Bild, dass Deutschland in Wirklichkeit eine GmbH sei und dass das Deutsche Reich noch immer bestehe. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 gesellte er sich zu einer Demo von Reichsbürger*innen und anderen Anhänger*innen des rechten Spektrums vor das Bundeskanzler*innenamt. Ihm sei egal, wer dort vor Ort ist. Schließlich „geht’s um die Liebe.“ Na dann kann man ja im Anschluss auch noch ein Pläuschchen mit Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechten Querfront-Magazins Compact, halten. Zwei Monate später durfte sich das Magazin über ein Interview mit dem Sänger zum Thema „Pressehetze“ freuen.

Auch wenn sich Naidoo – nach öffentlichem Druck der bösen Systempresse anlässlich seiner Nominierung zum Eurovision Song Contest 2015 – von den Reichsbürger*innen distanziert hat, teilt er mit ihnen das ideologische Konzept. Naidoo biedert sich Rechten an, die man nicht bloß als verwirrte Staatengründer*innen abstempeln kann. Welch Relevanz diese Bewegung hat, verdeutlichten jüngst die Attacken von Reichsbürger*innen auf Polizeibeamt*innen. Ihm bloße Unwissenheit zu unterstellen, träfe nicht den Kern.

In Anbetracht seiner rechtsoffenen Weltanschauung und teilweise antisemitisch untermauerter Liedtexte stellt sich die Frage: Muss man solch einem Verschwörungstheoretiker eine Bühne bieten? In der König-Pilsner-Arena hat man mit solcherlei Positionen aber kein Problem. Schon mehrmals trafen dort auch die ultranationalistischen Grauen Wölfe zusammen. Das Streben nach Profit scheint den Veranstaltenden leider wichtiger zu sein als eine kritische Auseinandersetzung mit kontroversen Personen.

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