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Der RCDS mag Egotronic nicht

06.06.2013 18:51 - Alex Grossert




Seitdem die CDU-nahe Hochschulgruppe RCDS vor zwei Wochen bekanntgegeben hat, in diesem Jahr nicht für das Studierendenparlament zu kandidieren, scheint sie sich als eine Art außerparlamentarische Opposition neu zu erfinden. Stein des Anstoßes war dieses Mal der Auftritt der Elektropunkband Egotronic auf dem AStA-Campusfestival am vergangenen Mittwoch. Der Sänger Torsun Burkhardt habe Fans auf die Bühne gelassen und sich obendrein kritisch über Deutschland und die SPD geäußert. Der RCDS sprach von einem „katastrophalen Schaden am Ruf der Universität“ und forderte Konsequenzen von NRW-Forschungsministerin Svenja Schulze. Bei Facebook erntete die konservative Hochschulgruppe dafür vor allem Spott.


Nachdem das Campusfestival verregnet angefangen hatte, besserte sich das Wetter Abends merklich. Bei den Auftritten von „The toten Crackhuren im Kofferraum“ und „Egotronic“ wurde vor der Bühne ausgelassen Pogo getanzt. Doch nicht alle Zuschauer*innen ließen sich von dieser Stimmung anstecken: Am folgenden Tag veröffentlichte der RCDS eine Pressemitteilung auf seiner Facebookseite, auf der die Gruppe Performance und Texte des Headliners Egotronic kritisierte und den AStA aufforderte, sich von dem Auftritt zu distanzieren. Hier sei „Hass gegen Deutschland (...) und die SPD“ verbreitet worden. Zudem hätten Fans auf der Bühne Fahnen der Antifaschistischen Aktion geschwenkt.


Gedenken an Solinger Brandanschlag verfassungsfeindlich?


Hintergrund war der zwanzigste Jahrestag des rassistisch motivierten Mordanschlags in Solingen, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen. Der Egotronic-Sänger hatte an die Rolle der SPD erinnert, die nach den Pogromen der frühen Neunzigerjahre gemeinsam mit der CDU/CSU eine Grundgesetzänderung durchstimmte, die in der Konsequenz auf die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl hinauslief. Egotronic kritisieren in ihren Texten seit Jahren Deutschtümelei und Rassismus. Dietmar Schulmeister, der stellvertretende Vorsitzende des RCDS, bezeichnete die Band daher als „Feinde der Verfassung“.


Doch auch unabhängig von politischen Standpunkten der Bands sprechen sich die Jungkonservativen radikal gegen Konzerte und Sommerfeste aus AStA-Geldern aus. „Jeder soll mit seinem Geld machen was er oder sie will, dazu zählen selbstverständlich auch Konzerte. Wenn dies aber mit den Geldern von knapp 40.000 Studenten geschieht, dann ist eine Schwelle überschritten!“ wird RCDS-Vorstandsmitglied Anna Diekmann in der Meldung zitiert, die auf Facebook 64-mal geteilt wurde. Dass dies nicht bloß Unterstützer*innen waren, ist wahrscheinlich: Auch EgotronicSänger Torsun Burkhardt klickte auf „Gefällt mir“.


Ministerin soll eingreifen


Doch bei diesem einen Statement des RCDS blieb es nicht. Auch auf der Facebookseite von NRW-Forschungsministerin Svenja Schulze (SPD) postete die konservative Hochschulgruppe wenig später ein Konzertfoto, und fragte die Ministerin, warum derartige Konzerte auf Universitätsgrundstücken nicht von staatlicher Seite verhindert würden. „Wie kann es sein, dass solch eine Band auf staatlichem Grund gegen die Demokratie hetzt? Wie kann es sein, dass so etwas nicht verhindert wird und Linksautonomen derlei Bühne gegeben wird?“, heißt es in dem offenen Brief. Als „aufrichtige Demokratin“ müsse Schulze hier reagieren. Eine solche Reaktion blieb bisher erwartungsgemäß aus, dafür ging es in den Kommentaren hoch her.


Der Student Dominik Hausmann war hier nur einer von vielen, die durch rechte Parolen auffielen. Sein Ratschlag an AStA-Referent Daniel Lucas ist symptomatisch für das Diskussionsklima: „Wer hat dir eigentlich das Wort erteilt? Bevor du große Reden schwingst geh erst mal zum Frisör, rasier dich und dann leiste mal etwas. Und wenn du das geschafft hast, dann darfst du dich gerne wieder an mich wenden.“


Christian Schluck, der im vergangenen Jahr Kulturreferent des Juso-GHG-AStA war, kritisierte den offenen Brief hingegen: „Welche Ministerinnen werden eigentlich angeschrieben, wenn man den Eindruck hatte, dass Menschen für Menschen etwas richtig Geiles auf die Beine gestellt haben? Wieso verschweigt der RCDS, dass studentische Gruppen die Chance hatten, als Teil der studentischen Selbstverwaltung ein super Festival mitzugestalten?“



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