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Aktiv gegen Neonazis & Rassismus

24.01.2013 14:00 - Rolf van Raden



Am Anfang stand ein Seminar mit dem Titel „Aktiv gegen rechts“. Unter diesem Motto hatten der AStA und die DGB-Jugend Studierende aus Duisburg und Essen zu einem Wochenend-Workshop eingeladen. Das war vor gut fünf Wochen. Inzwischen ist aus dem losen Zusammenhang eine Initiative mit knapp 20 Aktiven geworden. Gemeinsam wollen sie als Antifaschistische Campusinitiative (Acampi) an der Uni und in der Region Flagge zeigen. Weitere Mitstreiter*innen sind herzlich willkommen.

Sie wollen antifaschistische Bildungsarbeit leisten, an der UDE für ein höheres Problembewusstsein sorgen, Demonstrationen und Kundgebungen unterstützen sowie dabei helfen, Projekte gegen rechts besser zu vernetzen: Die Acampi-Aktiven haben sich einiges vorgenommen. Das sei auch dringend notwendig, sagt Dominik Vollmer, eines der Gründungsmitglieder von Acampi. „Wie schnell sich rassistische Debatten Bahn brechen können, das haben wir vor einigen Monaten zum Beispiel in Duisburg-Bergheim erlebt. Dort haben scheinbar brave Bürgerinnen und Bürger plötzlich die ‚Umsiedlung’ von südosteuropäischen Zuwanderer*innen gefordert und vor dem Rathaus Flugblätter verteilt, auf denen ‚Raus mit den Zigeunern’ stand.“ In diesem Klima fühlten sich auch Neonazis wohl, so Vollmer weiter: „Seit 2010 gab es hier in Duisburg keine NPD-Ortsgruppe mehr, aber jetzt versuchen die Kapital aus der Stimmung zu schlagen und ihren Kreisverband wieder aufzubauen.“

Gegen rechte Lichterketten

In Essen habe die NPD erst vergangenes Jahr ihre neue Landesgeschäftsstelle eröffnet. „Wir müssen also auch hier damit rechnen, dass die neofaschistische Partei aktiver wird“, sagt Acampi-Aktivistin Astrid Galanis. Und auch abseits des organisierten Neonazismus gebe es genug Probleme. So hätten sich in Essen ebenso wie in Duisburg Anwohner*innen auf Informationsveranstaltungen der Stadt offen rassistisch und antiziganistisch geäußert. „Ein vorläufiger Höhepunkt war die Ankündigung einer Anwohner*inneninitiative im Stadtteil Kupferdreh, einen Tag nach den Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht am 9. November selbst eine Lichterkette zu organisieren – allerdings nicht als ein Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus, sondern zynischerweise als Kundgebung gegen eine lokale Flüchtlingsunterkunft.“




Warum an der Uni?

Bildung, so lautet ein Allgemeinplatz, sei das beste Mittel gegen menschenfeindliche Einstellungen. Ob da eine antifaschistische Gruppe ausgerechnet an einer Uni nötig ist? „Ganz klar: Ja“, sagt Dominik Vollmer. „Extrem rechte und demokratiefeindliche Einstellungen gibt es in allen Teilen der Gesellschaft. Da können sich auch die Hochschulen nicht von frei sprechen.“ Allerdings, ergänzt der Student, sei an der Floskel schon was dran. „Sozialwissenschaftliche Studien belegen immer wieder: Eine schlechte wirtschaftliche Situation, soziale Abstiegsängste und eben auch eine geringe Bildung verstärken autoritäre Einstellungen.“

Einen solchen Zusammenhang legt etwa die an der Uni Bielefeld entstandene Langzeituntersuchung ‚Deutsche Zustände’ nahe: Eine Befragung im Jahr 2010 hat ergeben, dass über 90 Prozent der Befragten in Zukunft sozialen Abstieg fürchteten. Gleichzeitig waren drei Viertel der Überzeugung, dass die Bedrohung des Lebensstandards die Solidarität mit Schwachen verringere. Ein Drittel der Befragten vertrat sogar die Position, dass sich unsere Gesellschaft es in der Wirtschaftskrise nicht mehr leisten könne, allen Menschen gleiche Rechte zuzugestehen. Und fast doppelt so viele, nämlich 61 Prozent, waren der Ansicht, dass in Deutschland zu viele schwache Gruppen mitversorgt werden müssten.




Es sind Zahlen wie diese, mit denen die Acampi-Aktiven ihr politisches Engagement begründen. „Autoritäre und menschenfeindliche Einstellungen entstehen nicht an irgendwelchen Rändern, sondern in der Mitte der Gesellschaft“, sagt Acampi-Aktivistin Astrid Galanis. „Deswegen gehört für uns der Kampf gegen Alltagsrassismus genauso dazu wie der Einsatz gegen Neofaschismus, Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus und Nationalismus.“ Wer mehr über Acampi erfahren will, kann die Aktiven bei einem offenen Brunch am 31. Januar in Duisburg kennenlernen.

Kontakt


Acampi – Antifaschistische Campusinitiative Duisburg-Essen
Web: acampi.noblogs.org
Facebook: facebook.com/acampi.ude
E-Mail: 


Kennenlern-Brunch
Do., 31.01., 12 bis 15 Uhr, Ort: AStA-Keller Duisburg
Beim vegetarisch/veganen Brunch können sich in gemütlicher Atmosphäre alle kennenlernen, die sich für die Arbeit der Initiative interessieren. Wer will, ist herzlich eingeladen, selbst vegetarische Leckereien mitzubringen oder eine Kleinigkeit zu spenden.




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