Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Zeichen der Solidarität: Spendenaktion der Tour D‘Amour

Die Paletten mit Spenden gingen nach Thessaloniki und Lesbos und werden dort von LeaveNoOneBehind verteilt. [Foto: Toni Dotzauer]
02.05.2021 18:41 - Saskia Ziemacki

Im März startete die gemeinnützige Organisation Tour D’Amour eine Spendenaktion für die Lager von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. In Kooperation mit diversen Organisationen, Kampagnen, über 100 Künstler:innen und sechs Clubs in Deutschland wurden dringend benötigte Sachgüter gesammelt. Wie es abgelaufen ist und was als nächstes geplant ist, verrät Toni Dotzauer, der das Projekt im Zakk in Düsseldorf betreut hat.

In Deutschland haben sich über 200 Kommunen als „Sichere Häfen“ dazu bereit erklärt, Menschen aus den Lagern in Griechenland aufzunehmen. Doch die Bundesregierung stellt sich dagegen. „Nicht einmal die volle Anzahl der Menschen, deren Aufnahme bereits im September seitens Deutschlands zugesichert worden ist, ist bisher evakuiert worden“, so Tour D’Amour. Um ein Zeichen für Menschenrechte zu setzen und auf die Zustände der Lager aufmerksam zu machen, ruft die Organisation deshalb in Kooperation mit der Kampagne #LeaveNoOneBehind, GrenzenloseHilfe.de, Wir sind alle Mittendrin e.V. und Wir sagen Moin e.V. zu einer Spendenaktion auf. 

Sechs Clubs in Deutschland, unter anderem das Zakk in Düsseldorf, haben dafür einen Tag lang Sachspenden der Bedarfslisten der NGOs vor Ort entgegengenommen. Die Spenden wurden in Tourbusse und Transporter geladen und gingen dann im Laufe der letzten Wochen direkt nach Thessaloniki und Lesbos in Griechenland. In den sechs Städten wurden insgesamt knapp 100 Paletten mit Sachspenden von Zahnbürsten über Schlafsäcke bis hin zu Power Banks und Smartphones abgegeben. Außerdem kamen fast 50.000 Euro an Geldspenden zusammen, berichtet Tour D’Amour. Toni Dotzauer, der für die Programmplanung der Musik im Zakk zuständig ist, hat das Projekt in Düsseldorf betreut. 

ak[due]ll: Wie ist die Spendenaktion abgelaufen und wie wurde sie von den Menschen angenommen?

Toni Dotzauer: Wir haben absolut gar nicht damit gerechnet, dass es so ein riesiges Ausmaß annimmt. Als ich gefragt wurde, ob ich das Projekt betreuen würde, habe ich gedacht, es kommen an diesem Samstag um die 10 Leute ins Zakk und geben ein paar Spenden ab. Wir hatten das Haus von 10 bis 18 Uhr geöffnet, mussten es aber um mehr als eine Stunde verlängern, weil die Schlange noch so lang war. Grob überschlagen kamen 500 bis 600 Spenderinnen und Spender zu Fuß und dann noch ein paar Transporter. Wir waren erst nur zu dritt an dem Tag, aber um halb 11 habe ich schon angefangen, herumzutelefonieren. Irgendwann waren wir 15 Leute und haben es gerade so geschaukelt bekommen. 

Die Situation der Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen schwimmt momentan etwas unter dem Radar. Wegen Corona gibt es aktuell andere Aufmerksamkeitswerte. Gerade in Zeiten, in denen viele sozial isoliert sind, ist es schön zu sehen, dass Leute Lust haben, sich sozial zu engagieren. Sie haben die Drogeriemärkte leergekauft und kamen mit riesigen Kartons voller Zahnpasta und Hygieneartikeln. Das hat einem richtig solidarische Vibes gegeben. Wir haben viel positives Feedback bekommen, die Tour D’Amour und die ganzen Kooperationspartner waren sehr begeistert. Alles in allem war es für alle Beteiligten ein großer Erfolg. 

ak[due]ll: Wie habt ihr darauf aufmerksam gemacht?

Dotzauer: Wir haben eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit im Zakk, die solche Aktionen an die Presse rausschickt und in unseren Social-Media-Kanälen etwas dazu postet. Die größte Aufmerksamkeit wurde aber durch die ganzen Künstlerinnen und Künstler wie Kool Savas, Deichkind und Fynn Kliemann generiert, die das ganze auf Social Media geteilt haben. So viele haben sich solidarisch hinter das Projekt gestellt, dass eine so große Resonanz bei den Leuten erzeugt wurde. Und weil es eben nur sechs Clubs waren, kamen auch Leute aus Essen, Bochum und Duisburg mit dem Auto nach Düsseldorf, um etwas abzugeben.

 

Spendenaktion 1.jpg
Knapp 100 Paletten mit Sachspenden gingen nach Griechenland. [Foto: Toni Dotzauer]

 

ak[due]ll: Von wem wurden die Tourbusse gestellt?

Dotzauer: Es ist alles dezentral organisiert worden. Die eigentliche Idee der Tour D’Amour, dass man nur mit Tourbussen rumfährt, hat nicht mehr funktioniert. In Anbetracht der riesigen Massen an Spenden müsste ein Tourbus um die 38 Mal hin und her fahren. Deswegen sind Speditionen dazu gekommen, die LKWs, Sprinter und Kleintransporter gestellt haben. Wir haben mit der Hardcore Help Foundation zusammengearbeitet, eine Organisation aus Lüdenscheid. Eigene Tourbusse hat das Zakk nicht und die Künstlerinnen und Künstler haben sich um das Marketing gekümmert, nicht um die Logistik. Es sind auch ein, zwei Künstler bei uns vorbeigekommen, die selber etwas gespendet haben. 

ak[due]ll: Musstet ihr die Spenden sortieren?

Dotzauer: Die Leute haben sich zu großen Teilen an die Bedarfslisten der NGOs gehalten. Es kommen natürlich immer Leute, die riesige Säcke an Altkleider mit kaputten Socken bringen. Wir haben die Spenden zu dritt angenommen und geguckt, ob etwas Brauchbares dabei ist und es dann in unsere Halle getragen. Da haben dann Samstag und Sonntag jeweils zehn Stunden lang zehn Leute sortiert. Von alten Kinder-Computerlernspielen über kaputte Glätteisen bis zu offenen Shampooflaschen und komplett zerrissenen Hosen und T-Shirts war alles dabei. In vielen Fällen war es nicht möglich, die Sachen direkt vor den Augen der Spenderinnen und Spender zu sortieren, da es eine Schlange von 100 Leuten gab. Was dabei übrig geblieben ist, haben wir an die Hardcore Help Foundation gegeben. Die schicken die Sachen nicht nach Lesbos, sondern an andere Kooperationspartner. 

ak[due]ll:Macht ihr auch andere Spendenaktionen?

Dotzauer: Am 19. April gibt es eine Spenden-Sammelaktion der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay!, mit denen wir häufig zusammenarbeiten. Das Zakk als politisch engagiertes Zentrum macht natürlich immer wieder so etwas. Wir sammeln regelmäßig Lebensmittelspenden, um es in Kooperation mit der Tafel auszugeben. Außerdem sammeln wir für die Obdachlosenzeitung Fiftyfifty. 

ak[due]ll: Tour D’Amour hat angekündigt, dass sie mit den Spendenaktionen weitermachen will, bis alle Lager evakuiert wurden. Wollt ihr euch weiter beteiligen?

Dotzauer: Wir stehen weiter in Kontakt mit der Tour D’Amour, auch mit der Harcore Help Foundation. Die Zusammenarbeit hat in alle Richtungen sehr gut geklappt und wenn so etwas nochmal zustande kommt, wäre das Zakk auf jeden Fall dabei. Wir sind nicht in der Lage, eine so große Spendenaktion selbst zu koordinieren, aber bei so einer großen Resonanz wäre es grob fahrlässig, die Infrastruktur nicht wieder zur Verfügung zu stellen. Tour D‘Amour wollen noch weitere Clubs mit dazu holen, damit die Leute keine 300 Kilometer zum Zakk fahren müssen. 

Sea-Watch nimmt Seenotrettung wieder auf

Die Corona-Pandemie legte die Arbeit von Sea-Watch lahm. Im Sommer soll nun die erste Mission für die Sea-Watch 4 starten.
 

Abschiebung von über 30 Tamil:innen aus NRW nach Sri Lanka

Am 30. März wurden über 30 Tamil:innen aus NRW nach Sri Lanka abgeschoben, obwohl ihnen dort Menschenrechtsverletzungen drohen.
 

Reduce and Reuse – Nachhaltigkeit im Alltag

Kaffee und Zitrone nach einmaligem Benutzen in den Müll? Damit ist jetzt Schluss! Hier erfahrt ihr hilfreiche Tipps und Tricks.
 
Konversation wird geladen