Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

„Wir sind die anderen“

Melanie Schmidt-Krobok auf der vergangenen Seebrücken-Demonstration in der Duisburger Innenstadt. (Foto: mac)

20.08.2018 12:40 - Maren Wenzel

Am Samstag, 1. September, sollen 3.000 Menschen im Rahmen der „Seebrücke“  auf dem Duisburger Ludgeriplatz stehen und demonstrieren.  Die Seebrücke ist eine Bewegung, die gegen das andauernde Sterben tausender Menschen auf dem Weg nach Europa sichere Fluchtrouten fordert und Aktionen durchführt. Gerade organisieren etwa 20 Menschen den Protest in der Stadt am Rhein. akduell hat eine von ihnen, Melanie Schmidt-Krobok, getroffen. Und gefragt: Was ist eine Bewegung, wie funktioniert das und was können Studierende tun?

„Sea-Watch“, der Name einer gemeinnützigen Seenotrettungsinitiative, steht in großen weißen Lettern auf dem hellblauen Pullover von Melanie als wir uns am Portsmouth-Damm im Innenhafen treffen. Sie kommt gerade vom Kooperationsgespräch mit der Polizei. Nach unserem Interview geht es für sie weiter zum Treffen mit den Duisburger Seebrücken-Organisator*innen. Es gibt noch viel zu tun vor der sogenannten European Action-Week der orangefarbenen Bewegung, die vom 25. August bis zum 2. September andauern soll. Europaweit werden Aktionen stattfinden, Melanie arbeitet auf die Duisburger Großdemonstration hin, die hier im Innenhafen enden soll.

Moral statt Hass

Für sie ist – wie für 50.000 weitere Menschen auf bislang über 100 Demonstrationen deutschlandweit – eine Grenze überschritten und zwar keine staatliche sondern eine moralische. Lange habe sie darauf gewartet, dass gegen die Entwicklung nach rechts etwas passiere. Sie habe das Gefühl, ganz Deutschland laufe den 13 Prozent AfD-Wähler*innen hinterher. Die Seebrücke hingegen setze nicht auf Hass sondern auf Moral, Ethik und Gewissen: „Wir sind die anderen“, sagt Melanie entschlossen. Nachdem in Düsseldorf und Essen Demos gegen die Blockade Italiens von zivilen Rettungsschiffen und Aufklärungsflugzeugen im Mittelmeer organisiert wurden, meldete die Duisburgerin Anfang August eine Kundgebung auf dem Opernplatz an.

Die Mobilisierung über Social Media hätte funktioniert, so Melanie, die seit 2015 im Süden der Stadt in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Immerhin hat die Bewegung, die auf Facebook „Seebrücke Duisburg“ heißt, innerhalb von sechs Tagen 400 Menschen auf den Platz gebracht. Schwierig sei die Organisation für die Aktivistin, die noch nie eine Demonstration angemeldet hatte, nicht gewesen: „Im Gegenteil. In dem Moment, wo ich fragte: ‚Wer macht mit?’ war es ganz leicht. Es waren sofort Grafiker, Demo-Erfahrene und Künstler dabei. Es hat nur diesen einen Funken gebraucht. Jetzt ist es nicht mehr nur mein Thema sondern eine  Bewegung.“

Duisburg in Orange

Aber was ist eine Bewegung? „Jeder, der sich mit den Zielen identifiziert, ist die Seebrücke. Jeder kann sich etwas Orangenes anziehen und organisieren. Das ist eine echte Graswurzelbewegung“, erklärt Melanie, die seit kürzerem auch Parteimitglied bei der Linkspartei ist. Die Bewegung agiere dezentral: Also in Kommunen und Städten, Ländern und schließlich europaweit mittels Telefonkonferenzen und Online-Tools zur Kommunikation. Für Duisburg heiße das konkret, dass die Organisationstreffen offen seien und in der Facebook-Community angekündigt werden; jede*r könne dazu kommen. „Wer da ist, macht mit, stimmt mit, entscheidet mit. Wer fehlt, stimmt zu“, so die Aktivistin. Als Erkennungszeichen wurden auf der ersten Demonstration am 4. August orangene Armbändchen mit dem Schriftzug „Seebrücke – schafft sichere Häfen“ verteilt.

Was können Studierende tun?

Durch die Organisationsform soll ein Querschnitt der Bevölkerung gegen das Sterben im Meer aktiv werden – vor allem auch Betroffenen, also geflüchteten Menschen, soll das Mikrofon zur Verfügung stehen. Parteien (Grüne, Linke, MLPD, Jusos und Piraten) seien zwar auch mit dabei, sie sollen aber keine Werbung für sich machen. Das ist Melanie wichtig. Diejenigen, die die Duisburger Stadtpolitik derzeit in einer großen Koalition aus SPD und CDU gestalten, fehlten aber bisher bei den Treffen. In einem Rundschreiben sollen sie aufgefordert werden, sich mit der Bewegung zu solidarisieren und mitzumachen. „Wir wollen, dass Duisburg sagt, dass sie Geflüchtete aufnimmt und das offensiv an die Bundesregierung meldet wie das schon viele Städte gemacht haben“, so Melanie.

Damit das auch passiert, wünscht sich die Aktivistin, dass sich auch Studierende dem Organisator*innen-Kreis und der Demonstration am 1. September anschließen. Wer das nicht wolle, könne selbst eine Gruppe mit eigenen Ideen gründen und eine Aktion, etwa an der Universität, machen. Denn Melanie ist überzeugt: Die Bewegung kann politisch etwas verändern. Trotz bewusster Stimmungsmache von CSU-Politikern wie Horst Seehofer, Markus Söder oder Italiens stellvertretendem Ministerpräsidenten Nord Matteo Salvini von der extrem rechten Lega Nord. „Ich glaube, es ist eine Frage des Durchhaltevermögens und der Masse. Wenn wir viele und laut sind sowie lange durchhalten, dann wird man uns nicht mehr überhören können“, meint Melanie.

akduell berichtet über Demos und Ziele der Seebrücke: Hier und hier findet ihr Berichte aus Essen und Dortmund.

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