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LOKALES

Lauf akduell! Für die Rückenmarksforschung

Das Beste kommt zum Schluss. (Foto: Redaktion)
10.05.2018 18:33 - Die Redaktion

100.000 Teilnehmende sind am vergangenen Sonntag, 6. Mai, überall auf der Welt gleichzeitig beim Wings for Life World Run mitgelaufen. Das Startgeld von 20 Euro und jede weitere freiwillige Spende fließt vollständig in die gleichnamige Stiftung, die Summe wird in die Rückenmarksforschung investiert. Zum ersten Mal war Duisburg als Standort mit dabei. Ein Erfahrungsbericht vom Lauf um den Wolfssee.

Da lieg ich nun. Brach, erschöpft und nassgeschwitzt. Meine Erscheinung gleicht einem Streichholz. Im Vergleich zu meinem feuerroten Gesicht wirkt mein Körper kreidebleich. Gefühlt sind es 100 Grad Celsius in Wirklichkeit sind es 28. Gefühlt ist mir so heiß, als würde ich jeden Moment zu Staub zerfallenin Wirklichkeit sollte ich aufhören, mich selbst zu bemitleiden und mit meinen Ende 20 dringend etwas für meine Fitness tun. Trotz leichter Übermüdung ist der Kopf während des Laufs hellwach. Ab dem dritten Kilometer werden die Beine eines untrainierten Menschen wie mir langsam schwer. Der Rachen fängt an zu brennen und die Vorstellung, sich sofort die Kleider vom Leib zu reißen und mit Anlauf in den kühlen See zu springen, lässt einen nicht mehr los.

„Unser schnellster Läufer schafft in 20 Minuten seine erste Runde, bravo“

Um exakt 13 Uhr fiel der Startschuss. Womit auch die größte Herausforderung der Strecke folgt: Die knapp 70 Duisburger Teilnehmenden sprinten die Brücke neben dem Strandbad am Kalkweg hoch. Danach ist es ebenerdig und schattig. Die Nähe zum See kühlt die Temperaturen ab. „Unser schnellster Läufer schafft in 20 Minuten seine erste Runde, bravo“, schallt es aus dem Lautsprecher. Kurz darauf teilt mir die freundliche Frauenstimme der App mit, dass ich hingegen Kilometer Nummer vier erreicht habe. Dass der Rundgang insgesamt fünf Kilometer hat, ermuntert mich nur minimal. Stattdessen habe ich meinen Tiefpunkt erreicht und mir schwirrt es wie ein lästiger Ohrwurm durch den Kopf: „Warum zur Hölle tust du dir das an?“ Die Antwort darauf ist relativ simpel und mildert den Schmerz: „Du machst das hier nicht nur für dich, sondern für querschnittgelähmte Menschen. Für solche, die sich eine Heilung wünschen.“

Keine Distanz

Der Wings for Life Run wird von der gleichnamigen Stiftung organisiert und spendet das Startgeld und jede weitere freiwillige Summe in die Rückenmarksforschung. „Vom Walker bis hin zum Marathonläufer, der sich vorbereitet, kann hier jeder mitmachen. Es gibt keine feste Distanz“, sagt Michael Schroeren, der als Werkstudent beim Sponsor Redbull arbeitet und den Run mitorganisiert hat. Gleichzeitig und überall verfolgen die Läufer*innen lediglich das Ziel, der virtuellen Ziellinie zu entkommen. „Normalerweise handelt es sich dabei um ein sogenanntes Catch Car, das die Läufer einholt. Hier am See ging das leider nicht. Deswegen haben wir ein Catch Bike und den Lauf über die App organisiert“, erklärt Schroeren. 30 Minuten nach dem Startschuss setzt der Radler sich in Bewegung. Ich laufe ihm davon – jedenfalls in der ersten Runde.

Obwohl die Rennbahn nahezu am idyllischsten Ort Duisburgs liegt und mit ziemlicher Sicherheit ein positiven Effekt auf mein Durchhaltevermögen hat, ist es die falsche Wahl. Denn wie bereits erwähnt: Hier geht es nicht um mich! Normalerweise sollten auch Rollstuhlfahrer*innen am Wings for World Life Run teilnehmen können. Einige Waldabschnitte machen das allerdings unmöglich. Diesen Sachverhalt kommuniziert der Veranstalter sogar im Vorfeld auf seiner Homepage und vertröstet Betroffene mit dem Hinweis, man könne in der App nach einem anderen Standort suchen. Als ich das mache, erscheinen mir die Alternativen fast wie ein Scherz: München, Bremen, Frankfurt, Herxheim, Hamburg und Oldenburg.

Wie stets um Barrierefreiheit?

Das sportliche Event hinterlässt bei mir also nicht nur schrecklichen Muskelkater, sondern auch die Frage nach Prioritäten. Die gesammelten Spendengelder von 1.271,50 Euro entsprechen einer hohen Summe, mit der sich sicher viel in Bewegung setzen lässt. Aber was nützt es, wenn man Betroffene von dieser Bewegung ausschließt? Und dadurch so ziemlich das Gegenteil von Barrierefreiheit erzeugt? Dass bei einer Asphaltstrecke bedingt durch Genehmigungen, Absperrungen und mehr Personal auch höhere Kosten aufgekommen wären, steht außer Frage. Logisch, dass diese zusätzlichen Kosten im Falle von Spendengeldern ein Dorn im Auge sind. Wäre da nicht die Kooperation mit dem österreichischen Unternehmen, das die beflügelnden Erfrischungsgetränke mit dem roten Stier herstellt. Denn dadurch klingt es ein bisschen wie eine Ausrede statt wie ein Legitimationsgrund für die soziale Ausgrenzung von Rollstuhlfahrer*innen. Und das bei einer Benefizveranstaltung, die angeblich ihre Wünsche erfüllen soll.

Ich halte also fest: Trotz akuter Unsportlichkeit im höchsten Stadium, bin ich begeistert und würde jederzeit wieder mitlaufen. Allerdings unter einer Bedingung: Der Rundgang sollte wirklich für ALLE geeignet sein –  und nicht nur für Walker*innen und Profis.

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