Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Warum gehen junge Menschen auf die Jagd?

80.000 Besucher*innen wurden zur Jagd&Hund in den Westfalenhallen erwartet.
(Fotos: David Peters)
04.02.2019 10:56 - David Peters

 

Die „Jagd & Hund”, Europas größte Jagdmesse, war vergangene Woche in Dortmund zu Gast. Für die einen ist die Jagd aktiver Umweltschutz, Passion und Hobby, für andere Mord und Altmännerhobby. Wir haben auf der Messe mit jungen Menschen gesprochen und sie nach ihren Motivationen und Ansichten zur Kritik an der Jagd befragt.

Der Anteil der Jagdscheininhaber in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr. Darunter sind auch immer junge Menschen und Frauen. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) sind 14 Prozent der Jungjäger*innen Schüler*innen und Studierende. Der Frauenanteil unter den Jungjäger*innen liegt inzwischen bei 24 Prozent. Die Jagd genießt in der Öffentlichkeit nicht unbedingt den besten Ruf, wird gerne mal als „angestaubt“ bezeichnet. Auf der „Jagd & Hund” in Dortmund waren allerdings auch viele junge Jäger*innen und nicht nur alte Männer in typischer Jäger*innenkluft.

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Bernd Niehus hat seit 2014 seinen Jagdschein.

Am Messestand des Landesjagdverbands NRW vertritt Bernd Niehues die jungen Jagenden. Der 26-jährige besitzt seit 2014 seinen Jagdschein. Als sein Vater zwei Jahre vor ihm den Schein machte, half Niehues ihm bei den Prüfungsvorbereitungen und absolvierte später ebenfalls einen Prüfungslehrgang. „Als Ausgleich zur Arbeit ist gerade die Natur ein schönes Erlebnis“, erzählt der Maschinenbaumeister. Er besitzt ein eigenes Jagdrevier. Dies macht zwar mehr Arbeit, hat aber auch seine positiven Seiten: „Das macht Spaß, wenn man nachher die Erfolge sieht, zum Beispiel wenn es mehr Fasane im Revier gibt.“  Die Fasanenpopulation ist laut Naturschutzbund NABU rückläufig. Jäger*innen machen dafür einen Rückgang der Lebensräume und die Tatsache, dass es immer mehr Füchse gibt, verantwortlich. Tierschützer*innen sehen die Bejagung der Fasane als Hauptgrund.

Vorurteile durch Begegnung abbauen

In seinen Augen hat sich das Image der Jäger*innenschaft geändert: „Es ist schon lange nicht mehr so, dass die Jagd nur etwas für Leute über 50 Jahre mit grünem Lodenmantel ist. Mittlerweile gibt es in den Jagdschulen einen Anteil von 25 Prozent Frauen.“ Jungen Leuten empfiehlt er die Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“. Dort haben Interessierte die Möglichkeit, Jäger*innen auf der Jagd zu begleiten um das Thema näher kennenzulernen und so auch eventuelle Vorurteile abzubauen. 

So handhabt es auch der 19-jährige Michel: „Ich habe schon einigen, die was gegen die Jagd haben, gesagt, sie können mich auf den Hochsitz begleiten.“ Für den Umweltmanagement-Studenten spricht nichts gegen die Jagd: „Ich esse gerne gutes und hochwertiges Fleisch und warum sollte ich das Töten jemand anderen machen lassen?“ Damit spielt er darauf an, dass viele Menschen sich nicht mit der Herkunft ihrer Nahrungsmittel beschäftigen.

Am Samstag hatten Anarchist*innen zu einer Kundgebung an den Westfalenhallen aufgerufen. Sie wollten „Gegen den Mythos von Hege und Pflege“ demonstrieren. Sie sehen in der Jagd die Hauptursache für Wildschäden in der Landwirtschaft, Vermehrung der Populationen und der Verbreitung von Krankheiten. Auf Twitter bezeichneten sie ihren Protest als „sehr effektiv“: Man habe Jäger*innen mit Rufen wie „Mörder“, „Schämt euch“ oder „Heute lacht ihr und morgen mordet ihr“ bloßgestellt.

Mit Ferienkursen zum Jagdschein

Die Jagdpassion liegt bei den Jagdschuldozenten Xaver Werning und Bernd Beck in der Familie. Die beiden sind Berufsjäger und unterrichten an der Jagdschule Lüdersburg. Der 31-jährige Beck erinnert sich: „Ich bin über die Familie zur Jagd gekommen und war viel in der Natur unterwegs. Ich konnte es dann auch gar nicht mehr abwarten und habe mit 16 Jahren meinen Jugendjagdschein gemacht.“ Auch beim 23-jährigen Werning liegt das Jagen in der Familie. „Mein Vater ist auch Berufsjäger und seitdem ich denken kann gibt es eigentlich kein anderes Thema mehr als Jagd“, erzählt er.  Nach dem Fachabitur hat er die Ausbildung zum Berufsjäger begonnen. Ein Bürojob wäre für ihn nichts gewesen. 

Als Dozenten einer Jagdschule erfahren die beiden auch viel über die Motivation der Jagdschulabsolvent*innen. Viele würden sich durch Freund*innen, die schon einen Jagdschein besitzen, für die Prüfung interessieren, so Beck. Bei einigen Frauen sei es aber auch der Fall, dass sie durch ihren Partner zur Jagd kommen, meint er.

Bei der Ausbildung in der Jagdschule versuchen die beiden, neben dem theoretischen Unterricht, auch viele praktische Inhalte an die Schüler*innen zu vermitteln. Für junge Menschen werden an der Jagdschule auch extra Ferienkurse für das „grüne Abitur“ angeboten. Auch der Frauenanteil bei den Jagdscheinkursen habe sich in der letzten Zeit gesteigert, so Werning. Da ein Lehrgang vergleichsweise teuer ist, bietet die Jagdschule unter dem Namen „Botschafter der Natur – auf der Fährte des Jägers“ Neulingen die Möglichkeit, einen Tag in der Jagdschule und dem Revier zu verbringen. „Da erlebt man den Rundumeinblick in das Jägerleben. Nach dem Tag kann man dann sagen ,ist das was für mich?´“, erklärt Xaver Werning.

„Die Jagd ist für mich kein Trend, sondern die Weiterführung einer Tradition“

Auch der Forstwirtschaftsstudent Leon ist durch einen Freund zur Jagd gekommen. Dieser hatte ihn zur Jagd mitgenommen und so die Leidenschaft in dem 19-jährigen entfacht. „Die Jagd ist für mich kein Trend, sondern die Weiterführung einer Tradition und der Wunsch, etwas für die Natur zu machen.“, erklärt er seine Motivation. Kritiker*innen bemängeln, dass Jäger Umweltschutz und Nachhaltigkeit nur als Vorwand nutzen um ihrem Hobby nachzugehen. Studienkollege Ben widerspricht dem: „Die Jagd ist notwendig, wenn ich das jetzt aus forstwirtschaftlicher Sicht sehe, und ist auch nachhaltige Naturnutzung.“ Viele Waldbesitzer*innen klagen über hohe Wildschäden an jungen Bäumen, die durch eine Überpopulation von beispielsweise Rehen entstehen. Viele Vorurteile gegenüber Jäger*innen entstehen laut Ben daraus, dass viele Kritiker*innen sich falsch informieren. „Sie sehen das nur aus einem Blickwinkel und haben vielleicht auch nicht die Verbindung zur Natur wie wir.“ Zum Jagen gehört für die beiden  sehr viel mehr als nur der Schuss, auch das Erlebnis und die Beobachtungen der Natur.

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