Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Vorhang zu für das Grammatikoff?

04.06.2018 10:32 - Maren Wenzel

 

Freitagabend in der Duisburger Innenstadt: Wo geht man da als Studierende hin? Die Antwort lautet wohl meist Gräfen, DJäzz oder Grammatikoff. Letzteres könnte bald aber keine Alternative mehr sein. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft GEBAG hat Pächter Rolf Stanietzki wegen Mietrückständen gekündigt. Der sieht hingegen politisches Kalkül hinter der Entscheidung. Und dann ist da auch noch von „verdecktem Sponsoring“ des Grammatikoffs und einem dritten Kinosaal des Filmforums die Rede.
 
Die Causa Grammatikoff liegt derzeit bei Rechtsanwält*innen. Nach sieben Jahren Betrieb hat die GEBAG den Pachtvertrag gekündigt. Bislang wurden im Laden am zentral gelegenen Dellplatz Theater, Poetry Slams, Kabarett, Parties oder eben einfach Kneipe angeboten. Der Laden lief, im Gegensatz zur Vorgängerin „Kulturzentrale HundertMeister“. Der Grund für das drohende Aus sollen jetzt aber doch Mietrückstände von zeitweise über 15.000 Euro sein. Pächter Ralf Stanietzki sagt hingegen, er habe die Schulden beglichen.

Die GEBAG bleibt dabei – die Mietrückstände seien zuletzt so hoch wie nie gewesen, da habe man gekündigt. „Die Kündigung ist ausgesprochen und bleibt bestehen“, so Gerhild Gössing, Pressesprecherin der GEBAG auf akduell-Anfrage. Doch weil Stanietzki die Kündigung durch Rechtsanwält*innen prüfen lasse, habe man nun selbst auch einen Rechtsbeistand eingesetzt, der ebenfalls prüfe.

Der Pächter des Grammatikoff hingegen wundert sich: Mietrückstände habe es auch in der Vergangenheit durch Ausfälle von Veranstaltungen laufend gegeben, diese seien dann immer nachträglich beglichen worden, so Stanietzki gegenüber der WAZ. Und er hat eine Vermutung. Mitarbeitende der GEBAG hätten ihm zu verstehen gegeben, dass das Grammatikoff politisch nicht mehr gewollt sei.

Kultur nach Zahlen

Tatsächlich hatte es bei der GEBAG, an der die Stadt zu 100 Prozent beteiligt ist, vor drei Jahren einen Geschäftsführungswechsel gegeben. Bernd Wortmeyer führt seither das Zepter und sollte die Gesellschaft vor einem Konkurs retten. Laut Beteiligungsbericht der Stadt aus dem Jahr 2016 ist ihm das auch gelungen – 3,4 Millionen Euro Gewinn machte die GEBAG. Auch durch das Beseitigen von Altlasten. Wenn Wortmeyer von „Altlasten“ spricht, dann meint er aber auch Verträge wie die des Grammatikoff, die die Kosten nicht deckten.
Fragt sich, was den Platz des Grammatikoffs einnehmen wird. Nicht nur Stanietzki spekuliert, dass im Lokal bald der Vorhang für Kinofilme aufgehen könnte. Das Filmforum (FiFo), das direkt nebenan liegt, könnte dort einen dritten Kinosaal erhalten. Nicht nur die GEBAG, auch das FiFo ist in städtischer Hand mit 100 Prozent Beteiligung.

Das Kino schreibt im Gegensatz zur Wohnungsbaugesellschaft aber laufend rote Zahlen (2014: -212.000, 2015: -214.000, 2016: -232.000 Euro). Duisburg könnte also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein alter Vertrag würde für die GEBAG beseitigt, mehr Gewinne für die Bilanzen des FiFo winken. Kulturdezernent Thomas Krützberg (SPD) schweigt sich jedoch bislang dazu aus und die Antworten auf eine akduell-Anfrage zum Thema an das Presseamt Duisburg stehen noch aus.

Es sieht also schlecht aus für das Grammatikoff. Vor allem, wenn GEBAG-Geschäftsführer Wortmeyer in der Presse auch noch davon spricht, dass das „verdeckte Sponsoring“ in Duisburg beendet werden müsste. Die Stadt, die sich auf ihrer Homepage unter Beteiligungen als „Konzern“ betitelt, würde dadurch sicherlich gewinnen. Denn für einen Konzern zählt am Ende eins: die Zahlen.

Ob das kulturelle Leben in Duisburg durch eine solche Politik gewinnen würde, steht auf einem anderen Blatt. Mit dem Grammatikoff würde eine Location wegfallen, die von jungen Menschen besucht wurde. Attraktiver wird die Stadt am Rhein für Studierende durch das Aus sicherlich nicht – schon jetzt ist die eigentliche Universitätsstadt wenig anziehend. Die meisten der etwa 16.000 Studierenden pendeln morgens zur Uni und abends zurück ins Umland. Und nach dem Studium ziehen die meisten Absolvent*innen weg.
 

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