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Vintage-Veredelung bei Neon Elektrisch

„independent underground“ – Frank Herzberg wertet Vintage-Mode mit eigenen Stick-Designs auf und verwandelt so seinen Laden Neon Elektrisch in ein Modelabel.
[Foto: Freya Pauluschke] 13.04.2022 12:42 - Freya Pauluschke

Auf der Gutenbergstraße im Essener Südviertel befindet sich der Second-Hand-Store Neon Elektrisch. Neben einzigartigen Fundstücken aus den 80er und 90er Jahren verkauft Inhaber und Modedesigner Frank Herzberg auch Vintage-Kleidung, die er mit eigenen Designs handgefertigt bestickt.

Klein, aber fein. Fünf Stufen führen in eine Flohmarkt-artige Boutique mit rockigem, trashigem Flair der 80er und 90er. Die Wände sind voll mit schwarz-gelbem Absperrband, Alufolie, Postern und Fotos von Kund:innen, auf denen sie vor Ort gekaufte Klamotten tragen. In den Regalen stehen Spielzeugfiguren, Kameras und ein Retro-Ghettoblaster. Neon Elektrisch ist für die Stammkund:innen nicht nur irgendein Second-Hand-Shop, sondern ein Laden mit Geschichte und Charakter. Eine Mischung aus Vintage und eigenem Modelabel.

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Hinter Neon Elektrisch steckt der Designer Frank Herzberg. Der gebürtige Engländer kam im Alter von zwei Jahren nach Deutschland. In Düsseldorf studierte er Modedesign und arbeitet dort als Kreativberater für Mode. Unter anderem der Essener DJ und Clubbesitzer Kay Shanghai und Helge Schneider gehören zu seinen Kund:innen. Für die Band The Gossip und Musiker Pete Doherty fertigte der Designer bereits Video- und Bühnenoutfits an.

Bei Herzbergs Mode geht es um Unabhängigkeit

Seine Boutique Neon Elektrisch gibt es nun, inklusive kleinem Umzug, seit 16 Jahren im Essener Südviertel. Seine Zielgruppe ist die junge Szene und die Subkultur – der „independent underground“. So steht es auf manchen seiner selbstbestickten Klamotten.

Der Designer lässt sich unter anderem in Clubs wie dem Old Daddy in Duisburg mit nostalgischer Musik aus den 80ern inspirieren: „Ich gucke mir gerne die Szeneleute an. Einer trägt ein Mod-Outfit und dann frag ich mich: ‚Könntest du sowas Ähnliches machen?‘. Ich arbeite dann eigentlich nur, speichere das für mich ab und mische alles in meinem Kopf zusammen.“ Herzberg zitiert den Philosophen Krishnamurti: „Du musst selbst ein brennendes Licht sein in einer sich verdunkelnden Gesellschaft. Ich habe den gelesen und mir ging es um die Emanzipation.“ Der Designer hat modetechnisch schon immer alles ausprobiert und strebt nach Unabhängigkeit: „Ich habe den Stil, keinen Stil zu haben.“

Aus Alt mach Neu

Nachdem der Laden eine Zeit lief, wurde ihm geraten, seinen eigenen Namen als Name der Boutique einzusetzen. Frank Herzberg war davon zuerst nicht überzeugt – der Name klinge wie der eines Schlagerstars. Doch dann dachte er an die Designer aus den 90ern: Wolfgang Joop, Helmuth Lang, Karl Lagerfeld.

Der Store behielt den Namen Neon Elektrisch, aber Herzberg war neugierig und probierte verschiedene Typografien seines Namens aus. Dadurch erhielt die Boutique eine persönliche Note, die Provokation mit sich bringt. Denn Frank Herzberg ist meist mit einer selbstbestickten Cap mit seinem eigenen Namen darauf zu sehen: „Ich möchte provozieren und auffallen.“Neon Elektrisch.jpg

Eine Mischung aus verkommen und edel: Die Boutique ist trashig dekoriert mit Postern, Fotos, Absperrband und Retro-Ghettoblaster. [Foto: Freya Pauluschke]

Seine gestickten Motive haben etwas Monströses: Gangstermasken, Monster Energy ähnelnde vektorgrafische Krallen und ein Pitbull mit stacheligem Nietenhalsband. Hier gelten Filme wie Bad Boys oder das Drama Barfly als Inspiration: „Ich mochte immer diese Gangster-Typen, nie die Geleckten.“ Herzberg kombiniert alte Kleidungsstücke mit Neuem. Zum Beispiel tauschte er die Ärmel eines 80er-Jahre-Blazers mit den Hosenbeinen einer Jeans aus. Der Designer veredelt Vintage und setzt dabei auf Stilbruch. Ihm gefalle diese Mischung aus „verkommen“ und „edel“.

Diesen Vibe vermittelt er auch im Interior seiner Boutique – er kokettiert mit der Unordentlichkeit. Laut Herzberg geht es bei Mode um das Wohlbefinden: „Für mich war die Partydroge die Musik, wenn ich weggegangen bin. Ich war gerne in renommierten Clubs: House Music Clubs oder Hip-Hop Clubs. Ich habe damals als Animationstänzer gearbeitet; ich war so Mitte 20, zur Techno-Zeit mit Lack-Klamotten an. Wir haben getanzt und die Musik genossen. Wir haben unsere Mode genossen. Wir wollten in eine andere Welt abtauchen.”

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