Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

UDE und DISS nehmen Abschied von Siegfried Jäger

 Prof. em. Dr. Siegfried Jäger [Foto: WAZ/Stephan Eickershoff]
07.09.2020 12:29 - Jacqueline Brinkwirth

Am 16. August verstarb der Sprachwissenschaftler Siegfried Jäger im Alter von 83 Jahren. Jäger hatte rund drei Jahrzehnte an der Universität Duisburg-Essen (UDE) gelehrt und geforscht. Seine Beiträge zum Verhältnis von Sprache und Macht gelten bis heute als wegweisend in seinem Forschungsfeld. Das von ihm gegründete Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) und die Universität nehmen Abschied von ihrem geschätzten Kollegen. 

Die UDE hat durch den Tod von Prof. Dr. Siegfried Jäger am 16. August 2020 einen außergewöhnlichen Linguisten verloren. Von 1973 bis 2002 lehrte und forschte der gebürtige Duisburger an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg, aus der 2003 in Fusion mit der Gesamthochschule Essen die UDE hervorging. Jäger begleitete in seiner Funktion als Professor der Linguistik eine ganze Generation von Studierenden in der Germanistik. 1987 gründete er das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, kurz DISS, das er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Margarete Jäger viele Jahre leitete und zu einem wichtigen Orientierungspunkt für Studierende und Wissenschaftler:innen machte. 

Einfluss in Forschung und Lehre

„Sprachwissenschaft war für ihn immer auch Gesellschaftswissenschaft. Zeitlebens verfolgte er kritisch die politischen und sozialen Entwicklungen und untersuchte wie Sprache als Instrument zur Ausgrenzung genutzt wird“, heißt es seitens der Universität zu Jägers Arbeit. Seine Beiträge zum Verhältnis von Sprache und Macht, zur Verantwortung von Politik und Medien und zu Alltagsrassismus waren und sind bis heute wegweisend im Bereich der Sprach- und Sozialforschung. Prof. Dr. Jäger entwickelte den sogenannten Duisburger Ansatz der Diskursanalyse (KDA) und

Jäger leitete verschiedene Forschungs-projekte und hielt über 200 Vorträge.

erarbeitete damit ein umfangreiches qualitatives Verfahren zur Medien- und Interviewanalyse, das bis heute international anerkannt ist. Seine Monographie „Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung“, die er 1993 erstmals veröffentlichte, wurde zum Standardwerk und erscheint mittlerweile in siebter Auflage. 

Über sein universitäres Schaffen hinaus hinterließ Siegfried Jäger auch gesellschaftlich Spuren mit seinem Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Für den Innenausschuss des Deutschen Bundestags und den Hauptausschuss des Landtags NRW fungierte er zu Fragen politisch motivierter Gewalt sowie Rassismus und Rechtsextremismus als Experte. 1991 begründete er mit Teun van Dijk, Laura Balbo und Nora Räthzel die International Association for the Study of Racism (IASR). Von 2000 bis 2004 war er im wissenschaftlichen Beirat des Bündnisses für Demokratie und Toleranz (BfDT) tätig. Zudem leitete Jäger verschiedene Forschungsprojekte, hielt über 200 Vorträge und veranstaltete zahlreiche Kolloquien. 

Abschied von einer inspirierenden Persönlichkeit

Seine Forschung und Lehre waren zeitlebens begleitet von fundamentalen Erkenntnissen, gesellschaftlich bedeutenden Themen und kritischem Scharfblick. Damit inspirierte er Kollegen und Studierende gleichermaßen. „Durch seinen Tod verlieren wir einen kritischen Streiter und Mitstreiter, der sein Leben und sein Schaffen der Kritik an politischen,sozialen und gesellschaftlichen Prozessen gewidmet hat, insbesondere der Kritik an Ausgrenzungsprozessen durch Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus, aber auch der Beschäftigung mit den Diskursen um die Stahlkrise der 1980er Jahre, um Bioethik und um Gender Studies“, betont das DISS in einer Stellungnahme. Das Institut und die UDE nehmen Abschied von einem außergewöhnlichen Wissenschaftler und bewahren ein ehrendes Andenken an Prof. em. Dr. Siegfried Jäger. 
 

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