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Thor Steinar: Filiale in Dortmund eröffnet

Von außen wirkt die Thor Steinar-Filiale im Hinterhof des Brüderwegs unscheinbar. Wenig lässt darauf schließen, dass hier Neonazi-Mode verkauft wird.
[Foto: David Peters]
03.09.2019 12:28 - David Peters

Am 29. August wurde in der Dortmunder Innenstadt eine Filiale der Neonazi-Marke „Thor Steinar“ eröffnet. Der Vermieter will seine neuen Mieter am liebsten schnell wieder loswerden.

Die Eröffnung des „Thor Steinar“-Ladens in Dortmund kam überraschend. Nach der Schließung der Filiale in Essen im März hat nun Dortmund das zweifelhafte Vergnügen Standort des einzigen westdeutschen Standorts der Bekleidungsmarke zu sein. Die restlichen 10 Filialen befinden sich ausschließlich in den östlichen Bundesländern. „Thor Steinar“ ist eine im rechten und neonazistischen Spektrum sehr beliebte Kleidungsmarke. Das Tragen dieser Marke ist in vielen deutschen Fußballstadien, wie zum Beispiel bei Borussia Dortmund, verboten. Thor Steinar wird seit 2003 von der brandenburgischen Firma MediaTex vertrieben.

Protest in Dortmund

In Dortmund regte sich schnell Widerstand gegen den Nazi-Shop. Am Montag versammelten sich knapp 200 Menschen im Brüderweg vor dem Laden, um für seine Schließung zu protestieren. In einer zuvor veröffentlichten Pressemitteilung wiesen antifaschistische Gruppen darauf hin, dass durch die gemeinsame Arbeit von Anwohner*innen und Geschäftsleuten, der Stadt sowie Antifaschist*innen in der Vergangenheit bereits „Thor Steinar“-Shops in Hamburg, Bremen oder Leipzig geschlossen werden mussten.

„Auch in Dortmund muss der Thor Steinar-Laden schnellstmöglich wieder verschwinden. Die Stadt Dortmund sollte die rechtlichen Möglichkeiten dafür prüfen“, fordert Antje Höfner, eine der Antifaschist*innen. „Wir werden derweil nicht auf das Handeln der Stadt warten, sondern rufen deshalb alle Dortmunder*innen dazu auf, gegen den Neonazi-Laden aktiv zu werden“.

Die Stadt Dortmund wurde derweil aktiv und untersagte den Betreibern des Ladens mit dem Dortmunder Stadtwappen zu werben. Auf die vielen Hinweise aus der Bevölkerung antwortete die Stadt: „Die zuständigen Ämter sind eingeschaltet. Dortmund ist eine tolerante, vielfältige und weltoffene Stadt.“

2009 eröffnete „Thor Steinar“ unter dem Namen „Oseberg“ einen Laden in der Essener Innenstadt. Trotz zahlreicher Proteste antifaschistischer Gruppen und dem Versuch des Vermieters den Betreiber mit einer Räumungsklage loszuwerden, konnten Neonazis sich noch bis zum März 2019 in der Viehhofer Straße mit „Thor Steinar“-Klamotten eindecken. Der Vermieter hatte nach Angaben der WAZ keine Ahnung, wer da seine Immobilie nutzen wollte: „Solch ein Fehler wird mir nie wieder passieren. Ich prüfe jetzt jeden Mieter auf Herz und Nieren“, sagte er der Tageszeitung.

Vermieter fühlt sich überrumpelt

Ähnlich erging es auch dem Vermieter der Dortmunder Filiale. Eine Firma aus Berlin habe sich für die Geschäftsräume im Hinterhof des Brüderwegs interessiert. Sie wollten dort Kleidung verkaufen, um welche Marke es sich dabei genau handelte sagten sie ihm nicht. Ihr Auftreten und Bonität seien sehr gut gewesen, so der der griechisch stämmige Vermieter, der nicht möchte, dass sein Name genannt wird.

„Ich habe nicht gewusst, um was für eine Marke es sich da handelt“

Als er seinen neuen Mietern den Mietvertrag zur Unterschrift vorlegte, wollten diese einen kleinen Zusatz ergänzen. Der Laden sollte nicht nur dem Verkauf von Textilien dienen, sondern dem Verkauf von Textilien der Marke „Thor Steinar“. Nach ihren Angaben sollte es sich hierbei um eine „etwas exklusivere Marke“ handeln. „Es tut mir schlichtweg leid. Ich habe nicht gewusst, um was für eine Marke es sich da handelt“, so der Vermieter.

Mietvertrag gilt für fünf Jahre

Als öffentlich wurde, dass „Thor Steinar“ unter dem Namen „Tønsberg“ eine Filiale eröffnete, rief ihn ein Freund an: „Er sagte mir, dass das Nazis sind, die Klamotten verkaufen.“ Da war es aber auch schon zu spät und der Mietvertrag für fünf Jahre längst unterzeichnet. Der Vermieter hofft jetzt auf Unterstützung der Stadt Dortmund. Die neuen Mieter würde er gerne wieder loswerden. Gleichzeitig befürchtet er aber auch, dass er und seine Familie zur Zielscheibe für die Neonazi-Szene werden könnten.
 

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