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#stopptcatcalling: Mit bunter Kreide gegen Belästigung

Catcallsofessen zeigen Präsenz in der Essener Innenstadt.

[Foto: Mona Belinskiy]

09.08.2021 13:54 - Mona Belinskiy

Sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum sichtbarer machen. Und zwar so sichtbar, dass man nicht mehr wegschauen kann – das ist das Ziel von Catcallsofessen. In bunter Schrift schreiben sie mit Kreide Belästigungen an die Orte, an denen sie passiert sind. Janet und Luise sind Teil des Essener Teams. Wir haben sie beim „Ankreiden“ begleitet. 

Läuft man in Essen aus dem Hauptbahnhof, stolperte man vergangene Woche über große bunte Buchstaben auf dem Boden: #stopptcatcalling. Darunter der Verweis auf den Instagram Kanal von Catcallsofessen. Gehupe, Gepfeife, sexualisiertes Anstarren oder übergriffige Sprüche - all das ist Catcalling. Sowohl Männer als auch Frauen sind davon betroffen. Die „Catcallsof“-Bewegung schenkt Betroffenen eine Stimme. Über die Instagram-Kanäle der Bewegung können Menschen ihre Erfahrungen mit Catcalling schildern. Die Gruppe schreibt das Erlebte dann in bunten Kreidebuchstaben auf den Boden. Und zwar an dem Ort, an dem die Belästigung passiert ist. Dann werden die Ankreidungen fotografiert und auf dem Instagram-Kanal gepostet.

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Deutschland ist Vorreiter im Ankreiden 

Ursprünglich kommt die „Catcallsof“-Bewegung aus New York. „Mittlerweile gibt es in Deutschland aber mehr Accounts als in allen anderen Ländern. Weltweit sind wir da die Vorreiter“, erklärt Janet vom Catcallsofessen-Team. 106 Accounts gibt es deutschlandweit, alle sind eng miteinander vernetzt und versuchen sich zu unterstützen, sagt sie. Das Essener Team besteht aus fünfzehn „Ankreider:innen“, die jeweils festen Stadtteilen zugewiesen sind. Janet, Luise, Kim und Lasse kümmern sich außerdem um den Instagram-Kanal.​​​​​​​

Viele von ihnen sind selbst regelmäßig von Catcalling betroffen, Janet sogar fast täglich.  Deshalb habe sie sich auch der Organisation angeschlossen. Selbst beim Ankreiden von sexuellen Übergriffigkeiten bleibt sie von Belästigung nicht verschont: „Einmal wurde ich beim Ankreiden gecatcallt. Die Ironie in sich selbst. Zwei Männer sind vorbeigelaufen und der eine sagt zum anderen: ‚Wäre die nicht was für dich?‘. Dabei zeigte er abschätzig auf mich. Das haben wir dann direkt an Ort und Stelle auf die Straße geschrieben.“

Mehr Sicherheit im Öffentlichen Raum

Die Instagram-Kanäle von Catcallsof wollen nicht nur Betroffenen eine Stimme geben, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten, sagt Luise. Laut Janet ist vielen der Unterschied zwischen einem Kompliment und Catcalling nicht klar. „‚Ey, geiler Arsch‘ ist kein Kompliment. Das verstehen viele nicht.“, erklärt sie. Bei einem Kompliment fühle man sich wohl, es sei auf Augenhöhe und ohne Hintergedanken, sagt die Essenerin. 

„Wenn die Tage wärmer werden, bekommen wir mehr Einsendungen. Dann sind es schon mal bis zu fünfzehn die Woche. An Orten, wo viele Menschen zusammenkommen, ist die Wahrscheinlichkeit dann höher, dass etwas passiert“, erklärt Luise. Besonders an Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmittel seien Menschen regelmäßig Opfer von sexueller Belästigung. „Ich weiß nicht, wie oft ich das Wort ‚masturbieren‘ in dem Zusammenhang schon auf den Boden geschrieben habe“, erinnert sich Janet. Erst vor kurzem stand an der Haltestelle Hobeisenbrücke: “Er saß vor mir in der Bahn und masturbierete”. Auch Verfolgung sei ein wiederkehrendes Problem. 

Strukturelles Ausmaß bewusst machen

Wichtig sei zu verstehen, dass Catcalling sowohl männlich als auch weiblich gelesene Personen betrifft, erklärt Luise. „Wir bekommen immer wieder auch Einsendungen von Männern, das wissen viele gar nicht.“ Ihr Kanal soll auf das strukturelle Ausmaß des Problems aufmerksam machen. Den größten Erfolg, den sie mit ihrem Kanal feiern können, sagt Luise, sei zu zeigen, dass es kein vereinzeltes Problem ist. „Für mich ist das Ziel immer, dass das jemand liest und sich nicht allein fühlt. Dass die Person sieht, dass es nichts ist, woran sie schuld ist. Wenn sich das nur eine Person denkt, dann bin ich glücklich mit dem, was wir tun.“ 

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