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LOKALES

Soziokulturelles Zentrum in Duisburg: Vielversprechende Ortsbegehung

Der Eingang des ehemaligen Textilgroßhandels steht samt Kassenband noch.
Im Hintergrund sprechen die Aktivist*innen mit lokalen Pressevertreter*innen.

[Fotos: Dennis Pesch]
 

03.04.2019 17:19 - Dennis Pesch

Ziemlich kurzfristig lud am Montag, 1. April die Initiative „Du erhält(st) Kultur“ zu einer Ortsbegehung in der Duisburger Altstadt ein. Im Stapeltor 6 stellte die Initiative gemeinsam mit dem möglichen Vermieter Christian Otto eine 800 Quadratmeter große Fläche als möglichen Nutzungsraum für eine Erprobungsphase eines Soziokulturellen Zentrums vor. Die Initiative ist optimistisch, dass die Stadt zusagt und hofft darauf, dass es möglicherweise schon im Mai los gehen kann.

Was zuvor die Ladentür eines Textilhauses war, könnte schon im Mai der Zugang zum Soziokulturellen Zentrum in Duisburg werden. „Wir sind wie kleine Kinder beim Geschenke auspacken“, sagt Christian Wagemann. Er lacht, als die Aktivist*innen von „Du erhält(st) Kultur“ vor Pressevertreter*innen im Gebäude erklären, wie der Realisierungsplan für ein Soziokulturelles Zentrum aussehen könnte.

Erst Ende letzten Jahres setzte sich die freie Szene aus Künstler*innen, Kulturschaffenden und politischen Gruppen, mit dem Kulturdezernenten der Stadt Duisburg Thomas Krützberg zusammen. Sie beriefen eine Ermöglichungsgruppe ein;

Ein Mix aus Personen der Stadt und der freien Szene, die beauftragt sind, einen geeigneten Raum für ein Soziokulturelles Zentrum zu finden und dazu auch ein Konzept erstellten: „Wir wollen, dass die Menschen ihr Programm selbst machen, das kann man nicht einfach festlegen“, erklärt Sarah Berndt von der Initiative „Du erhält(st) Kultur“. Vor kurzem erst erhielt die Initiative endgültig eine Absage für die Alte Feuerwache im Duisburger Stadtteil Hochfeld.

Ein Schnäppchen für die Stadt

Konkrete Vorbilder, wie sich das Soziokulturelle Zentrum finanzieren soll, gibt es in den umliegenden Ruhrgebietsstädten: Das Druckluft in Oberhausen und auch das Autonome Zentrum in Mülheim werden städtisch finanziert. Dabei bilden alle Soziokulturellen Zentren in NRW eine Landesarbeitsgemeinschaft, die LAG Soziokultur.

„Ich finde das viel sympathischer als hier schicke Büros rein zu bauen.“

„Von dort und vom Bund haben wir zweckgebundene Projektmittel bewilligt bekommen, um eine Erprobungsphase für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg durchzuführen.“ Insgesamt werden rund 27.000 Euro bereitgestellt.

Dass sich nun ein Raum aufgetan hat, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Im Rahmen der 40. Duisburger Akzente meldete sich Christian Otto bei den Aktivist*innen. „Er hat uns angeschrieben, weil er solche Zentren aus seiner Jugend kennt und uns das Objekt hier vorgestellt hat“, sagt Sarah Berndt. Es funkte zwischen den Beteiligten. Otto erklärte bei der Ortsbegehung: „Als ich so alt war wie die Protagonisten habe ich selbst dort mitgemacht. Ich finde das viel sympathischer als hier schicke Büros rein zu bauen.“ Otto befürwortet, dass kulturelle Projekte dort für alle zugänglich wären, ohne dass man dafür Eintritt zahlen müsse: „Sowas braucht jede Stadt und jeder Stadtteil“, so Otto.

Besonders der finanzielle Aspekt dürfte für die Stadt ein kaum auszuschlagendes Angebot sein. Der potenzielle Vermieter Otto hat einen Preis von drei bis vier Euro pro Quadratmeter ins Spiel gebracht. Das sind bei einer Fläche von rund 800 Quadratmetern bis zu 3.200 Euro Mietkosten. Die Initiative hat dabei klare Forderungen an die Stadt: „Wenn irgendwo ein Soziokulturelles Zentrum entsteht, dann muss das staatlich unterstützt werden. Wenn die Stadt das will, dann muss es von der Stadt bezahlt werden und dann müssen da auch Stellen geschaffen werden, damit hier unkommerziell gearbeitet werden kann“, sagt Wagemann.

Kommt die Zusage der Stadt noch im April?

Dabei stellen die Räumlichkeiten im Stapeltor 6 eine hervorragende Grundlage dar, um ein Soziokulturelles Zentrum zu etablieren: „Wir wollen natürlich da erproben, wo ein Soziokulturelles Zentrum stehen bleiben kann und das wäre am besten hier“, so Wagemann. Geht es nach den Aktivist*innen kann es eher früher als später los gehen. Zwar müssen noch einige Sicherheitschecks durchgeführt werden, die Fläche ist aber bereits gewerblich genehmigt.

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Die Verantwortlichen betreten das potenzielle Soziokulturelle Zentrum.
[Foto: Dennis Pesch]

 

Außerdem muss noch eine Menge aufgeräumt und umgebaut werden, eine riesige Renovierung dürfte aber nicht zwangsläufig notwendig sein, um den Raum zu nutzen.

Auf die Menschen, die das soziokulturelle Zentrum dann gestalten, käme trotzdem viel Arbeit zu, so Berndt: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Infrastruktur hier aufgebaut wird.“ Dabei sollen die Beteiligten die Prozesse selbst anstoßen, ergänzt Wagemann: „Ich würde hier einen Kühlschrank rein stellen, eine Anlage und dann aufmachen. Alles andere, was dann hier gemacht wird, ist eben das Soziokulturelle Zentrum, also das, was die Menschen in die Hand nehmen und machen möchten.“

Um das alles realisieren zu können, muss die Stadt aber die Betriebskosten übernehmen. „Für den laufenden Betrieb ist dann nur noch wichtig, dass die Leute hier hin kommen“, erklärt Berndt. Sollte die Erprobungsphase erfolgreich verlaufen, müsse es auch darum gehen, dass etwa Sozialarbeiter*innen bezahlt werden, um dort zu arbeiten, sagt sie. Zudem würde es die Stadt am Ende nicht einfach nur Geld kosten: „Hier würde wichtige Arbeit geleistet werden, Stadtteil-Arbeit hat einen enormen Wert und die Soziokulturellen Zentren sind auch dafür bekannt Projektgelder rein zu holen. Investiert die Stadt nicht, dann kommen auch keine neuen Mittel“, betont sie.

Dass es funktionieren kann, einen unkommerziellen Raum zu betreiben, haben die Beteiligten in den letzten Monaten bereits unter Beweis gestellt: „Im 47 ist fast jeden Tag Programm, aber der Raum ist viel zu klein. Bei vielen Veranstaltungen stehen die Leute, weil so wenig Platz ist“, resümiert Wagemann. Sollte die Stadt nun zusagen – was am Donnerstag bei der Veranstaltung „Ermöglichen – so geht das. Na siehste, geht doch!“ im 47 unter Teilnahme des Kulturdezernenten Krützberg der Fall sein könnte – braucht es nach der Erprobungsphase noch einen Ratsbeschluss, damit Duisburg ein Soziokulturelles Zentrum bekommt.

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