Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Racial Profiling im Essener Nordviertel

Symbolfoto: lenz
28.08.2018 15:30 - Lorenza Kaib

Seit Monaten ist das Essener Nordviertel wegen Polizeieinsätzen im Stadtteil in den Schlagzeilen. In den Meldungen heißt es meist, es würde präventiv von der Polizei vorgegangen oder Bandenkriminalität bekämpft. Selten wird hingegen hinterfragt, wie die Polizeikräfte vorgehen und ob sie dabei Racial Profiling betreiben.

Wer Lehrveranstaltungen am Campus Essen besucht, findet sich automatisch im Nordviertel wieder. Neben der Uni, der Grünen Mitte und dem Eltingviertel ist der Stadtteil vor allem durch arabische und (nord-)afrikanische Läden geprägt. Diesen Geschäften wird mit der erhöhten Polizeipräsenz und den Razzien geschadet, teilweise ist die Existenzgrundlage der Ladenbesitzer*innen gefährdet, weil frühere Kund*innen sich nicht mehr dorthin trauen.

Razzien in Geschäften und Cafés, Ausweiskontrollen auf der Straße

„Wir haben in den letzten Wochen und Monaten öfter Polizeirazzien beobachtet. Es waren direkt sehr viele Einsatzkräfte vor Ort – Hundertschaften, die sich an die Straßenecken gestellt haben“, erzählt Karl*. Er ist im Alibi - dem von Interessierten, Anwohner*innen und Künstler*innen betriebenen Raum, der für Alle offen sein soll, an der Holzstraße 12 - aktiv und hält sich selbst deshalb häufig im Nordviertel auf. „Manchmal stehen drei bis vier Wannen (Polizeiwagen, Anm. d. Red.) vor einzelnen Läden, wo Kontrollen durchgeführt werden. Sie gehen in bestimmte Bars, Cafés und auch Geschäfte.“ Dabei laufe es  zum Teil fast schon gewalttätig ab: „Sie stürmen in die Läden hinein, mit Kameras, und kontrollieren jeden Raum und alle Personen. In den Läden selbst waren wir während einer Razzia noch nicht. Uns wurde jedoch erzählt, dass die Polizei sich sehr ruppig verhält und teilweise auch Gewalttaten stattfinden.“

Das Alibi ist erst seit diesem Frühjahr in der Holzstraße zu Hause. Deshalb könne er auch nicht sagen, wie die Polizeipräsenz im Stadtteil davor war. „Wir haben mit den Menschen vor Ort – den Ladenbesitzer*innen, den Kund*innen und Passant*innen – gesprochen. Die haben uns erzählt, dass das schon Gang und Gebe ist. Von daher kann ich gar nicht sagen, ob das stark zugenommen hat. Die mediale Berichterstattung hat zumindest zugenommen“, berichtet Karl.

Mit dabei: Ordnungsamt, Ausländeramt, Zoll

Es scheint kein klares Ziel beim Vorgehen der Polizei zu geben – sondern mehrere. „Jede*r, der sich in dem Moment dort aufhält, ist dann erstmal verdächtig, irgendwelche Straftaten begangen zu haben. Die suchen quasi nach allem auf einmal. Sie kommen zum Teil mit Ordnungsamt, mit Ausländeramt und dem Zoll, um möglichst alles abzudecken und irgendwelche Vergehen zu finden“, schildert Karl. Unversteuerter Shisha-Tabak werde oft bei den Razzien gefunden, aber auch Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigungen, die dann abgeschoben werden könnten. „Es werden auf der Straße auch viele Leute kontrolliert, die nicht deutsch aussehen. Uns wurde erzählt, dass manche drei oder vier Mal am Tag kontrolliert werden oder auch zur Wache mitgenommen werden beim leisesten Verdacht, dass etwas mit ihren Papieren nicht stimmen könnte“, so der Aktivist.

Auf Nachfrage der akduell hat sich die Polizei Essen bis zum Redaktionsschluss nicht zu den Racial Profiling-Vorwürfen geäußert oder anderweitig ihr Vorgehen im Nordviertel erklärt oder kommentiert. Die Kampagne AFFE (Aktion für Freiräume Essen) hat mit ihrer Kundgebung gegen rassistische Polizeigewalt, Verdrängung und Abschiebung am 10. August auf das Thema aufmerksam gemacht. Und auch im September wird es weiter im Fokus stehen: Im Zuge der Aktionswoche Träume unter Asphalt (10. - 16.09) werden sich AFFE und das Alibi weiter gegen Polizeigewalt einsetzen.

*Name geändert


 

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