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LOKALES

Protest gegen Dortmunder Thor Steinar-Laden

350 Menschen demonstrierten für eine Schließung des Thor Steinar-Ladens.

[Foto: David Peters]

04.11.2019 16:14 - David Peters

Ende August eröffnete im Dortmunder Brüderweg eine „Thor Steinar“-Filiale. Der Laden in der Innenstadt sorgt für Diskussionen und Protest. 350 Menschen nahmen an einer Demonstration gegen das bei Neonazis beliebte Bekleidungsgeschäft teil.

350 Menschen ziehen am Samstagmittag lautstark durch die Dortmunder Innenstadt und passieren den Wochenmarkt und den Westenhellweg, eine gut besuchte Einkaufsstraße. Die Demonstrant*innen fordern die Schließung des Bekleidungsgeschäfts „Tønsberg“ in der Dortmunder Innenstadt. „Tønsberg“ verkauft nicht nur normale Klamotten, sondern auch rechten Lifestyle, denn es handelt sich um eine Filiale der bei Neonazis beliebten Bekleidungsmarke „Thor Steinar“. Deswegen ist das Tragen der Marke in vielen Fußballstadien und auch in mehreren Landtagen verboten. Die „Autonome Antifa 170“ hatte zur Demonstration aufgerufen. Sie sieht die Filiale als Teil des rechten Raumkampfes: „Das Geschäft in Dortmund hat eine besondere Bedeutung für die westdeutsche Naziszene. Dortmund hat dadurch einen weiteren Anziehungspunkt für die extreme Rechte“, so die Sprecherin der Gruppe Kim Schmidt. Der Dortmunder „Thor Steinar“-Laden ist die einzige westdeutsche Filiale der Marke. Die lokale Neonaziszene warb nach der Eröffnung für den Laden und postierte sich bei einer ersten Kundgebung gegen den Laden vor dem Ladeneingang.

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In Dortmund eröffnete vergangene Woche die einzige westdeutsche Filiale des rechten Modelabels Thor Steinar.
 

Die Demonstration ist nicht der einzige Protest gegen das Bekleidungsgeschäft. Jeden Montag um 18 Uhr protestiert das Bündnis „BlockaDO“ vor dem „Thor Steinar“-Laden im Brüderweg. In der Vergangenheit kam es außerdem zu mehreren Sachbeschädigungen. Mehrfach wurde das Schild, das auf den in einem Innenhof liegenden Shop aufmerksam machen soll, Ziel von Farbattacken. Auch der Laden selbst wurde Ziel eines Angriffs. Am 21. Oktober betraten gegen Mittag zwei Männer das Geschäft und verteilten mit einem Feuerlöscher eine übelriechende, dunkle Flüssigkeit auf den ausgelegten Kleidungsstücken und der Inneneinrichtung. Laut Dortmunder Polizei entstand dabei ein Schaden in fünfstelliger Höhe. Der Laden musste daraufhin für sechs Tage schließen, um den Schaden zu beheben.

OB Sierau kündigt Schließung an

Der Vermieter des Ladens äußerte Anfang September gegenüber der akduell, dass er nicht gewusst habe, um wen es sich bei seinen neuen Mietern handelte: „Es tut mir schlichtweg leid. Ich habe nicht gewusst, um was für eine Marke es sich da handelt.“ Der Mietvertrag gilt für fünf Jahre. Der Vermieter würde den Laden aber gerne früher loswerden, mehrere seiner Mieter*innen sollen wegen der Neonazis schon gekündigt haben. Unterstützung könnte er dabei von der Stadt erhalten.

Laut dem Portal Nordstadtblogger kündigte der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) eine Schließung des „Thor Steinar“-Ladens „noch vor dem 9. November an“. Die Stadt Dortmund wollte diese Äußerung am Montagmorgen nicht kommentieren. Möglich wäre, dass bauordnungsrechtliche Schritte geprüft werden. In Hamm war dieses Vorgehen zuletzt erfolgreich. Hier schloss die Stadt einen bekannten Neonazi-Treffpunkt im Kentroper Weg, den die Rechten regelmäßig für Schulungsveranstaltungen und Konzerte genutzt hatten (akduell berichtete). Kim Schmidt von der Autonomen Antifa 170 sagt zu den Plänen Sieraus: „Dass die Stadt gegen den Laden aktiv werden möchte, ist natürlich zu begrüßen. Wir befürchten aber, dass die Ladenschließung nicht durchzuführen ist und die Ankündigung ein leerer Versuch der städtischen Imageaufbesserung bleibt.”

Update 5.11.2019: Nach Informationen des WDR wird der „Thor Steinar”-Laden am 11. November geschlossen. Das Geschäfte hätte für den Verkauf von Bekleidung nicht die passende Genehmigung gehabt.

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