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„Problemimmobilien“: Demonstration gegen Zwangsräumung

Die Demonstration kam auch an den geräumten Häusern vorbei.[Fotos: David Peters]
15.03.2021 18:39 - David Peters

Die Duisburger „Taskforce Problemimmobilien“ ließ am 4. März drei Häuser in der Gravelottestraße in Duisburg räumen. Als Grund gab sie Brandschutzmängel an. Mieter:innen fühlen sich im Stich gelassen und ungerecht behandelt. Kritiker:innen sprechen von „rassistischen Zwangsräumungen“ und demonstrierten in Hochfeld.

Rund 60 Personen stehen am verregneten Sonntagnachmittag auf dem Platz vor der Pauluskirche in Duisburg-Hochfeld. Auf ihren Bannern steht „Gravelottestraße – Gemeinsam gegen Rassismus, Zwangsräumung und Ausbeutung“ und „Keine Profite mit der Miete“. Sie wollen ihre Solidarität mit den Bewohner:innen dreier Häuser in der Gravelottestraße zum Ausdruck bringen und deren Protest unterstützen. Man wolle für und mit den Betroffenen kämpfen, betont ein Redner.

Die drei Häuser in der Gravelottestraße wurden überraschend am 4. März geräumt. Äußerlich machen die Häuser einen unscheinbaren Eindruck und strahlten das übliche Duisburger Flair aus: nicht hübsch, aber auch nicht verfallen. Gegen 11 Uhr war die Duisburger „Taskforce Problemimmobilien“ nach Hochfeld gekommen und hatte die Immobilien nach einer kurzen Prüfung für unbewohnbar erklärt. Daraufhin wurden den 66 Bewohner:innen eröffnet, dass sie ihre Wohnungen bis 15 Uhr verlassen müssten.

Als Problem- oder Schrottimmobilien werden in der Regel heruntergekommene und stark baufällige Häuser bezeichnet, in denen die Menschen unter nicht zumutbaren Bedingungen leben müssen. Die Taskforce soll eigentlich vor diesen unwürdigen Unterbringungen schützen. Bilder der Wohnungen in der Gravelottestraße, die akduell vorliegen, zeigen aber ein anderes Bild. Darauf sind modern und liebevoll eingerichtete Wohnungen zu sehen und nicht etwa schimmlige Wände oder Matratzenlager auf den Böden. Ausschlaggebend für die Räumung sind laut Stadt vor allem Brandschutzmängel, wie das hölzerne Treppenhaus, gewesen. Solche Treppenhäuser seien in älteren Immobilien Standard, sagen Kritiker:innen der Räumung.

Kritiker:innen halten Brandschutzmängel für vorgeschoben

Auch die Organisator:innen der Demonstration halten die Brandschutzmängel nur für einen vorgeschobenen Grund. „Bei den Zwangsräumungen handelt es sich um eine rassistische Politik der Stadt Duisburg“, meint ein Redner. Damit wolle die Politik entsprechende Stadtteile „aufwerten“ und unliebsame, meist migrantische Menschen verdrängen.

Für sie sei die Räumung ein Schock gewesen, berichtet eine Mieterin bei einem Zwischenstopp der Demonstration vor ihrer ehemaligen Wohnung. Die Räumung sei ohne Vorlaufzeit erfolgt, sie hätten lediglich Zeit gehabt, einige Kleidungsstücke einzupacken. Damit ist sie nicht alleine: Mehrere Betroffene äußerten ihren Unmut über die kurzfristige Räumung. Sie hätten sich mehr Zeit gewünscht, um sich auf die Situation einzustellen und vielleicht sogar eine neue Wohnung zu finden.
 

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Rund 60 Menschen nahmen an der Demo durch Hochfeld teil.


„Eine Wohnung zu finden, ist aktuell sehr schwer“, berichtet eine Mieterin. „Wir haben Kinder. Wir leben hier, wir arbeiten hier, wir zahlen hier Steuern.“ Sie fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen, denn Alternativen, abseits einer Notunterkunft, wurden ihr und den anderen Mieter:innen nicht angeboten. Die meisten von ihnen konnten vorläufig bei Verwandten und Freund:innen unterkommen.

Nach dem Zwischenhalt an der Gravelottestraße zog die Demonstration zum Büro der SPD, die mit Sören Link den Duisburger Oberbürgermeister stellt. Hier hinterließen sie Plakate mit der Aufschrift „Zwangsräumungen stoppen!“ Laut der WAZ gab die Stadt Duisburg an, dass die Häuser in der Gravelottestraße wieder bezogen werden könnten, sobald die Brandschutzmängel beseitigt seien. Für die Mieter:innen, die ihre Miete für den März schon bezahlt haben, ein schwacher Trost. Denn ob die Mängel behoben werden, liegt in der Verantwortung der Eigentümerin. Stadt und Eigentümerin würden sich auf dem Rücken der Bewohner:innen gegenseitig die Verantwortung zuschieben, bemängeln die Organisator:innen der Demonstration.

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