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LOKALES

Poetry-Slam zur Bundestagswahl

Der DGB Bochum lud zu einer Wahlkampfveranstaltung der besonderen Art ein.

[Bild: DGB Bochum]

31.08.2021 08:43 - Selome Abdulaziz

Die Bundestagswahl steht kurz vor der Tür und die Parteien sind im Wahlkampffieber. Doch kennt Ihr die Kandidat:innen für euren Wahlkreis? Letzten Dienstag gab es in Bochum einen Poetry Slam, bei dem die Bochumer Kandidat:innen* sich und ihre Ideen präsentieren konnten.

Der Bochumer Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) organisierte am vergangenen Dienstagabend im Jahrhunderthaus in Bochum eine Wahlkampfveranstaltung der besonderen Art. Etwa 50 Personen durften vor Ort zuschauen, aber auch von zuhause aus konnte man die Veranstaltung über einen Live Stream verfolgen. Moderiert wurde der Poetry Slam von dem Slampoeten und Autoren Sebastian 23. Ursprünglich sollten fünf Kandidat:innen teilnehmen, allerdings musste die Kandidatin der Partei Die Linke, Sevim Dağdelen, kurzfristig absagen.

Die vier Kandidaten, die sich der Herausforderung stellten, waren Axel Schäfer von der SPD, CDU-Politiker Fabian Schütz, Olaf in der Beek für die FDP sowie Max Lucks für Bündnis 90/Die Grünen. Wieso der Kandidat der AfD nicht eingeladen wurde, wird während der Veranstaltung deutlich. Der DGB Bochum ist Mitinitiator der Kampagne „Bundestag nazifrei!“, die sich gegen die AfD richtet. Über den Abend verteilt werden Video-Clips der Kampagne gezeigt. Auch Moderator Sebastian 23 sagt im Interview mit der akduell, dass er die Veranstaltung sonst nicht moderiert hätte, da er nicht mit Extremisten rede.

In 2 ½ Minuten überzeugen

Der Poetry Slam findet als ein Turnier mit vier Runden statt. Jede Runde ist einem anderen Themenfeld gewidmet. Die Kandidaten haben jeweils 2 ½ Minuten Zeit, das Publikum von ihrem Text zu überzeugen. Durch „Weiter“-Rufe können die Zuschauenden vor Ort die Redezeit um 30 Sekunden verlängern. Abstimmen kann aber nur das Publikum zuhause. So wird nach jeder Runde ein Sieger ermittelt.

In der ersten Runde ist das Themenfeld Klimawandel und Verkehrswende dran. Grünen-Kandidat Max Lucks beginnt. In seinem Text geht es um Alltagssituationen wie Frust im Straßenverkehr als Radfahrer:in, sprachlich gestaltet mit Reimen. Als Nächstes ist Olaf in der Beek von der FDP an der Reihe. Sein Auftritt ist eher eine Wahlkampfrede als ein Slamtext. Er bezeichnet eine nachhaltig gestaltete soziale Marktwirtschaft als effektivsten Weg, das Klima zu schützen.

CDU-Kandidat Fabian Schütz erzählt die Geschichte des fiktiven Stahlwerkarbeiters Werner, der auf dem Weg zum klimaneutralen Industrieland nicht vergessen werden darf. Der Auftritt Axel Schäfers von der SPD entspricht von der Ausdrucksweise und dem Schreibstil am ehesten einem Slamtext. Sein Gedicht über Klimakatastrophen und erneuerbare Energie überzeugt die Zuschauenden zuhause, er gewinnt die erste Runde.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

In der zweiten Runde geht es um die Frage, wie eine soziale Bildungspolitik der Zukunft aussieht. Inhaltlich gibt es hier viele Übereinstimmungen bei den Kandidaten, sie wollen den Bildungssektor stärken und Digitalisierung wird als Ziel hervorgehoben. Das Publikum wählt Max Lucks als Gewinner, der mit einer Anekdote aus seiner Grundschulzeit auf marode Schulgebäude aufmerksam macht.

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Die Frage nach „guter Arbeit“ wird in der dritten Runde sehr unterschiedlich beantwortet. Fabian Schütz legt in seiner trockenen, aber bestimmten Art dar, dass gute Arbeit für ihn gut bezahlte, zukunftssichere Arbeit sei. Axel Schäfers poetischer Text spricht sich für das Organisieren in Gewerkschaften aus. Max Lucks sagt in seiner energiegeladenen Rede dem „Monster der Befristungen“ den Kampf an. Olaf in der Beek beweist Selbstkritik und Humor: „Der Mindestlohn und Liberale. Wie ein Fisch auf dem Fahrrad - oder auch nicht? Auch Liberale sind lernbereit.“ Am Ende dieser Runde gibt es einen Gleichstand zwischen drei Kandidaten: Axel Schäfer, Olaf in der Beek und Max Lucks, die somit alle einen Punkt erhalten.

In der letzten Runde soll es eigentlich um das Thema Sicherung der Altersvorsorge gehen. Doch die Kandidaten lassen es sich nicht nehmen, in ihren Texten auch mal gegen die anderen Parteien auszuteilen. Axel Schäfer beendet seinen Auftritt mit den Worten: „Das Schönste ist für die Union - in Zukunft Opposition“. Auch Max Lucks schießt in seiner Rede gegen die Union. Olaf in der Beek kritisiert bei seinen Vorrednern das Fehlen an Konzepten für faire Renten. Fabian Schütz kritisiert an den anderen Kandidaten, woher das Geld für ihre Vorschläge kommen soll. Die letzte Runde kann Max Lucks für sich gewinnen und ist somit Gesamtsieger des Abends.

Politik und Poesie

Wie passen Politik und Poetry Slam eigentlich zusammen? Das wollten wir von Moderator Sebastian 23 wissen und haben ihn gefragt, ob das Format Poetry Slam politisch sei: „Natürlich ist Poetry Slam bereits als Idee hochgradig politisch. Hier kann jede:r auf die Bühne und seine Ideen und Gedanken präsentieren. Klingt in Deutschland für viele vielleicht banal, aber in anderen Ländern sind Meinungs- und Kunstfreiheit nicht selbstverständlich.

Was die Inhalte angeht, ist natürlich nicht jeder Text beim Slam politisch. Aber eine erfreulich große Anzahl von Texten sind es dann eben doch.“ Wenn ihr euch persönlich davon überzeugen wollt, wieviel Poetry in den Beiträgen der Kandidaten steckt, könnt ihr euch die Aufzeichnung noch bis zum 7. September ansehen.

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