Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Neues aus dem „47“

Das „47“ auf der Münzstraße 47 in der Duisburger Innenstadt [Foto: Jan Immanuel Tügel]

21.06.2019 14:54 - Lena Janßen

Am vergangen Sonntag zeigte das Ladenlokal „47“ unter dem Motto „safe your local freiraum“ einen eigens produzierten Dokumentarfilm, in dem die Entstehung und die Entwicklung des interkulturellen Freiraums beleuchtet wurden. Wie sich das Projekt seit der Eröffnung im Dezember 2018 entwickelt hat und was in der Zukunft passieren soll, haben wir uns einmal genauer angeschaut.

„Wir leben in einer Stadt, die nicht verstehen will, dass urbane soziale Probleme die Demokratie gefährden. Wir leben in einer Stadt, die die Möglichkeiten vorhandener Ressourcen verkennt.“ So lauten die ersten Sätze des Dokumentarfilms über das Ladenprojekt „47“. Zu sehen sind verschiedene Orte in Duisburg: Die alte Feuerwache, der Rheinpark oder die Pauluskirche in Hochfeld. Mal aus der Luft, mal als Nahaufnahme. Gespannt schauen die rund 50 Besucher*innen der Veranstaltung „safe your local freiraum“, die trotz des guten Wetters gekommen sind, auf die Leinwand. Das Ladenlokal auf der Münzstraße in der Duisburger Innenstadt ist abgedunkelt, Stuhlreihen bilden sich bis zum Ende des Raumes.

In der Vergangenheit taten sich immer wieder Menschen zusammen, um zum Beispiel Demonstrationen, Partys und Hausbesetzungen zu organisieren und so entstand die Idee zusammen einen interkulturellen Freiraum zu schaffen. „Irgendwie braucht man hier doch mal ein paar Räume, die frei sind von Konsumzwängen und die irgendwie ein bisschen alternative Kultur zulassen oder ermöglichen“, erklärt Christian, einer der Mitbegründer des Projektes, in der Dokumentation. Die Idee hinter dem Konzept ist einen Raum für interkulturelle Begegnung und ein offenes Miteinander zu schaffen, in dem vor allem auch für geflüchtete Menschen ein Platz für Entfaltung geschaffen werden sollte. Dies geschah dann unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem Refugee Support an der Uni Duisburg-Essen. Im Dezember 2018 konnte der Freiraum dann endlich seine Türen öffnen.

Seitdem ist im „47“ Einiges passiert und das Projekt findet Resonanz: Wöchentlich finden reihenweise verschiedenste Veranstaltungen statt. Von Jam Sessions und Elterncafe, über Vorträge und Podiumsdiskussionen politischer Richtung (zum Beispiel das Fridays for Future Plenum), bis hin zu Spieleabenden und Partys. Einmal in der Woche findet ein offenes Plenum statt, an dem jede*r herzlich willkommen ist, die*der sich gerne mit eigenen Ideen in das Projekt einbringen möchte. „Wir laden immer Leute ein ins Plenum zu kommen. Das ist offen, wenn man eine Idee hat und was machen möchte und dann suchen wir zusammen einen Termin aus und dann findet das statt“, erklärt Christian im Film. „Im 47 kann man fast alles machen was Politik und kulturell ist“, ergänzt Rahim. Er selbst ist Geflüchteter und engagiert sich im „47“: „Was wir wollen und was wir brauchen, was die Leute hier brauchen, das ist ein Freiraum. Das bedeutet: mach was du willst, einfach so“.

Raum für Begegnung

Das Ladenlokal soll ein Raum für Austausch zwischen Kulturen sein und die Möglichkeit bieten, etwas miteinander zu schaffen und ein Zeichen zu setzen. Duisburg ist eine Großstadt ohne ein eigenes soziokulturelles Zentrum. Das zu ändern ist den Gründer*innen ein großes Anliegen, an dem sie auch in den letzten Monaten umfangreich gearbeitet haben.

„Wir haben alle gesagt, dass wir diesen Laden eigentlich gar nicht aufgeben wollen.“

„Wir kämpfen weiter für soziokulturelle Freiräume. Wir gehen hier nicht weg, bis unsere Träume den Asphalt brechen“, lauten die letzten Worte der Dokumentation. Als der Abspann des Filmes läuft, jubeln und klatschen die Besucher*innen der Veranstaltung im „47“ und Jan tritt vor die Leinwand. Auch er ist Mitbegründer des Kollektivs und sichtlich gerührt. Stolz verkündet er, dass das „47“ noch bis zum Dezember auf der Münzstraße bleiben wird, statt wie geplant nur bis Ende Juni: „Wir haben alle gemeinsam im Plenum gesagt, dass wir diesen Laden eigentlich gar nicht aufgeben wollen und deswegen haben wir mit dem Vermieter noch einmal gesprochen und er hat uns zugesagt, dass wir bis Ende Dezember hier bleiben können“.

Dieses Vorhaben findet großen Anklang im Raum, denn mittlerweile hat sich der Freiraum in der Duisburger Innenstadt etabliert. Aus diesem Grund hat Jan noch eine Bitte an seine Zuhörer*innen, denn an die Filmvorführung ist auch noch eine Spendenaktion für den Erhalt des „47“ gekoppelt. „Ich bitte euch den Link so oft wie möglich zu teilen. Ich hoffe wir bekommen die Summe zusammen, auch damit wir die Miete weiterhin zahlen können“, appelliert er an die Besucher*innen im Raum. Einige Menschen vor Ort möchten sofort spenden, man spürt deutlich die Bereitschaft das Ladenprojekt erhalten zu wollen. Und auch Jan ist positiv gestimmt, dass genug Gelder zusammenkommen: „Ja, wir sehen dem optimistisch entgegen, aber wir lassen das einmal auf uns zukommen.“

Wenn ihr auch für das Ladenlokal „47“ spenden möchtet, dann könnt ihr das hier tun.

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