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Wie grün ist die Deutsche Bahn wirklich?

Nico Rosberg ziert einige Werbeplakate der DB-Umweltkampagne.

[Foto: Jacqueline Brinkwirth]

12.10.2019 13:49 - Jacqueline Brinkwirth

Mit ihrer neuen Kampagne „Das ist grün“ stellt die Deutsche Bahn alle Zeichen auf Umweltschutz. Geplant sind umfangreiche Maßnahmen, um nachhaltigen und ökologischen Nah- und Fernverkehr anzubieten. Doch wie grün sind die Ziele wirklich?

„Grün ist mehr als eine Haltung. Es ist die Zukunft.“ – so stellt die Deutsche Bahn ihr umfassendes Umweltprogramm auf der dazugehörigen Internetseite vor. Ein erklärtes Ziel ist, bis 2050 CO2-frei zu werden.

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Im Fernverkehr werden deswegen nach eigenen Angaben bereits 100 Prozent Ökostrom genutzt. Im Nah- und Güterverkehr ist das Eisenbahnunternehmen allerdings noch davon entfernt, dieses Versprechen zu erfüllen – was für Nutzer*innen des Streckennetzes die Frage aufwirft, wie nachhaltig und „öko“ die Bahn tatsächlich fährt.

„Die Bahn ist Deutschlands größter Ökostromverbraucher, der Anteil der „Erneuerbaren“ am Energie-Mix liegt bereits bei 57 Prozent (2018) beziehungsweise voraussichtlich 60 Prozent zum Ende 2019. Das ist bereits heute deutlich über dem Anteil des Ökostroms im deutschen Stromverbrauch gesamt“, erklärt Michael Baufeld, zuständig für die Kommunikation Infrastruktur bei der Bahn. Zum Vergleich: Dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge lag der durchschnittliche Anteil von Ökostrom im deutschen Stromverbrauch bei nur 38 Prozent.

„Viele Bahnhöfe mit Ökostrom“

So weit, so grün. Allerdings ist auch der Betrieb von über 5000 Personenbahnhöfen in Deutschland energieaufwändig. Hier möchte die Bahn ansetzen und proklamiert bei „vielen Bahnhöfen in Deutschland“ ebenfalls die Umstellung auf Ökostrom. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass nur die 15 größten Bahnhöfe, darunter Berlin, Hamburg und Köln, auf Ökostrom umgestellt werden sollen.

„Bei den 5.400 anderen Bahnhöfen setzen wir auf Energieeinsparung. Allein zwischen 2010 und 2018 wurde der Energieverbrauch mit verschiedenen Maßnahmen um 20,5 Prozent gesenkt“, erläutert Baufeld.

Auch bei Neu- oder Umbauten werden Umweltmaßnahmen umgesetzt, heißt es weiter. Fossile Energien sind demnach immer noch ein maßgeblicher Versorger des Bahnverkehrs. Allerdings wäre eine radikale Umstellung auch kaum möglich, da ein flächendeckender Zugverkehr dadurch nicht mehr gewährleistet wäre. Züge müssen auch dann fahren, wenn in Deutschland nicht genug Wind- oder Wasserenergie zur Verfügung steht. In diesen Fällen greife die Bahn dann auf konventionelle Energien zurück. Dem fossilen Strom den Stecker ziehen – für die Bahn ein wirtschaftlicher Totalausfall.

Insektenschutz als Maßnahme

Der Schutz von Insekten ist ebenfalls im Maßnahmenpaket verankert. „Die Deutsche Bahn macht sich seit Jahren für die Umwelt stark und engagiert sich auch für die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Betriebsflächen. Auf diversen DB-Flächen in Berlin, Potsdam, Nürnberg oder in Duisburg entstehen neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Tiere“, berichtet Baufeld. Doch was bedeutet das?

Die Bahn ergänzt Freiflächen mit Blühflächen, bepflanzt Schallschutzwände und stellt Insektenhotels auf. So will sie dafür sorgen, dass Flora und Fauna durch den Bahnverkehr nicht gefährdet, sondern gefördert werden. Dafür soll auch die Bepflanzung von Bahnhofsdächern oder die kostenlose Nutzung von Grünflächen der Bahn durch Imker sorgen: „Seit 2016 haben bereits über 50 Millionen Bienen ein neues Zuhause auf Bahn-Arealen gefunden.“ Deswegen bleibe der Naturschutz auch weiterhin Bestandteil der Umweltkampagne.

Digitalisierung für Umweltschutz

Und in Zukunft? Da sollen mehr Stellwerke und Bahnhöfe digitaler werden – ohne jedoch höhere Emissionen zu verursachen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Modernisierung des Bahnverkehrs, um ihn für Kund*innen als Alternative zu Auto und Flugzeug attraktiver zu machen.

Die Deutsche Bahn ist laut eigener Angaben einer der größten Energieverbraucher in Deutschland.

„Ein leistungsfähigerer Bahnsektor bedeutet mehr Personen und mehr Güter auf der Schiene, weniger Verkehr auf der Straße, weniger Staus, weniger Feinstaub und einen deutlich verringerten CO2-Ausstoß. Der Kapazitätszuwachs auf dem Schienennetz schafft eine Voraussetzung zur Verlagerung von Verkehr auf die Schiene. Dies ist ein direkter Beitrag zur CO2-Einsparung“, führt Baufeld aus.

Die Deutsche Bahn ist laut eigener Angaben einer der größten Energieverbraucher in Deutschland, zeigt sich jedoch ambitioniert, diesen Verbrauch effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Umweltbewussten Nutzer*innen der Bahn dürfte dabei allerdings eines sauer aufstoßen: Auf den Plakaten für die Kampagne grinst auch der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg in die Kamera. Von 2006 bis 2016 ging er erst für Williams, dann für Mercedes an den Start. Inwiefern ein Ex-Rennsportler den guten Ansatz hinter dem Umweltprogramm repräsentieren kann, ist fragwürdig. In der Formel 1 werden saisonweise bei 21 Rennen auf fünf Kontinenten pro Rennen und Auto zwischen 80 und 100 Litern Benzin verbraucht. Dazu zählen nicht die Emissionen, die der Transport der Autos sowie die Anreise von Teams und Hundertausenden Fans verursachen. Fernsehkoch Nelson Müller, der bereits Werbegesicht anderer DB-Kampagnen war, wäre hier vielleicht eine passendere Wahl gewesen.

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