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Bogestra startet „Netz 2020“

Ab 15. Dezember gibt es bei der Bogestra
umfassende Fahrplanänderungen.
[Foto: Jacqueline Brinkwirth]

11.12.2019 12:54 - Jacqueline Brinkwirth

Am 15. Dezember bringt die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) das „Netz 2020“ an den Start. Kürzere Taktungen für Bus und Bahn, bessere Anschlüsse und mehr Direktverbindungen zum S-Bahn- und Regionalverkehr sollen Bochum und Gelsenkirchen künftig noch besser vernetzen. Das müsst ihr jetzt wissen.

„Wir bringen dich hin!“ – so lautet das Motto für das „Netz 2020“, mit dem die Bogestra am 15. Dezember umfassende Änderungen im Verkehrsbereich in und um Bochum und Gelsenkirchen umsetzt. Die Ziele: die beiden Städte besser im Ruhrgebiet vernetzen, die Orientierung innerhalb des Bogestra-Gebiets verbessern und mit einem effizienteren Angebot mehr Kund*innen von der Autobahn in Busse und Bahnen locken. Vorausgegangen ist der Netzumstellung eine mehrjährige Planungsphase. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski erklärte dazu: „Die Testphase 2018 hat entlang der Linie 302 bereits gezeigt, dass kürzere Takte gut bei den Fahrgästen ankommen. Mit dem Angebot eines 7,5-Minuten-Taktes entlang der Linien 301 und 302 kommen wir dem Wunsch nach einem größeren Fahrtangebot nun dauerhaft nach und hoffen, unter anderem die Kurt-Schumacher-Straße weiter vom Autoverkehr entlasten zu können.“

Mehr Fahrten für besseren Anschluss

Die Kurt-Schumacher-Straße verbindet die Stadtteile Altstadt, Schalke, Schalke-Nord, Beckhausen, Erle und Buer und ist damit die längste Straße im Stadtgebiet.

Die Anbindung an den Ruhrschnellweg A40 sowie klein- und mittelständische Unternehmen, die entlang der „Schalker Meile“ angesiedelt sind, sorgen seit Jahren für ein enorm hohes Verkehrsaufkommen. Seit September 2019 gilt dort aufgrund der Emissionsbelastung ein Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und Euro-5-Diesel. 

Die Entlastung des Straßenverkehrs durch eine Mehrnutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist ein erklärtes Ziel der „Netz 2020“-Umstellungen, dafür müsse der Nahverkehr jedoch konkurrenzfähig werden. „Eine Großstadt wie Gelsenkirchen braucht nicht nur mit Blick auf Umwelt und Klimaschutz einen attraktiven und bezahlbaren öffentlichen Personennahverkehr“, erläuterte Baranowski gegenüber dem Stadtspiegel. Um Pendler*innen künftig verstärkt aus dem Auto zu locken, werden die Abfahrtszeiten der Straßenbahnen auf den S-Bahn- und Regionalverkehr angepasst, um „eine schnelle und gute Verbindung in die umliegenden Städte“ zu gewährleisten. Zudem werden bei einigen Buslinien im Gelsenkirchener Stadtgebiet die Taktungen verdichtet, Strecken ausgeweitet oder Haltestellen zur besseren Orientierung umbenannt. 

Änderungen für Bochum

Auch in Bochum gibt es mit über 50 neue Haltestellen und mehr Direktverbindungen zwischen den Stadtteilzentren umfassende Änderungen.

Rund 1,5 Millionen Kilometer wird die Bogestra im „Netz 2020“ mehr fahren

Wie sein Gelsenkirchener Amtskollege steht auch Bochums OB Thomas Eiskirch hinter „Netz 2020“: „Wir ermöglichen nun einen Nahverkehr, der den Wünschen und Bedürfnissen der Bochumer Bürgerinnen und Bürger entspricht und zu Recht das Rückgrat der innerstädtischen Mobilität bildet.“ Dafür werden zukünftig alle Linien auf einen einheitlichen Takt geplant, ein Farbleitsystem für Straßenbahnen eingerichtet, Busse und Bahnen auf die Abfahrtszeiten des Regionalverkehrs angepasst und ausschließlich Fahrzeuge mit einem „niveaugleichen Einstieg“ eingesetzt. Das Nahverkehrsnetz soll damit nicht nur effizienter, sondern auch für bewegungseingeschränkte Menschen besser zugänglich werden. 

Gleichzeitig wird die neue Straßenbahnlinie 316 eingeführt, die mit Verbindung der Stadtteile Gerthe und Hamme einen Streckenabschnitt der A43 zusätzlich bedienen kann. Die „Entlastungsautobahn“ ist mit über 90.000 Fahrzeugen täglich, laut straßen.nrw, zwischen Recklinghausen und Bochum „besonders stauanfällig“. Ab 2025 soll sie deswegen zeitgleich mit der A40 am Autobahnkreuz Bochum von vier auf sechs Spuren erweitert werden. Sollte die Straßenbahnlinie gut angenommen werden, könnte das kurzfristig weniger Staupotential und langfristig einen weitgehend störungsfreien Verlauf der Bauarbeiten bedeuten.

Rund 1,5 Millionen Kilometer wird die Bogestra im „Netz 2020“ voraussichtlich mehr fahren – mit knapp 4 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr. Neben höherem Personalaufwand und steigenden Dieselpreisen verursacht vor allem auch die schrittweise Umrüstung auf Elektrobetrieb höhere Kosten. Dass die Bogestra bereits jetzt auf „Netz 2020“ umstellt, ist durch den Winterfahrplan des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) begründet, der ebenfalls am 15. Dezember 2019 in Kraft tritt.

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