Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Muma 2019: Eine kreative Szene fürs Ruhrgebiet

Das Motto der Muma-Konferenz

[Fotos: Jacqueline Brinkwirth]

27.11.2019 08:12 - Jacqueline Brinkwirth

Bei der Musik und Maschine Konferenz 2019 trafen sich Kunstschaffende, Veranstalter*innen und Interessierte in der Warsteiner Music Hall Dortmund, um über Musik und kreative Arbeit im Ruhrgebiet zu sprechen. Initiator der Konferenz war das Kollektiv Happy Locals um Tresor-Betreiber Dimitri Hegemann. Zusätzlich dazu wurde der Nachtclub Tresor.West feierlich eröffnet. Wir waren beim Eröffnungs-Panel und beim Club-Opening dabei. 

Am 22. und 23. November hatte das Kollektiv Happy Locals zum Diskutieren, Austauschen und Ideen teilen in die Warsteiner Music Hall nach Dortmund-Hörde eingeladen.

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Die Musik und Maschine Konferenz stand ganz im Zeichen der Eröffnung des neuen Clubs Tresor.West. Kein Wunder, denn der Initiator der Happy Locals, Dimitri Hegemann, ist auch Gründer und Betreiber des legendären Tresor-Nachtclubs in Berlin. Zuerst sollte es aber im weitesten Sinne um die Nachtkultur im Ruhrgebiet gehen – von den 90er Jahren bis heute. Dafür waren vier Größen der Musikszene eingeladen, um vor rund 100 Teilnehmenden über die Entwicklung der Musik und der Clubkultur zu sprechen: Ralf Odermann vom Club Planet, Ingo Sänger von 1Live Treibhaus, Ahmet Sisman von The Third Room und Markus Suckut von SCKT.

Nachtkultur damals und heute

Für Ralf Odermann, langjähriger Betreiber des Bochumer Clubs Planet, waren Plattenläden ein Ursprung der Musikkultur im Ruhrgebiet, der sich auch auf die Nachtclubs auswirkte: „Die Plattenläden hatten eine hohe Affinität zu DJ-Musik. Einer der beliebtesten Clubs war damals das Old Daddy in Dortmund. Die haben sich einem angesagten Sound verschrieben und unterschieden sich so von Läden, die es in anderen Städten gab.“ Anfang der 90er wurde jedoch überwiegend Rock, Punk oder Hip Hop in den Clubs gespielt, elektronische Tanzmusik schwappte erst eine Weile nach der ersten Loveparade 1989 auch ins Ruhrgebiet über. Von Anfang an sei jedoch spürbar gewesen, dass Clubs sichere Orte darstellen, meint Ingo Sänger, der das 1Live Magazin Treibhaus moderiert: „Dieses Gefühl hatte ich immer, dass jeder er selbst sein konnte. Das war selbstverständlich.“ Ahmet Sisman, Mitbegründer des Labels The Third Room, erlebte das zu Beginn anders. „Als ich von Istanbul nach Essen gezogen bin, war das zu Beginn schon ein Kulturschock. Ich habe die Szene damals nicht so offen wahrgenommen. Da gab es einen Kodex, eine bestimmte Kleiderordnung. Und da musste ich mich schon erstmal behaupten“, erzählt er.

 

Mittlerweile ist die elektronische Musik in Ruhrgebiet und Umgebung fest verankert, hat aber gerade in der letzten Zeit immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Namhafte Clubs wie das Butan in Wuppertal oder das Studio in Essen haben ihre Tore geschlossen. Die Probleme innerhalb der Szene seien vielschichtig, meint Sisman. „Einige Locations wie beispielsweise die Mischanlage auf der Zeche Zollverein sind kulturgeförderte Orte. Die Städte arbeiten sehr langsam, oder es gibt keine passende Infrastruktur oder Probleme mit Genehmigungen, die keine rentable Bespielung erlauben.“ In Nachtclubs wie auch außerhalb dieser Räume sind die Kosten enorm gestiegen. Weswegen viele Betreiber sich entschließen, dicht zu machen. „Auch die DJ-Gagen sind enorm gestiegen, dazu kommen Versicherungen, Pacht und so weiter“, ergänzt Ralf Odermann. Der Club Planet musste ebenfalls schließen, weil er auf Dauer nicht rentabel war.

Gibt es noch eine Szene?

Immer weniger Clubs, immer mehr Schwierigkeiten für Betreiber, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Gibt es also überhaupt noch eine Szene für elektronische Tanzmusik. „Die Szene im Ruhrgebiet ist nicht mehr vital. Das Ausgehverhalten hat sich durch Social Media ziemlich verändert“, berichtet Sisman. Markus Suckut, DJ und Labelgründer von SCKT, bestätigt: „Die meisten gehen nicht mehr wegen der Musik weg, sondern wegen des Events und weil das auf Social Media geil aussieht.“ Für die Nachtkultur des Ruhrgebiets begann damit das Clubsterben.

Tresor.West.jpg
Der Eingang zum Tresor.West

 

 

Nun versucht Tresor-Betreiber Dimitri Hegemann ausgerechnet in dieser Zeit in Dortmund einen neuen Club nach Berliner Vorbild bekannt zu machen: das Tresor.West. Im Keller der Warsteiner Music Hall gelegen, ist es zwar nicht so zentral, wie man erwarten würde. Das erfolgreiche Opening verspricht allerdings eine gute Chance auf Erfolg. Bereits am ersten Abend war der Club gut besucht. In zwei Hallen mit industriellem Charme konnten Technofans tanzen, trinken und feiern. Ob das in Zukunft auch so bleiben wird, müssen dann die nächsten Veranstaltungen zeigen.

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