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LOKALES

Mitarbeiter der TU Dortmund auf umstrittener Demo

Bei den Demonstrationen wurde auch gegen Medien und Microsoft-Gründer
Bill Gates gewettert. [Symbolbild: David Peters]
16.07.2020 15:46 - David Peters

Verschwörungstheorien, ein Pegida-Redner und mittendrin auch ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Dortmund. Dieser hielt bei einer Demonstration in Dortmund, auf der auch Verschwörungstheorien verbreitet werden, eine Rede. Die Antifaschistische Liste fordert nun Konsequenzen.

Wochenlang haben in Dortmund Menschen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, die Politik und die Medien demonstriert (akduell berichtete). Unter ihnen waren auch Verschwörungstheoretiker*innen und Neonazis. Zuletzt wurden die Demonstrationen von der Gruppe „Nicht ohne uns“ organisiert, die eine Gefährlichkeit des Corona-Virus bestreitet und behauptet, dass die deutsche Regierung ihre Bürger*innen mit den Schutzmaßnahmen unterdrücken und ihrer Grundrechte berauben will. Unter den Redner*innen der Dortmunder Demonstrationen fand man neben „besorgten Müttern“ und Autor Thorsten Schulte, der auch schon auf Pegida-Demonstrationen auftrat, auch einen Mitarbeiter der TU Dortmund.

Theo M.* ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Maschinenbau und ist auch an Forschungsprojekten beteiligt. Über die inzwischen gescheiterte Partei Widerstand2020 sei er zu den Demonstrationen gekommen. Er habe sich erst durch die Corona-Krise politisiert, erklärt er im Gespräch mit der akduell: „Ich hab die Entwicklungen als sehr krass wahrgenommen. Und unsere Gesellschaft setzt sich damit nicht auseinander und akzeptiert alles.“ Viele Informationen rund um Corona und die damit verbundenen Einschränkungen habe er über Telegram-Gruppen bezogen. In den Gruppen werden auch sogenannte „Alternative Medien“ verbreitet, die teils rechts(-radikal) sind oder Fake-News und Verschwörungstheorien verbreiten. Den „Systemmedien“, wie er sie nennt, vertraut er nicht mehr: Dort gebe es zu viele Lücken in der Berichterstattung. Das spricht M. auch in seiner Rede auf der Demonstration am 27. Juni an: „Was wir erleben durften, war eine große Einheitsmeinungsmache, in der kein Widerspruch erlaubt war, und ein System der Nachrichten, wie man es nur aus Unrechtsregimen der Vergangenheit kannte.“ Dabei bleibt unbeachtet, dass in vielen Talkshows Expert*innen und Politiker*innen mit unterschiedlichsten Meinungen zu Wort gekommen sind.

Alternative Fakten im Namen der Wissenschaft?

Auch die Wissenschaft, der Bereich in dem M. selbst tätig ist, kommt nicht gut weg: Er behauptet, dass aus Profitgier sieben Milliarden Menschen weltweit geimpft werden sollen, und vermutet hinter Corona ein Mittel zum Zweck: „Um dies zu ermöglichen, ist die wahrscheinlich größte PR-Aktion der Welt, so möchte ich sie nennen, gekommen. Und das denke ich ist der Grund der großen Coronapanikmache.“ Diese Aussagen belegt M. in seiner Rede nicht.

Die Antifaschistische Liste der TU beobachtete den Auftritt des wissenschaftlichen Mitarbeiters mit großer Sorge: „Unter Bezugnahme auf seine Tätigkeit in technischen Bereichen der TU Dortmund verbreitet M. Verschwörungsmythen und nutzte seine Tätigkeit in der Wissenschaft, um seinen sogenannten Argumenten Autorität zu verleihen.“

M. besteht allerdings darauf, dass seine „persönliche Meinung nicht mit der Tätigkeit an der TU Dortmund vermischt“ werden solle. Für die hochschulpolitische Liste ist dies aber schwierig: „Kritisch und überaus bedenklich wird es, wenn jemand den Namen der Wissenschaft und der TU Dortmund missbraucht, um sich argumentativ, ohne Fakten, zu profilieren. Da er sich explizit zur TU bekannte, gehen diese Äußerungen weit über das Private hinaus.“ Die Liste fordert deshalb Konsequenzen: Die Technische Universität Dortmund und die Fakultät Maschinenbau sollten klar Position zu beziehen und sich von dem Auftritt des Mitarbeiters zu distanzieren.

Eine Anfrage der akduell ließ die TU Dortmund unbeantwortet.
 
*Name von der Redaktion geändert

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