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LOKALES

#LeaveNoOneBehind: Duisburger Seebrücke hinterlässt Spuren

Im Innenhafen führen Fußabdrücke zu den Transparenten der "Seebrücke".

[Fotos:Dennis Pesch]

06.04.2020 12:45 - Dennis Pesch

Unter dem Motto „Hinterlasst Spuren – #LeaveNoOneBehind“ haben am 5. April 2020 bundesweit Menschen für eine Evakuierung der griechischen Flüchtlingslager protestiert, in denen rund 40.000 Geflüchtete ausharren. Die Aktion wurde von der Organisation „Seebrücke“ initiiert. Duisburger Aktivist*innen hinterließen an der Regattabahn, dem Innenhafen und am „Stapeltor“, dem Soziokulturellen Zentrum Fußabdrücke, Plakate und Transparente.

Auf einer Fußgängerbrücke an der Duisburger Regattabahn kniet Christian Saris. Mit Kreide zeichnet er seine Fußabdrücke nach: „Jeder der hier war, soll seine Fußabdrücke auf den Boden malen, um zu zeigen, wie viele Leute hinter unserer Aktion stehen“, sagt er. Saris ist Sprecher der Duisburger „Seebrücke“. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass die Stadt Duisburg Geflüchtete aus den Lagern auf der griechischen Insel Lesbos aufnimmt. 138 Kommunen hatten sich in den vergangenen zwei Jahren bereits dazu bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen.

Eine zusätzliche Gefahr

„Sichere Häfen“ heißt das Konzept der Seebrücke. In den Kommunen wurden jeweils durch die lokale Zivilgesellschaft Aktionen organisiert, die die Forderung in den Stadträten durchsetzen sollen. Duisburg gehört bis heute nicht zu den „sicheren Häfen“ für Geflüchtete. Ein Ratsantrag von Linken und Grünen wurde Anfang Oktober 2018 im Stadtrat abgelehnt. Das kritisiert Saris. Noch im Dezember 2019 übergab die „Seebrücke“ dem Oberbürgermeister Sören Link (SPD) 2.000 Unterschriften, um Druck auf die Verwaltung und die Stadtratsfraktionen im Rathaus zu machen.

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Saris und ein Kollege gehen die Fußgängerbrücke auf und ab, hängen Transparente und Plakate auf. „Das nächste Mal machen wir das Transpi größer“, ruft Saris seinem Kollegen mit dem derzeit so wichtigen Abstand von zwei Metern zu. Wegen des Kontaktverbots in der Corona-Krise bleiben viele Menschen zwar zu Hause, aber bei 20 Grad ist an der Regattabahn verhältnismäßig viel los. Ein älterer Mann geht über die Brücke, bleibt stehen und schaut: „Duisburg zum sicheren Hafen erklären“, ist auf einem der Plakate zu lesen. Auf dem Transparent, dass an der Brücke hängt, steht: „Evakuierung griechischer Lager, jetzt!“.

Als sie alles angebracht haben, steht Saris zum Interview bereit. Zwei Frauen gehen hinter ihm vorbei: „Wenn hier noch mehr Flüchtlinge hinkommen, ist bald gar nichts mehr von uns übrig. Das ist ja jetzt schon so“, ruft eine der Frauen. Saris dreht sich kurz und brummt genervt vor sich hin: „Ja, Tschüss.“ Er sieht das offensichtlich anders. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Lage in den griechischen Flüchtlingslagern katastrophal ist und dass sich das durch die Corona-Pandemie zusätzlich verstärkt“, sagt er.

Der Tod lauert im Lager

Versammlungen sind derzeit zwar verboten, aber das hält Saris und andere Aktivist*innen der „Seebrücke“ nicht von Aktionen im öffentlichen Raum ab: „Das Problem ist, dass wir die Kontaktsperren haben. Wir wissen alle, dass wir möglichst zu Hause bleiben sollen, aber hier an der Regattabahn und im Innenhafen von Duisburg werden viele Leute spazieren gehen“, begründet er die Ortsauswahl. Deshalb haben sie sich dazu entschieden den Protest während der Corona-Krise individuell zu gestalten.

Die Seebrücke ruft bundesweit dazu auf, im Rahmen der Kontaktsperren zu protestieren, mit ausreichend Abstand auf der Straße, von zu Hause in den sozialen Medien oder mit Transparenten, die aus dem Fenster hängen. Das Ziel? „Wir wollen Druck machen, damit die Lager evakuiert werden und die Leute medizinische Unterstützung bekommen“, sagt Saris. Vor allem von der Bundes- und Landesregierung erwartet er, dass sie dem Druck der Kommunen nachkommen. „Diese Leute werden krepieren, wenn da nichts passiert“, befürchtet er.

Am Innenhafen, in der Innenstadt, im Duisburger Rheinpark und am „Stapeltor“, dem Soziokulturellen Zentrum in Duisburg waren ebenfalls Aktivist*innen unterwegs. „Moria evakuieren“, heißt auf einem Spruchband am „Stapeltor“ umrandet mit dem typischen Orange der Kampagne, dass an die Westen erinnert, die in der Seenotrettung eingesetzt werden. Von Zwischenfällen mit den Behörden ist in Duisburg nichts bekannt. In Köln sollen Transparente vom Ordnungsamt entfernt worden seien. In Essen waren Aktivist*innen von „Aufstehen gegen Rassismus“ aktiv und haben etwa an Brücken Transparente gehisst.
 

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