Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Hochmut kommt in Duisburg oft vor dem Fall

14.05.2018 12:06 - Philipp Frohn

In Duisburg versucht man seit jeher krampfhaft, das Schmuddelimage loszuwerden und sich nach außen als glamouröse Großstadt zu inszenieren. Unbedingt musste die Loveparade in die Stadt geholt werden. Unbedingt musste die Innenstadt mit gleich drei Konsumtempeln bereichert werden. Unbedingt musste man ein Designer Outlet Center planen, was beide Male scheiterte – einmal weil es zu nah an einem Kraftwerk hätte gebaut werden sollen, einmal weil die Bürger*innen sich dagegen wehrten und sich wohl auch die nächsten Jahre mit einer tristen Brachfläche als Symbol des ewigen Stillstandes herumplagen dürfen.

Auch am Innenhafen, der großangelegten Flaniermeile direkt am Wasser, zeichnet sich der städtische Hochmut ab. Schon seit über zehn Jahren fristet dort eine gigantische, eingezäunte Stufenpromenade ein klägliches Dasein. Doch war dort Großes geplant: Sie ist Teil des Projekts ‚The Curve‘, das einst noch den Namen Eurogate trug. Das letzte freie Grundstück am Innenhafen soll Platz für Büros, Gastronomie, Wohnungen und für das gefühlt 100. Hotel in der Stadt bieten. Nach Jahren des Vor-sich-hin-vegetierens haben die Bauarbeiten kürzlich begonnen, damit die 100 Millionen Euro teure Immobilie in eineinhalb Jahren eröffnet werden kann. Doch dass immer etwas schiefläuft, scheint ein Duisburger Naturgesetz zu sein. Nicht nur, dass die Instandhaltung der Stufenpromenade mit etwa einer halben Millionen Euro zu Buche schlägt. Nachdem das Grundstück damals für 4,5 Millionen Euro an einen privaten Investor verscherbelt wurde, muss die Stadt derweil noch mehr in die Tasche greifen, um das Grundstück baureif zu machen. 3,5 Millionen sind dafür veranschlagt, die aber wohl nicht reichen werden. Denn der Untergrund ist so weich, dass ein Gebäude von der Dimension wie ‚The Curve‘ zusammenbrechen würde, berichtet die Rheinische Post. Ob The Curve so viele Besucher*innen in die Stadt zieht, dass sich der erst mal nicht sehr rentable Verkauf des letzten Filetstücks am Innenhafen doch auszahlt, bleibt abzuwarten. Vorerst versuchen Stadt und Investor den Planungsfehler im Nachhinein zu lösen. Es bleibt die Frage im Raum, welche begnadete Gestalt die Statik des Vorhabens bislang als umsetzbar einstufte.

Doch auch wenn ‚The Curve‘ nicht wie viele andere Leuchtturmprojekte in einem Trauerspiel endet: Ein weiterer Riesenbunker mit Flächen für Lohnarbeit und für die anscheinend so zahlreichen Tourist*innen macht Duisburg sicher nicht lebenswerter. Ganz oben auf der städtischen Agenda sollten Projekte stehen, die Lebensqualität zu verbessern. Mehr öffentliche Grünanlagen, ein öffentlicher Personennahverkehr, der kein mobiles Folterwerkzeug darstellt und eine belebte Altstadt, in der sich Bar an Bar reiht. Die Stadt muss vor allem kulturelle Angebote schaffen, um Menschen anzulocken oder zum Bleiben zu bewegen. Andernfalls braucht man sich in Duisburg nicht wundern, wenn zumindest die, die es sich leisten können, nach Düsseldorf ziehen oder von der Großstadt entgeistert ein Leben in der ländlichen Idiotie beginnen.

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