Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Geschlechterrollen dekonstruieren im Transformations-Café

Einfach mal frei Rollen erforschen [Foto: Peter Jacques]

30.03.2020 17:27 - Gastautor*in

Vor zwei Jahren gründete Jacqueline Grunder, Sozialarbeitende sowie angehende Kinder- und Jugendpsychotherapeut*in, das Transformations-Café. Es findet einmal monatlich im Veranstaltungsraum Lokal Harmonie statt. Hier ist ein Ort entstanden, an dem Personen eingeladen werden, aktiv mit Geschlechterrollen zu experimentieren. 

Im Duisburger Stadtteil Ruhrort markiert eine Schneiderpuppe, geschmückt mit einer Regenbogenschärpe, den Eingang zum Lokal Harmonie. In der ehemaligen Eisenwarenhandlung findet an diesem Abend die Veranstaltung „Transformations-Café“ statt. Den Blickfang in der Mitte des unverputzten Altbau-Raumes bildet eine ungeheure Menge Schminke, die auf mehreren zusammengeschobenen Tischen thront. Davor ist eine Sitzecke aufgebaut, dahinter eine kleine Bühne mit einem verlebten Klavier. Rechts stehen mehrere Kleiderständer und ein altmodischer Schminktisch.

Linkerhand schmiegt sich eine dunkel gehaltene Bar in eine Nische, davor sind weitere Tische. Später wird einer von ihnen mit Hilfsmitteln bedeckt sein, die es braucht, um einen möglichst echt aussehenden Bart zu schminken. Auf dem anderen werden Penis-Prothesen, Brustpolster sowie -binder ausgestellt sein. Doch gerade sind sie noch leer. Jacqueline Grundner, die das Café ins Leben rief, sowie einige ehrenamtliche Helfer*innen sind noch mitten im Aufbau. Vom vierköpfigen Team ist an diesem Weiberfastnachts-Donnerstag nur sie hier. „Unsere DragQueen im Team feiert heute Karneval“, lacht Grundner. 

„Es ist ein Prozess, Stil selbstbewusst zu tragen“ 

Die Geschichte des Transformations-Cafés beginnt mit der seiner Gründer*in. „Ich wurde in einer Queer-Bar in Brüssel angesprochen und dazu aufgefordert, mal selbst an einem Drag-King-Workshop teilzunehmen“, erinnert sich Grundner. Anschließend lebte sie ein Jahr lang in der Rolle eines Mannes. Dabei erforschte sie in der Praxis sowie später in ihrer Bachelorarbeit, wie das männliche Geschlecht konstruiert wird. Sie fing an, selbst Drag-King-Workshops zu veranstalten, dann ein offenes Drag-Café, das sich auch an Trans-Personen wandte. Sie habe anschließend versucht, wieder als Sozialarbeitende in psychiatrischen Kontexten zu arbeiten, doch die Beschäftigung mit Geschlechterrollen ließ sie nicht los. „Ich musste mich dem Thema widmen. Es gab aber nichts in der Art. Also musste ich selber etwas machen. Ich habe ein Gründungsstipendium gewonnen und damit das Angebot des Transformations-Cafés etabliert,“ schließt sie.

Anschließend lebte sie ein Jahr lang in der Rolle eines Mannes.

Ruhr-Universität Bochum-Studentin Alice gehört seit August 2018, als die Veranstaltung erstmals stattfand, zum Stammpublikum. Der Ankündigungstext habe sie zunächst skeptisch gemacht. „,Möchtest du dein Geschlecht dekonstruieren‘ klang etwas hochtrabend, wie von Gender Studies-Leuten, die es gut meinen, aber von Lebensrealität wenig Ahnung haben“, erinnert sie sich. Doch das Café überraschte sie positiv. „In der Praxis war das vom ersten Moment an ein total cooler Raum hier.“

Es habe ihr dabei geholfen, das Thema Geschlecht praktisch auszuprobieren. „Es ist ein Prozess, Stil selbstbewusst zu tragen, es zunächst in sicheren Räumen wie hier ausprobieren zu können und es dann mehr und mehr in den Alltag zu integrieren“, erklärt sie. Inzwischen füllt sich das Lokal Harmonie. Personen probieren unterschiedliche Kleidung an und schminken sich gegenseitig, Grundner verhilft einigen Interessierten zu künstlichen Bärten. „Es wird einem hier nicht vorgegeben, was man macht, aber man bekommt immer Tipps und Rat und kann sich austauschen“, schließt Alice.

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