Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

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Gelebte Solidarität in Zeiten von Corona

Auch Dortmunder Ultras bieten eine Einkaufshilfe für Bedürftige an.

[Foto: David Peters]

06.04.2020 12:15 - David Peters

Wegen der Corona-Pandemie sind viele Menschen aktuell auf Hilfe angewiesen – aber es gibt auch viele Menschen, die helfen wollen. Mit vielfältigen Aktionen wollen sie zeigen, dass praktische Solidarität ein wichtiger Bestandteil des Zusammenlebens ist.

Wer sich wegen der Corona-Pandemie in Quarantäne befindet oder in selbstgewählter Quarantäne lebt, weil er oder sie zu einer der Risikogruppen gehört, kann nicht einfach einkaufen gehen. Unter dem Hashtag #coronahilfe bieten viele Menschen unkompliziert und unbürokratisch ihre Hilfe an. Doch es gibt auch organisierte Gruppen, die Hilfsangebote auf die Beine gestellt haben. So auch in Dortmund. Hier bieten beispielsweise die Ultra-Gruppierungen Jubos, Desperados und The Unity an, Botendienste oder Einkäufe zu übernehmen. Ihnen geht es darum, sich solidarisch zu zeigen und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. „Das bedeutet konkret, dass wir den Menschen unter die Arme greifen wollen, welche aktuell zu den besagten Risikogruppen gehören“, schreiben sie auf ihren Plakaten. Auf diesen steht auch eine Telefonnummer, unter der sich Menschen melden können, die Hilfe benötigen.

Auch der Messenger-Dienst Telegram wird zu einer Hilfsplattform. In vielen Städten haben sich hier Gruppen gegründet, um beispielsweise Einkaufshilfen anzubieten, unter anderem in Dortmund. Eine davon nennt sich „Corona Hilfe Nordstadt“. Das Solidaritätsnetzwerk will ein niedrigschwelliges Hilfsangebot für die Menschen im Stadtteil schaffen. Niklas, ist einer der Organisator*innen. Er erklärt, wie es zu der Idee kam: „Es ging darum eine Antwort auf Maßnahmen wie Quarantäne oder Kontaktverbot zu finden. Das war eher eine spontane Idee.“ Ihr Ziel war es hauptsächlich den Kontakt zwischen Hilfesuchenden und Helfenden zu vermitteln. „Wir haben ein Formular verlinkt, wo man eintragen kann, was man an Hilfe anbieten kann oder was man an Hilfe benötigt“, beschreibt Niklas den Ablauf.

Insgesamt hat die Gruppe bereits 20 Hilfsangebote vermitteln können. Die niedrige Zahl liegt vor allem an dem „Hilfsüberschuss“ in der Gruppe, denn es haben bereits mehr als 100 Menschen ihre Hilfe angeboten. Das sind wesentlich mehr Hilfsangebote als es -Gesuche gibt. Auch in Duisburg und Essen gibt es inzwischen solche Telegram-Gruppen. Es finde auch eine Vernetzung zwischen den Städten statt, so Niklas.

„Gabenzäune“ für hilfsbedürftige Menschen

Eine andere Möglichkeit der praktischen Solidarität sind sogenannte „Gabenzäune“. Das sind Zäune oder ganz allgemein Orte, an denen Menschen Lebensmittel, Hygieneprodukte, Kleidung oder auch Tierfutter für obdachlose oder andere hilfsbedürftige Menschen aufhängen. Diese sind in der aktuellen Zeit besonders betroffen, da viele Suppenküchen und Tafeln wegen des Coronavirus bereits schließen mussten. Die Tafeln kämpfen zudem mit einem drastischen Rückgang der Lebensmittelspenden.

Die Initiator*innen hoffen darauf, dass sich der Idee der Gabenzäune noch weitere Menschen anschließen, in dem sie die bestehenden Zäune unterstützen oder an anderer Stelle ebenfalls Gabenzäune einrichten. Wie zum Beispiel in der Dortmunder Mallinckrodtstraße. Hier haben die Initiator*innen zudem Hinweisschilder angebracht. Die Gaben sollen „am Besten in Plastiktüten, die man zuknoten kann“, aufgehängt werden. Außerdem soll man beachten, dass die Tüten mit dem Inhalt beschriftet sind. Bei Lebensmitteln eignen sich besonders Dinge, die nicht leicht verderblich sind. Gabenzäune in Essen befinden sich an der Hollestraße in der Innenstadt und an der Rüttenscheider Fußgängerbrücke, wie die WAZ berichtete. In Duisburg sollen sich die Zäune auf dem Sonnenwall in der Innenstadt und am Rabbiner-Neumark-Weg befinden.

Eine Auflistung mit vielen Hilfsgruppen deutschlandweit findet ihr hier.

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