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LOKALES

Fußball – (k)eine Männersache?

Eindrücke aus der Ausstellung. (Foto: David Peters)

23.10.2018 13:28 - David Peters

Vergangene Woche war fan.tastic females im Bochumer Kunstmuseum zu Gast. Die Ausstellung möchte zeigen, dass Fußball nicht nur „Männersache“ ist:  Frauen also in allen Bereichen, sei es in Ultragruppierungen oder als Frauenfanclub, in diesem Sport eine Rolle spielen. Abgerundet wurde der Abend durch eine Podiumsdiskussion.

„Fußball ist ein Männersport!“ oder „Kennst du überhaupt die Abseitsregel?“. Mit solchen Sprüchen sind Frauen oft konfrontiert, wenn sie sich mit Fußball beschäftigen. Auch in der fan.tastic females-Ausstellung sind sie zu lesen. Hier aber in einem grandiosen Bullshit-Bingo. Die Ausstellung räumt mit solchen Macho-Sprüchen nämlich konsequent auf. Auf den Tafeln werden die unterschiedlichsten Frauen und ihre Geschichten präsentiert, inklusive Videobeiträgen. „Wir haben 12 Fragen an jede Frau gestellt, und die beantworten sie nach ihrem Gusto“, erklärte die Projektkoordinatorin Antje Grabenhorst später. Dementsprechend sollte man für diese Ausstellung genügend Zeit mitbringen. Alternativ gibt es die Möglichkeit gegen Spende ein Ticket zu erwerben, mit dem man sich

Ein besseres Abschneiden der Männermannschaften  bedeutet mehr Geld für die Vereine. Kürzungen wirken sich am ehesten auf die Frauenteams aus. Sie werden dann teils ersatzlos gestrichen.

die Videos auch nach der Ausstellung online anschauen kann.

Schnell wird deutlich, dass die Macher*innen von fan.tastic females sich nicht nur auf Ultras oder deutsche Fans konzentriert haben, sondern auf einen  Querschnitt aller Fans – aus den unterschiedlichsten Ländern, Ligen und Altersstufen. Ob Ultras,

Vereinsvorstände, Allesfahrerin oder die älteste Dauerkartenbesitzerin Englands. Jede mit ihrer eigenen Geschichte und eigenem Hintergrund.  Auch bei den Besucher*innen scheint das gut anzukommen. „Ich kann mich nicht an negative Rückmeldungen erinnern, alle waren durchweg positiv“, so Grabenhorst.

„Es ist normal, dass man über Frauenfußball nichts hört”

In Bochum war aber nicht nur die Ausstellung zu sehen. Direkt im Anschluss folgte auch noch eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Gleiche Höhe ist kein Abseits – Frauen im Fußball“ statt. Das Podium war mit MSV Duisburg-Spielerin Dörthe Hoppius, Miriam Hamid-Beißner vom Fanprojekt Bielefeld, Gender Studies-Professorin Katja Sabisch von der Ruhr-Universität Bochum, sowie Antje Grabenhorst, der Projektkoordinatorin der Ausstellung, besetzt.

Thema war unter anderem die schlechte Repräsentation von Frauenfußball. Hoppius kritisierte hier die Vereine, aber auch Medien: „Es ist relativ normal, dass man über Frauenfußball nichts hört.“ Die Gründe seien vielfältig. Hoppius bemängelt hier beispielsweise die Anstoßzeiten und die Social-Media-Arbeit der Vereine, sie sei aus den USA anderes gewöhnt. Hoppius wechselte nach einem vierjährigen Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten zur aktuellen Saison zum MSV. Auch die Finanzierung der Frauenteams wurde angesprochen. Diese ist nämlich stark abhängig von dem Abschneiden der Männermannschaften. Ein besseres Abschneiden bedeutet mehr Geld für die Vereine und wenn Kürzungen vorgenommen werden müssen, dann wirken diese sich am ehesten auf die Frauenteams aus. Diese werden dann teils ersatzlos gestrichen.

Interessant waren auch die Schilderungen von Miriam Hamid-

Beißner. Sie berichtete über ihre Arbeit beim Bielefelder Fanprojekt: „Anfangs hat niemand mit mir über Fußball gesprochen.“ Es komme auch immer wieder vor, dass sie bei Auswärtstouren nicht als Fanprojektmitarbeiterin wahrgenommen werde, sondern eher als eine Art Alien.

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                                                                              Foto: David Peters

Wir haben Antje Grabenhorst, der Projektkoordinatorin der Ausstellung, im Anschluss an die Podiumsdiskussion noch zu Frauen in Fanszenen und im Fußball befragt. Grabenhorst ist schon seit ihrer Kindheit Fan des SV Werder Bremen.

akduell: In vielen Fanszenen herrscht noch ein sehr männliches Bild von Ultras oder Fans vor. Wie sollten Frauen damit umgehen?

Grabenhorst: Es gibt immer wieder Möglichkeiten sich zu beweisen, es gibt aber nicht diesen Zugzwang sich körperlich messen zu müssen. Das ist natürlich ein Vorteil, aber es gibt auch sehr viele negative Aspekte wie Diskriminierung. Man muss zeigen, dass man von diesem krassen Männerbild nichts hält, beziehungsweise dem eine eigene Position entgegensetzt.

akduell: Ist die Bezeichnung „Alienstatus“ für Frauen im Fußball, wie sie in der Diskussion gefallen ist, überhaupt richtig?

Grabenhorst: Frauen gehen teilweise unter und werden gar nicht gesehen, oder aber als Beiwerk. Bei Europa- oder Weltmeisterschaften werden Frauen medial total objektiviert, sexualisiert und als Blickfang dargestellt. Man ist besonders sichtbar, weil man eine Minderheit ist und auffällt, andererseits wird man ignoriert. Es gibt aber auch Netzwerke für Frauen und Frauenfangruppen.

akduell: Separiert man sich durch reine Frauengruppen nicht zu sehr?

Grabenhorst: Es macht es den Männern teilweise einfacher, weil sie sich nicht um eine Integration von Frauen in ihre Gruppen kümmern müssen. Andererseits kann ich auch jede Frau verstehen, die sagt, ich möchte gerne mit Gleichgesinnten zum Fußball gehen – ohne dumme Sprüche – und deswegen hab ich meine Mädelscrew am Start, wo wir uns gegenseitig supporten können.

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