Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Früher Gesamthochschule - Heute Universität

Gebäude LF am Campus Duisburg. [Foto: David Peters]
28.07.2020 10:18 - Alexander Weilkes

Am 1. Januar 2003 fusionierten die Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und die Gesamthochschule Essen zur Universität Duisburg-Essen (UDE). Doch wie kam es zu der Fusion und was verband die beiden Vorgänger-Institutionen?

Stempel mit dem Wort „Gesamthochschule“ finden sich auch heute noch in manchen Büchern der Universitätsbibliotheken der UDE. Sie sind ein Indiz für die jüngere Geschichte der Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt wurden fünf Gesamthochschulen (GHS) im Jahr 1972 in den Städten Duisburg, Paderborn, Siegen, Wuppertal und Essen gegründet. Dem vorausgegangen war die Erkenntnis seitens der Politik von Bund und Ländern, dass die Verteilung von Hochschulstandorten im Bundesgebiet höchst ungleich war. Der fehlende Hochschulzugang stellte eine Benachteiligung mancher Regionen dar. Schwächen in der lokal verfügbaren Bildungsstruktur senkten die Bildungschancen der ansässigen Bevölkerung.  

Unter dem Dach der GHS wurden Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen 

zusammengefasst

Die Gründung der GHS in Essen geschah wie auch in Duisburg nicht auf der grünen Wiese. Vielmehr handelte es sich um einen Zusammenschluss bestehender Bildungseinrichtungen: Die Pädagogische Hochschule Ruhr, die ein Jahr zuvor gegründete Fachhochschule Essen sowie das Universitätsklinikum, gingen in der Neugründung in Essen auf. Die GHS in Duisburg vereinte die Pädagogische Hochschule Ruhr und die Fachhochschule Duisburg.  
Besonders für das Ruhrgebiet, das sich in den 1970er Jahren im Wandel befand, waren die GHS eine Chance. Seit Ende der 1950er nahm die Anzahl der Beschäftigten im Bergbau beständig ab. Die Eisen- und Stahlindustrie, die auf das aus der Kohle gewonnene Koks angewiesen war, geriet in den 1970er ebenfalls in eine Krise. Die Montanindustrie im Ruhrgebiet war auf dem Rückzug. Neue Beschäftigungsformen, Kultur, Bildung und Wissenschaft gewannen an Bedeutung.1987 überstieg dann die Anzahl der Studierenden erstmals die Anzahl der Beschäftigten im Bergbau. Verantwortlich waren dafür die Neugründungen der Ruhr Universität Bochum (1962) und der Technischen Universität Dortmund (1968), aber auch die fünf neu gegründeten Gesamthochschulen.

Unter dem Dach der GHS wurden Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen in einer Einheit zusammengefasst. Die sozialdemokratisch geführte Landesregierung versprach sich von ihnen eine Öffnung und damit Demokratisierung von Hochschullehre für breite Bevölkerungsschichten und letztlich mehr Hochschulabsolvent*innen. Dazu passte, dass der Zugang zur GHS nicht nur mit dem Abitur, sondern auch mit der Fachhochschulreife möglich war. Dies war neu und galt als fortschrittlich. Ebenfalls war geplant, den starken Theoriebezug eines Universitätsstudiums mit dem Praxisbezug eines Fachhochschulstudiums zu kombinieren. Tatsächlich konnten die gesetzten Ziele nur teilweise erreicht werden. Zwar wurde der Zugang zu akademischer Bildung erleichtert, innerhalb der Universitätsausbildung wurden davor neue Beschränkungen geschaffen. Studierende der nordrhein-westfälischen GHS absolvierten zunächst alle gemeinsam ein Grundstudium bis zum Vordiplom. Im Hauptstudium konnte dann das Diplom 1 („Kurzstudium“) oder Diplom 2 erworben werden. Letzteres entsprach einem herkömmlichen Universitätsdiplom. Im Gegensatz zu ihren Kommiliton*innen mit Abitur mussten Studierende mit Fachhochschulreife jedoch zusätzlich Brückenkurse im Grundstudium absolvieren, wenn sie das Diplom 2 erwerben wollten. Dazu waren insgesamt 300 Stunden in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch zu absolvieren.

Universitäten zweiter Klasse?

In einem Aufsatz des Sammelbands mit dem vielsagenden Titel „Gesamthochschule — Versäumte Chancen?“, der anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der GHS-Gründungen in NRW erschien, heißt es: „Langjährige Erfahrungen aus der Praxis der Studienberatung haben gezeigt, daß die vierstündige Abschlußklausur in den Brückenkursen für einige Studienanfänger schon das frühe Aus des Traumes von einem wissenschaftlichen Studium bedeutet.“ 

Darüber hinaus glich sich die GHS den normalen Universitäten immer mehr an. In den 1980ern erwarb die Mehrzahl der Studierenden in Essen das Diplom 2. Gleichzeitig haftete den Gesamthochschulen der Makel an, sie seien lediglich Universitäten zweiter Klasse. Im Selbstverständnis der Gründer*innen und einiger Universitäts- und Fachhochschullehrer*innen sah man in den GHS eine moderne Bildungsinstitution, die sich nicht mit alten Traditionen herumschlagen musste. Einige Universitätsprofessor*innen befürchteten, dass ihr akademischer Ruf durch die Anstellung an einer Hochschule, die in der wissenschaftlichen Welt noch keine hervorstechende Reputation erreicht hatte, leiden würde.
In Essen hatte man bereits 1973 erreicht, den Zusatz „Universität“ im Namen zu tragen. Ab 1980 war dies dann für alle GHS möglich. In Duisburg einigte man sich erst 1994 auf „Gerhard-Mercator-Universität – Gesamthochschule Duisburg“. Der Bezug zum Kartografen, Kosmografen, Theologen und Philosophen Mercator ist auch heute noch an der UDE zu sehen. Durch die Involvierung einer historischen Symbolfigur, die den Umbruch vom Mittelalter zur frühen Neuzeit und die Reformation miterlebte, versprach man sich den angestrebten Traditionsbezug, der bisher fehlte. 

Heute sind über 42.000 Studierende an der UDE.

2003 fusionierten die beiden Neugründungen von 1972 miteinander und wurden zur Universität Duisburg-Essen. Auch die anderen GHS wurden zu regulären Universitäten umgewandelt. Im nordrhein-westfälischen Landtag begründete die damalige Ministerin für Schule, Wissenschaft und Forschung, Gabriele Behler, die Entscheidung damit, dass sich die „Y-Struktur“ mit den zwei unterschiedlichen Diplomen nicht bewährt habe: „Es wurde de facto durch die neuen, gestuften Studiengänge – die Bachelor- und Mastermodelle, ein Stück weit überholt.“

Heute sind über 42.000 Studierende an der UDE in 247 verschiedene Studiengängen eingeschrieben. Das Image, eine Universität zweiter Klasse zu sein, hat die Hochschule nicht von ihren Vorgängerinnen übernommen. 2020 lag die UDE im Times Higher Education Ranking auf Platz 194 unter 1400 internationalen Universitäten und auf Platz 23 der 48 besten deutschen Universitäten.
 

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