Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Frauen*streik gegen unbezahlte Sorgearbeit

Demonstrantinnen auf den Straßen Duisburgs. [Foto: Maren Wenzel]

12.03.2019 15:27 - Maren Wenzel

Denkt man an Streik, sieht man Arbeiter*innen vor sich, die für bessere Bedingungen oder Lohn kämpfen. Am Freitag, 8. März, dem Internationalen Frauentag, gingen bundesweit aber tausende FNTI (Frauen, nicht-binäre Personen, trans Männer und intersexuelle Menschen) zu einem Frauen*streik auf die Straße, um unter anderem gegen sexualisierte Gewalt und die Ausbeutung ihrer Arbeit zu demonstrieren. In Duisburg versammelten sich dazu 150 Menschen.

Wer wurde in Duisburg bestreikt? Das Patriarchat und Sexismus. „Wir sind tagtäglich verletzenden Witzen, Kommentaren, Übergriffen und körperlicher Gewalt ausgesetzt und werden dadurch systematisch klein gemacht und gehalten”, sagt Klara* von der SKB - einem sozialistischen Frauenbund bei der Auftaktkundgebung vor dem Duisburger Hauptbahnhof.

Studien zeigen die Verbreitung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Europäische Grundrechteagentur FRA hatte zuletzt 2014 eine repräsentative Umfrage gestartet. Das Ergebnis: Jede dritte Frau über 15 Jahren hatte in Europa sexualisierte oder physiche Gewalt erlebt. Eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) herausgegebene repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2004 hat außerdem herausgefunden, dass 42 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen psychische Gewalt erlebt haben. Dazu zählt die Studie Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror. Die Dunkelziffern dürften allerdings höher liegen.

cis-Männer

Menschen, denen bei Geburt das Gender „Mann” zugewiesen wurde und die sich auch im Laufe des Lebens weiter damit identifizieren.  

Abseits von den Themen Gewalt gegen Frauen und sexualisierten Übergriffen sprachen die linken Gruppen, die sich als Duisburger Frauen*streikbündnis organisiert hatten, über die Ausbeutung von Frauen in Lohnarbeitsverhältnissen: „Unsere Arbeit wird geringgeschätzt. Und noch immer verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer”, so Klara von der SKB.

Altersarmut und Niedrigrente wegen Sorgearbeit

Ihr Unmut endet aber nicht bei schlechter bezahlter Lohnarbeit: „Die unzähligen Stunden an Erziehungs- Haushalts- und Pflegearbeit, die wir leisten, werden finanziell überhaupt nicht anerkannt. Im Gegenteil: Es erwartet viele von uns Altersarmut wegen Niedrigrente, die kaum zum Leben reicht”, so Klara vom Bündnis.

Das BMFSFJ bezeichnet dieses Phänomen als Gender Care Pay Gap. In Deutschland leisten Frauen in 2017 laut einem Sachverständigenbericht im Schnitt 52,4 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Während Männer täglich etwa 2 Stunden und 46 Minuten unbezahlte Arbeit verrichteten, seien es bei Frauen also im Durchschnitt 4 Stunden und 13 Minuten.

Die Demonstrierenden in Duisburg ließen sich das jedenfalls nicht mehr gefallen: „Wir streiken! Wir organisieren uns, gehen mehr auf die Straße und erheben unsere Stimmen”, so Klara. Schulter an Schulter sagten sie dem Patriarchat den Kampf an. Und zogen mit Schildern mit den Botschaften „Women Fight For Your Rights” und „Stoppt Sexismus und Gewalt gegen Frauen und Mädchen!” in die Innenstadt.

*Name der Redakteurin bekannt

 

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