Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Frauenkampftag im Ruhrgebiet

In Bochum bestand die „dezentrale Demonstration“ aus mehreren Stationen. [Fotos: David Peters]
09.03.2021 18:17 - David Peters

Rund um den Frauenkampftag am 8. März gingen Deutschlandweit Aktivist:innen auf die Straße, um für die Gleichberechtigung der Geschlechter, gegen Sexismus und Gewalt und für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung zu demonstrieren. Zudem wurde in Essen ein Haus von Trans*-Personen besetzt.

Seit 1911 gibt es den Frauenkampftag, der auch Internationaler Frauentag genannt wird. Initiiert von der Kommunistin Clara Zetkin, wollte man vor allem das Frauenwahlrecht erkämpfen. Inzwischen dürfen Frauen in den meisten Ländern wählen und die Themen des Frauenkampftages haben sich verändert. Fest steht seit 1921 allerdings das Datum: der 8. März. Wie auch in den Vorjahren, fanden in den vergangenen Tagen im Ruhrgebiet zahlreiche Aktionen anlässlich des Frauenkampftages statt – aufgrund der Coronapandemie zum ersten Mal mit medizinischen Masken und ausreichend Abstand. 

Das Corona-Virus sorgte dafür, dass in Bochum keine übliche Demonstration durch die Innenstadt stattfand. Stattdessen ging man mit einer „dezentralen Demo“ neue Wege: Unter dem Motto „Under Feminist Construction“ erwarteten die Demonstrierenden auf der Route „feministische Baustellen“. Hier konnten sie Redebeiträgen zuhören oder sich selbst informieren. Thematisch ging es unter anderem um Schwangerschaftsabbrüche, Gewalt gegen FLINT (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen) oder Misogynie im Netz. Immer wieder sah man am Montag Menschengruppen, die zwischen den Stationen am Hauptbahnhof, dem Rathaus oder dem Schauspielhaus hin und her wanderten. Einige trugen dabei selbstgebastelte Schilder wie auf einer herkömmlichen Demonstration.

350 Menschen demonstrierten am Samstag in Dortmund

In Dortmund fand eine klassische Kundgebung statt – allerdings bereits am 6. März. Laut Veranstalter:innen wollte man so eine Terminkollision mit den Veranstaltungen zum Frauenkampftag in Bochum verhindern. Bei der Demonstration mit rund 350 Menschen stand das Thema „Care-Arbeit“ im Vordergrund. Mit „Care-Arbeit“ werden unter anderem Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Pflege oder Hausarbeit gemeint. Diese Tätigkeiten werden größtenteils von Frauen geleistet und schlecht oder gar nicht bezahlt.

Mila, eine Krankenpflegerin aus Köln, berichtete vor der Reinoldikirche davon, dass Frauen in der Pflege immer wieder sexuell belästigt werden. Dies sei besonders häufig bei der Körperpflege von Patient:innen der Fall. „Situationen von Intimität werden ausgenutzt“, erzählt Mila. „Das größte Problem für mich ist, dass das immer noch ein Tabuthema ist. Es wird zu wenig darüber gesprochen und es gibt keine Unterstützung für Betroffene.“ Neben den Belästigungen würden in der Pflege zudem schlechte Arbeitsbedingungen herrschen und die Löhne seien zu niedrig, so die Krankenpflegerin.

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An der Kundgebung in Dortmund beteiligten sich rund 350 Personen. 
 

Neben „Care-Arbeit“ spielten auch Prostitution und Gewalt gegen Frauen auf der Flucht eine Rolle. In einem Redebeitrag der Seebrücke Dortmund machte eine Aktivistin auf die Problematik von Frauen in den Flüchtlingscamps aufmerksam. Von den unmenschlichen Zuständen in den Lagern seien Frauen besonders betroffen. Sie seien sexuellen Übergriffen, besonders in den wenigen sanitären Anlagen, schutzlos ausgeliefert. Aus Angst vor diesen Übergriffen würden sich manche Frauen nachts nicht mehr alleine auf die Toilette trauen. „Wir fordern eine Ausrichtung der Lager auf genderspezifische Bedürfnisse. Dazu gehören sichere Schlafplätze, Anbringung von Schlössern an sanitären Anlagen, eine angemessene Beleuchtung und Schutzzonen für Frauen, Mädchen, Inter-, Trans- und nicht-binäre Menschen“, so die Rednerin.

Hausbesetzung im Essener Südviertel

Neben einer Kundgebung auf dem Ehrenzeller Platz in Essen-Altendorf gegen Abend, sorgte am Frauenkampftag eine Hausbesetzung für Aufsehen. In der Steinstraße hatte ein, nach eigener Aussage, „autonomer Zusammenschluss von trans*Personen“ in den Morgenstunden ein Haus besetzt. Damit wollten sie Aufmerksamkeit für „trans*Themen schaffen und Kritik an klassischem und institutionellem Feminismus üben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Aus den Fenstern hängten die Besetzer:innen Banner mit der Aufschrift „Antipatriarchaler Kampftag“. Alex, einer der Besetzer:innen erklärt dazu: „Wir wollen keinen Frauenkampftag, denn wir sind nicht alle Frauen, aber wir erfahren alle ähnliche Diskriminierungen und Ausschlüsse aufgrund unseres Geschlechts.“ Zudem würden „trans* Personen durch den Mainstream-Feminismus“ ausgeschlossen werden.

Weil der Eigentümer des Gebäudes eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs stellte, räumte die Polizei das Haus gegen 13 Uhr. Dabei wurden sechs Personen angetroffen und zur Feststellung der Personalien ins Essener Polizeipräsidium gebracht.
 

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