Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Extinction Rebellion jetzt auch in Duisburg und Essen

„Power to the people“ skandieren die Teilnehmenden der Straßenblockade. [Foto: Julia Segantini]

01.07.2019 11:46 - Julia Segantini

Nicht nur die Anhänger*innen der Fridays For Future-Demos gehen für die Umwelt auf die Straße. Seit einigen Wochen gibt es auch in Duisburg und Essen Ortsgruppen der Umwelt-Bewegung Extinction Rebellion. Welche Forderungen die Gruppe stellt und welche Aktionen geplant sind hat Michael, Mitglied der Duisburger Ortsgruppe, der akduell erzählt. 

ak[due]ll: Kannst du erklären, was Extinction Rebellion überhaupt ist?

Michael: Das ist eine Bewegung, die sich vor allem in England gebildet hat. Sie versucht, durch friedlichen Protest und zivilen Ungehorsam auf das Artensterben und die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Sie versucht, ein gesellschaftliches Umdenken zu bewirken und dass die Politik anfängt, zu handeln. Es geht darum, auf öffentlichen Raum einzuwirken. Das heißt, zum Beispiel kurzzeitig Straßen zu blockieren und dadurch, dass gewöhnliche Anläufe gestört werden, Aufmerksamkeit generiert wird.

ak[due]ll: Eure Gruppe ist ja noch ganz neu, in welcher Phase befindet ihr euch gerade?

Michael: Wir haben uns vor ein paar Wochen formiert. Die Gründungsphase haben wir gerade hinter uns. Wir gehen jetzt dazu über, in Duisburg Aktionen zu planen. Wir sind jetzt in unserer Wachstumszeit, wollen Leute aufmerksam machen, damit wir weiter wachsen können. In Duisburg sind wir 10-15 Leute. In Dortmund ist die Gruppe etwas größer, das war die erste Gruppe, die es im Ruhrgebiet gab. Dann kamen Bochum, Essen und wir als Duisburger Gruppe als letztes. Es gibt offene Treffen, die wir alle 14 Tage, jeden zweiten und vierten Mittwoch, im „47“ abhalten. Da können die Leute jederzeit vorbeikommen.

ak[due]ll: Vernetzt ihr euch mit anderen Ortsgruppen?
Michael: Wir Ortsgruppen sprechen miteinander und unterstützen uns gegenseitig bei Aktionen. Das werden wir auch bei der Rebellion Week in Berlin mit Ortsgruppen deutschlandweit machen.

ak[due]ll: Was für Leute machen bei euch mit?

Michael: Ganz unterschiedlich. Das ist eine relativ breite Bewegung mit sehr vielen verschiedenen Menschen, auch vom Alter her. Wir haben in unserer Ortsgruppe auch ältere Menschen, Menschen die im Arbeitsleben stehen, bis hin zu Schülerinnen und Schülern. Ganz junge Menschen also, die sich im Rahmen von Fridays For Future politisiert haben und mehr machen wollen, als nur Demos. 

ak[due]ll:Was heißt „mehr“?

Michael: Im Herbst wird es im Rahmen der Rebellion Week weltweit in Großstädten große Proteste geben. Anfang des Jahres wurde bei der Rebellion Week in London für mehrere Tage die wichtigsten Brücken über die Themse Brücke blockiert, sodass die ganzen Logistik-Abläufe in der Stadt zum Erliegen kamen. Das wird es dann im Herbst in verschiedenen Städten weltweit geben. Für Deutschland wird das Berlin sein. Bis dahin wird es aber auf jeden Fall auch Aktionen im Ruhrgebiet geben.

„Politiker müssen endlich die Wahrheit kommunizieren, wie schlimm es mit dem Klima aussieht“

ak[due]ll: Welche Ziele verfolgt ihr?

Michael: Extinction Rebellion stellt grundsätzlich erstmal die Forderung, dass Politiker endlich die Wahrheit kommunizieren, wie schlimm es mit dem Klima aussieht und dass aufgehört wird, das irgendwie schön zu reden. Dass Gesetze überprüft werden, ob sie dem entgegenwirken. Die zweite Forderung ist, dass ganz klar eine Treibhausgasemission von einer Netto-Null erzielt wird. Die dritte Forderung ist, dass das Ganze über Bürger*innenversammlungen kontrolliert wird und dass Menschen, die es auch betrifft und nicht nur Politiker*innen, an diesem Prozess partizipieren und mitgestalten. 

ak[due]ll: Seht ihr euch als eine radikalere Version von Fridays For Future?

Michael: Radikal wird in Deutschland oft in Richtung Gewalt gesehen, da sind wir definitiv nicht. Extinction Rebellion ist eine durch und durch friedliche Bewegung. Gewaltfreiheit ist ein Kernelement. In den Forderungen und in der Form der Formulierungen ist es aber sicherlich radikaler. 

ak[due]ll: Sind radikalere Formulieren deiner Ansicht nach nötig?
Michael: Ja, weil die Situation so verheerend ist. Das ist notwendig, weil die Situation so in den Sand gefahren ist, dass man da extrem umschwenken und gegensteuern muss.

ak[due]ll: Welche Aktionen generieren am meisten Aufmerksamkeit? 

Michael: Grundsätzlich große Aktionen, die medientechnisch wirksam sind, wie zum Beispiel die Rebellion Week. Ich persönlich mag aber Aktionen, wie kürzlich am Umweltmarkt in Duisburg, wo man die Möglichkeit hat, mit den Leuten persönlich zu sprechen und sie zu überzeugen. Umso größer die Aktionen sind, desto schwieriger wird es, mit Personen einzeln zu sprechen.

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