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Essener wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewaltanwendung vor

Beamte der Essener Polizei sehen sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert.
[Foto: Alexander Weilkes]

01.05.2020 19:33 - Alexander Weilkes

Das Video von Omar Ayoub, das der 23-Jährige am 27. April auf Instagram teilte, erhielt innerhalb von zwei Tagen mehr als 1.6 Millionen Aufrufe. Darin beklagt der Essener eine unverhältnismäßig gewaltvolle Behandlung durch Beamte der Polizei. Diese stellt den Vorfall in ihrer Meldung ganz anders dar. 

„Familie attackiert Streifenteam“ – so liest sich der Titel der Meldung, die die Polizei Essen zu dem Einsatz veröffentlichte. Omar Ayoub, ein Mitglied der Familie, stellt die Ereignisse in einem Instagram-Video jedoch ganz anders dar. Der 23-Jährige wirft den Polizeibeamten vor, sich unerlaubt und gewaltsam Zugang zu der Familienwohnung verschafft und ihn und seine Familienmitglieder brutal behandelt  zu haben. Das Video zog viel Aufmerksamkeit auf sich, sodass die Polizei Essen sich zu einer Folgemeldung gezwungen sah, in der sie Stellung zu den Anschuldigungen nahm.

Gegensätzliche Darstellung der Ereignisse

Laut Polizeimeldung fiel den Beamten in der Nacht vom 25. auf dem 26. April bei einer Streife auf der Zinkstraße auf, dass es vor und in einem Wohnhaus zu einer Ruhestörung kam. Als die Beamten sich näherten, seien die lärmenden Personen in dem Gebäude verschwunden. Die Polizisten betraten daraufhin das Wohnhaus, machten die Wohnung ausfindig, von der die Ruhestörung angeblich ausging, und klingelten an der Tür. Ab diesem Punkt widersprechen sich die Darstellungen der Polizei und die von Omar Ayoub. 

Ayoub soll versucht haben, die Wohnungseingangstür zuzuschmeißen, weil er den Beamten keinen Zutritt gewähren wollte. „Die Polizisten verhinderten dies“, heißt es in der Meldung. Daraufhin sollen Ayoub und sein Vater die Beamten mit Faustschlägen angegriffen haben. Die Beamten setzten Pfefferspray und einen sogenannten Einsatzmehrzweckstock ein, legten Ayoub und seinem Vater Handfesseln an und brachten beide auf die Altenessener Polizeiwache.

Laut Omar Ayoubs Aussage wollte er die Beamten tatsächlich nicht in die Wohnung lassen: „Sie können nicht in mein Haus rein ohne Durchsuchungsbefehl”, rekonstruiert Ayoub das Gespräch an der Wohnungstür. „Ich wollte die Tür zu machen, da hat er seinen Fuß ins Haus gesetzt.” Seiner Aussage nach verschafften sich die beiden Polizisten gewaltsamen Zutritt, sprühten ihm Pfefferspray in die Augen und schlugen ihn, seinen Vater sowie die 16-jährige Schwester.

Rassistische Beschimpfungen

Auch nachdem sie ihn bereits gefesselt und mit einer Reihe von herbeigerufenen Polizisten auf dem Boden fixiert hatten, habe man weiter auf ihn eingeschlagen. „Bitte hört auf, ihn zu schlagen”, habe seine schwangere Frau bei diesem Anblick geäußert. „Daraufhin kam der Polizist ihr mit dem Knüppel entgegen und meine Frau hat ihm gesagt, dass sie schwanger ist. Und trotzdem hat er sie auf den Boden geschubst”, so Ayoub, der eine gebrochene Hand und zahlreiche Verletzungen an Kopf, Armen und Rücken davongetragen hat. 

„Bitte hört auf, ihn zu schlagen”

Gegenüber der Zeitung Neues Deutschland äußerte der 23-Jährige zudem, dass er und seine Familie während des Vorfalls als „Dreckslibanesen‟ und „ehrenloser Kanacken‟ beschimpft worden seien. Es ist nicht der erste Fall in diesem Jahr, bei dem Essener Polizeibeamten rassistisches Handeln vorgeworfen wurde. Gegen Ayoub und seinen Vater wurde ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Die beteiligten Polizisten erwartet ebenfalls ein Strafverfahren, das „routinemäßig” von der Bochumer Polizei vollzogen werde, so die Folgemeldung der Polizei Essen.

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