Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Essen soll fahrradfreundlicher werden

Das könnte unsere Städte besser machen. [Foto: Sophie Schädel]
17.02.2020 14:31 - Sophie Schädel

Radfahren in Essen ist selten ein Vergnügen. Deshalb organisiert die Initiative RadEntscheid Essen ein Bürgerbegehren für eine bessere Fahrradinfrastruktur in der Stadt. Wir haben mit Klara vom RadEntscheid darüber gesprochen, was sie an der aktuellen Situation auf den Straßen nervt und wie das Bürgerbegehren daran etwas ändern könnte.

Schon ihr Weg an die Uni zum Interview ist für Klara ein gutes Beispiel dafür, was in Essen schiefläuft: „Ich fahre immer das erste Stück ohne Fahrradweg. Da muss ich neben den Autos herfahren, die mir mal mehr, mal weniger Platz lassen“, erzählt sie. „Dann komme ich sogar auf eine Straße, auf der ein Fahrradweg ist, der ist aber leider sehr schmal. Gerade steht da ein Auto mit Warnlicht drauf. Ich muss also vom Radweg runter, komme in die Schienen und lege mich richtig lang.“ Das Ergebnis: Schmerzen, schlechte Laune und eine Acht im Reifen. Aus Klaras Sicht ist das nicht einfach nur Pech, sondern hat System. Essen ist keine fahrradfreundliche Stadt. „Das ist gefährlich und hält Leute davon ab, aufs Rad zu steigen“, kritisiert sie. Dagegen setzt sie sich jetzt mit circa 100 anderen Essener*innen ein.

„Der RadEntscheid ist ein Bürger*innenbegehren, mit dem wir uns für eine bessere Fahrrad-Infrastruktur in Essen einsetzen. Wir wollen, dass Menschen jeden Alters und unabhängig von Geschlecht und Fitness gerne und sicher Rad fahren.“ So stellt sich die Initiative online selbst vor. Sie haben sieben Forderungen für die Radinfrastruktur, beispielsweise sicherere und längere Radwege und mehr Stellplätze für Räder. Im Sommer sollen sie mindestens 15.000 Essener*innen unterschreiben, 2,5 Prozent der Einwohner*innen. Schafft man das innerhalb von drei Monaten, muss sich der Stadtrat mit den Forderungen befassen. Er prüft dann, ob das Begehren gültig ist. Ob er den Forderungen folgt, entscheidet er per Abstimmung.

Das fordert RadEntscheid Essen

  1.  Durchgängiges Netz für den Alltagsradverkehr
  2. Sichere Radverkehrsführung an Knotenpunkten
  3. Attraktive Nebenstraßen: Fahrradstraßen und Fahrradzonen
  4. Sichere Radwege an Hauptstraßen und geschützte Radspuren
  5. Radwege durchgängig und einheitlich gestalten
  6. Ausbau sicherer Fahrradstellplätze
  7. Kampagnen und konsequente Förderung

„Der Rat kann die Unterschriften als großen Willen in der Bevölkerung sehen und die Forderungen einfach umsetzen“, erklärt Klara das Prozedere. „Oder er ist stur und tut nichts. Dann geht es in den Bürgerentscheid. Das ist eine richtige Abstimmung mit Wahlurne.“ Klara geht davon aus, dass der Rat es nicht darauf ankommen lässt. Auch, weil die Stadt, die 2017 Grüne Hauptstadt Europas war, ohnehin mehr Radverkehr will. Die Stadt Essen hat sich im Rahmen dieses Konzepts im September 2019 das Ziel gesetzt, dass bis 2035 ein Viertel der täglichen Fortbewegung in der Stadt per Rad geschehen soll. „Dafür müssen bis zum Jahr 2035 täglich etwa 331.000 Fahrten mehr mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Dies bedeutet eine Steigerung von rund 240 Prozent im Vergleich zu heute“, so die Stadt in einer Pressemitteilung.

„Noch weiß aber niemand, wie das genau umgesetzt werden soll“, kritisiert Klara. Darum hat der RadEntscheid den Bürgerentscheid angestoßen und konkrete Forderungen gestellt. Bis in einigen Monaten die Unterschriftensammlung startet, ist noch viel Organisatorisches zu tun, und die Initiative freut sich über Helfer*innen. Klara findet, es ist höchste Zeit, dass sich in Essen etwas bewegt: „Wir haben keine Lust mehr, zu warten, bis sich von selbst etwas tut. Auch in Anbetracht der Klimakrise. Wir wollen das jetzt umgesetzt haben.“

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