Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

LOKALES

Essen: Demo gegen rassistische Polizeigewalt

Die Mutter von Adel B. fordert Gerechtigkeit im Fall ihres Sohnes.
[Foto: David Peters]
22.06.2020 14:11 - David Peters

Am 20. Juni demonstrierten in Essen-Altendorf 300 Menschen gegen rassistische Polizeigewalt. Vor einem Jahr wurde in Altendorf Adel B. von einem Polizisten erschossen. Seine Mutter und die Demonstrant*innen forderten Gerechtigkeit.

Die Mutter von Adel B. ringt mit den Tränen, als sie vor 300 Demonstrierenden auf dem Ehrenzeller Platz in Essen-Altendorf eine Rede hält. Sie habe lange überlegt, was sie sagen soll, erklärt sie. Ihr falle nichts Neues mehr ein. Es ist nicht die erste Demonstration, auf der sie eine Rede hält. Immer wieder hat sie die Geschichte erzählt, wie ihr Sohn im Juni 2019 im Flur eines Hauses in der Drügeshofstraße sein Leben verlor. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen die Polizisten eingestellt, doch seine Mutter fordert Gerechtigkeit und will den Polizisten, der geschossen hat „vor Gericht zerren“. „Kannst du noch schlafen?“, fragt sie in ihrer Rede den Polizisten. „Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass du hier noch durch die Straßen fährst und Polizist bist.“

Der Fall Adel B. sorgte für Schlagzeilen und Diskussionen. B. hatte seinen Suizid angedroht und lief mit einem Messer durch den Stadtteil Altendorf. Polizist*innen liefen ihm bis zu der Haustür in der Drügeshofstraße nach. Was der Auslöser für den Schuss aus der Polizeiwaffe war, ist umstritten. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass Adel B. mit dem Messer nach den Polizist*innen gestochen habe. Der Schuss sei aus Notwehr gefallen. Die Initiative „Gerechtigkeit für Adel“ sieht die Situation anders. Adel B. sei durch die Tür erschossen worden, obwohl er keine Anstalten gemacht hätte, die Polizist*innen anzugreifen.

Polizei stoppt spontane Demonstration

Rund ein Jahr später stehen 300 Demonstrierende in Altendorf und skandieren: „Adel B. - das war Mord!“ Sie hatten sich nicht nur versammelt, um Gerechtigkeit für Adel B. zu fordern, sondern auch, um „allen anderen Opfern von rassistischer Polizeigewalt zu gedenken“. Zum Beispiel Oury Jalloh, der im Dessauer Polizeigewahrsam verbrannte. Ob Jalloh sich selbst in Brand gesteckt hat oder von Polizeibeamt*innen verbrannt wurde, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Auch aufgrund zahlreicher Ermittlungspannen.

Eigentlich sollten sich die Demonstrierenden auf eine Kundgebung auf dem Ehrenzeller Platz beschränken, doch nachdem diese aufgelöst wurde, formierte sich die Menge zu einer spontanen Demonstration und zog durch den Essener Stadtteil über die Helenenstraße auf die Altendorfer Straße. Immer wieder skandierte sie: „Deutsche Polizisten – Mörder und Rassisten.“ Nach mehreren hundert Metern stoppte eine Einsatzhundertschaft die Demonstration mit Faustschlägen und Schlagstöcken. Die inzwischen angemeldete Demonstration musste eine andere Route wählen. Vorbei an dem Ort, an dem Adel B. erschossen wurde.

Laut RadioEssen kündigte der Anwalt der Familie B. an, eine Klage vor dem Oberlandesgericht erzwingen zu wollen. Dies ist allerdings nur noch bis Ende Juni möglich, dann läuft die Frist dafür ab. „Ich werde weiterkämpfen“, erklärt die Mutter von Adel B.. 

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