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Erneut Übergriffe auf Essener Antifaschist*innen

„Aufstehen gegen Rassismus Essen“ demonstriert unter anderem gegen die Aufmärsche der „Steeler Jungs“. [Archivbild: David Peters]
 

03.02.2020 12:17 - David Peters

Die Gruppe „Aufstehen gegen Rassismus Essen“ und das Bündnis „Essen stellt sich quer“ berichten von Übergriffen auf Antifaschist*innen. Zu den mutmaßlichen Täter*innen gehört auch eine rechte Gruppierung mit Verbindungen zu den „Steeler Jungs“, einer selbsternannten rechten Bürgerwehr.

Bereits im Dezember kam es zu einem gewalttätigen Übergriff auf den ehemaligen Sprecher des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ (ESSQ) Max Adelmann. Der vermummte Täter hatte mutmaßlich nach einem Bündnistreffen auf Adelmann gewartet und ihn mit einem gezielten Faustschlag zu Boden gebracht.

ESSQ vermutet einen rechten Hintergrund (akduell berichtete). Das Bündnis, bestehend aus verschiedenen Organisationen, Gewerkschaften und Parteien, hat es sich zum Ziel gesetzt, mit gewaltfreien Demonstrationen, Kundgebungen und Blockaden gegen Neonazi-Aktivitäten in Essen aktiv zu werden und für eine weltoffene und tolerante Stadt einzutreten.

Rechte Gruppierung mit Verbindung zu den „Steeler Jungs“

In der Nacht auf den 14. Januar wurde das Büroschild des Bündnisses von Unbekannten beklebt. Die verwendeten Aufkleber stammten aus dem Online-Versandhandel eines Führungskaders der Dortmunder Neonaziszene, die kein Problem damit hat, sich als antisemitisch und nationalsozialistisch zu sehen.

Verantwortlich dafür scheint eine Gruppe zu sein, die sich selbst als „Junge Patrioten Essen“ bezeichnet. Sie hatten in einem sozialen Netzwerk ein Video der Tat gepostet. Das Essener Bündnis will sich von dem erneuten Übergriff nicht einschüchtern lassen: „Abermals versuchen Rechtsradikale, uns in unserer Arbeit gegen Rassismus und Faschismus einzuschüchtern und davon abzubringen. Dieser Gefallen wird ihnen – wie auch schon zuvor im Dezember – verwehrt bleiben.“ 

Die „Jungen Patrioten Essen“ distanzieren sich zwar von den „Steeler Jungs“, Recherchen von ESSQ widerlegen diese Aussage allerdings und legen offensichtliche personelle Überschneidungen offen.

Das Bündnis vermutet hinter der neuen Gruppierung eine weitere Radikalisierung der „Steeler Jungs“: „Sie führen den Weg, mit dem bereits offen propagierten Schulterschluss zur klassisch rechtsradikalen Szene fort. Sie sind derzeit scheinbar dabei, Untergrundstrukturen gegen den politischen Gegner auszubilden und ihre politischen Ziele auch militanter zu verfolgen.“ Das Bündnis warnt davor, die „Steeler Jungs“ und ihre Mitglieder weiterhin als harmlos anzusehen.

„Gefühlt nehmen die Übergriffe rasant zu“

Auch die Gruppe „Aufstehen gegen Rassismus Essen“ beklagt Angriffe auf Mitglieder ihrer Gruppe. Vor zwei Wochen wurde ein Mitglied der Gruppe von einem mutmaßlich Rechten geohrfeigt und ihm wurde gesagt, er solle froh sein, noch so jung zu sein, sonst wäre Schlimmeres passiert.

„Es bleibt nicht mehr nur bei Beleidigungen.“

Vergangene Woche wurden zwei Mitglieder von „Aufstehen gegen Rassismus“ nach eigenen Angaben im Nachtbus von zwei „offensichtlich rechts orientierten Personen“ beleidigt und nach dem Aussteigen von einer der Rechten ins Gesicht getreten. Passant*innen hinderten die Rechten an weiteren Attacken und alarmierten die Polizei. „Gefühlt nehmen die Übergriffe rasant zu“, beschreibt ein Sprecher von „Aufstehen gegen Rassismus“ die aktuelle Situation. „Das ist eine neue Qualität. Es bleibt nicht mehr nur bei Beleidigungen.“ Man beobachte die Situation mit großer Sorge.

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